Deutsche Staatsanwaltschaft ermittelt

Geldwäscheverdacht: Choi Soon Sil in Seoul festgenommen

Choi Soon Sil ist in Seoul von Ermittlern in Gewahrsam genommen worden. Die 60-Jährige, die das Taunushotel in Arnoldshain gekauft hat und in ihrer Heimat Südkorea im Zentrum eines Korruptionsskandals steht, hatte sich gestellt. In Deutschland wird derweil gegen drei Koreaner und einen Deutschen ermittelt.

Die südkoreanische Justiz hat am Wochenende Choi Soon Sil in Seoul in Gewahrsam genommen. Zunächst für 48 Stunden. Choi hatte sich zuvor den Ermittlern gestellt. Das berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Dienstag. Außerdem wurden der Taunus Zeitung vorliegende Informationen, wonach es im Zusammenhang mit den mysteriösen Vorgängen rund um das Arnoldshainer Taunushotel um Geldwäsche gehen könnte, gestern von der Frankfurter Staatsanwaltschaft bestätigt. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf den Verdacht der Geldwäsche, teilte die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, Nadja Niesen, mit. Ermittelt werde gegen drei koreanische und einen deutschen Staatsbürger.

Zusammen mit ihrer Tochter Chung Yoo Ra hatte Choi bis vor ihrem Verschwinden in Arnoldshain gelebt (TZ berichtete). Vermutlich bis Ende September hat sich die langjährige Vertraute und Schlüsselfigur des Skandals um Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye im Schmittener Ortsteil aufgehalten.

Laut Nachrichtenagentur, die sich wiederum auf die südkoreanische Agentur Yonhap beruft, werde Choi seit Sonntag in Seoul festgehalten, weil sie sonst fliehen oder Beweise vernichten könnte. Der 60-Jährigen wird vorgeworfen, sich ohne offizielle Funktion massiv in die Regierungsgeschäfte eingemischt zu haben. Auch steht sie unter Betrugsverdacht. Berichten zufolge soll Choi die Präsidentin in politischen Fragen beraten, sie auf Spitzentreffen vorbereitet und ihre Reden überprüft haben. Bei ersten Vernehmungen durch die Staatsanwaltschaft in dieser Woche wies Choi die Vorwürfe zurück, berichtet dpa.

Derweil wird auch in Deutschland ermittelt. Ob es sich bei dem Deutschen um den Geschäftsführer des in dem nie als Hotel betriebenen Komplex an der Schönen Aussicht ansässigen Unternehmens „Widec“ handelt, wollte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen weder bestätigen noch dementieren. Auch könne sie über den Stand der Ermittlungen, insbesondere darüber, ob eine Anklageerhebung oder eine Verfahrenseinstellung bevorsteht, nichts sagen. Nur so viel: Derzeit ermittelt lediglich die deutsche Staatsanwaltschaft, ein Amtshilfeersuchen der südkoreanischen Strafverfolgungsbehörde liege noch nicht vor. Sollte um Amtshilfe gebeten werden, werde selbstverständlich kooperiert.

Nach wie vor ist Niesen von einem Polizeieinsatz in Schmitten nichts bekannt. Der Sprecher der Polizeidirektion Bad Homburg hatte der TZ gegenüber jedoch einen solchen in der vergangenen Woche bestätigt. Es habe sich dabei um Kollegen einer Wiesbadener Polizeieinheit gehandelt, die vorrangig dort tätig würden, wo es um den Verdacht von Geldwäsche oder andere Vermögensdelikte gehe. Regionale Polizei sei jedoch nicht involviert und auch nicht informiert gewesen.

Unterdessen ist durch die Aussage eines Koreaners gegenüber einer TZ-Mitarbeiterin der Seelenberger Akazienhof mit der Angelegenheit in Verbindung gebracht worden. Der Koreaner hatte vergangene Woche nach der Adresse gesucht. Das Haflingergestüt soll im Zusammenhang mit dem Korruptionsskandal sogar im südkoreanischen Fernsehen gezeigt worden sein. Einen Zusammenhang mit der Reiterei gibt es in der Tat dergestalt, dass die Koreaner offenbar versucht haben, in Deutschland ein Pferdesportleistungszentrum aufzubauen, in dem südkoreanische Dressur- und Springreiter fit für Olympia 2020 in Tokio gemacht werden sollten (TZ berichtete). Dabei war es unter anderem um den Jäger-Hof in Biblis gegangen. Dort hatten die im Zentrum der Affäre stehende Koreanerin und ihre Tochter, eine in Südkorea recht erfolgreiche Dressurreiterin, eineinhalb Jahre gelebt. Nun hat sich die Betreiberfamilie des Akazienhofes mit sehr deutlichen Worten dagegen verwahrt, in den Medien weiterhin in Zusammenhang mit der Angelegenheit gebracht zu werden. Es gebe weder zu den handelnden Personen noch zu dem Taunushotel oder dem dort betriebenen Unternehmen irgendwelche Kontakte oder Beziehungen.

Choi lebte im Grabenwiesenweg in direkter Nachbarschaft zum Taunushotel in einem Haus, das das Unternehmen „Widec Sports“ ebenfalls gekauft haben soll. Die unter der Adresse des Hotels gemeldeten Unternehmen sollen laut koreanischen Medien Briefkastenfirmen sein.

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