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Trotz der Armut sind die Kinder im Kongo fröhlich. Von den politischen Problemen ahnen sie noch nichts.

Prekäre Lage

Gemeinde als Sprachrohr für den Kongo

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Die Unfreiheit und die Gräueltaten an der Bevölkerung im Kongo haben viel mit westlicher Ausbeutung zu tun. Die evangelische Kirche Wehrheim hat sich in Wuppertal informiert, und möchte jetzt auf die unmenschliche Situation ihrer Partner im Kongo aufmerksam machen.

Die Regierung der Demokratischen Republik Kongo ist verfassungswidrig. Präsident Joseph Kabila hätte nach zwei Wahlperioden längst den Hut nehmen müssen. Es gibt keine Pressefreiheit, Versammlungen sind verboten, Gegnern drohen Verfolgung, Gefängnis und Tod. Pastor François-David Ekofo lebt nach einer kritischen Predigt wie viele andere Regimekritiker jetzt im Exil, und Soldaten werfen Granaten sogar in Kirchen. Das entsetzt Dr. Jean Mutombo, ökumenischer Mitarbeiter der VEM (Vereinten Evangelischen Mission) in Wuppertal, besonders.

Der Kongolese lebt in Deutschland, in seinem Heimatland muss er um sein Leben fürchten. Der evangelischen Gemeinde in Wehrheim ist er eng verbunden. Er war Referent beim Kongo-Seminar, an dem auch Pfarrer Matthias Laux teilnahm. Mutombo gehört der Synode der ECC (Église du Christ au Congo) an, die rund 25 Millionen Protestanten im Land vertritt.

Mutombo vermisst den Protest der Protestanten in Deutschland, aber auch den der Regierung. Kabila verstoße permanent gegen die kongolesische Verfassung, seine Amtszeit sei 2016 abgelaufen. Der Präsident habe Neuwahlen bisher verhindert, berichtet der Wehrheimer Pfarrer. Die Frist Ende 2017 sei ebenfalls abgelaufen. An den neuen Termin, den 23. Dezember, glaube die Bevölkerung nicht mehr. Auf friedliche Demonstrationen antworte das Regime mit Gewalt.

Robert Byamungu, ökumenischer Mitarbeiter der VEM, appellierte beim Seminar: „Die Weltöffentlichkeit muss endlich gegen diese Verletzungen der Menschenrechte vorgehen.“ Allerdings müsse auch die kongolesische Bevölkerung ihre Angst überwinden.

Von einem Marshallplan für Afrika hält Dr. Boniface Mabanza, von der kirchlichen Arbeitsstelle südliches Afrika in Heidelberg und weiterer Referent, nichts. Er sieht derzeit nur ein Ziel der Europäer, das sie seiner Meinung nach mit dem Plan verfolgen: „Die Flüchtlingsströme einzudämmen.“ Das Papier sei eine Beleidigung für den Kontinent, denn die angesetzten 300 Millionen Euro seien vom Bundesamt für Entwicklung (BMZ) nur umgewidmet.

Es sei von freiem und fairem Handel die Rede, dabei handeln Firmen, die im Kongo investieren, ausschließlich im eigenen Interesse. Europa setze auf Wirtschaftspartnerschaften, die die Ausbeutung im Grunde aber noch vereinfachen. Deutschland wasche seine Hände in Unschuld, kaufe aber Waren wie Coltan und Kupfer, die unter menschenverachtenden Verhältnissen gefördert würden, über Drittländer. Der Kongo sei nicht immer „das arme Kind Afrikas“ gewesen, von außen lasse er sich aber nicht entwickeln, so Mabanza. Es gebe Bodenschätze, Chancen für den Tourismus, genügend Wasser und große Biodiversität, und der Fachmann ist sicher, dass die kongolesische Landwirtschaft das Land ernähren kann, aber es fehle die Infrastruktur.

„Tomaten verrotten auf dem Feld, während in Kinshasa mit Tomatenmark aus Italien gekocht wird. Die Regierung muss weg. Wir können unser wunderbares Land doch nicht diesen Idioten überlassen“, sagt Mabanza. Von Partnerschaften wie der Wehrheimer erwartet er deshalb, dass sie Informationen über die Ermordung von Regimegegnern, über Kindersoldaten und Massenvergewaltigungen verbreiten, denn diese kämen in westlichen Medien sonst nicht vor. „Sie können zum Sprachrohr werden“, sagt Mabanza. In Wehrheim wird das am Sonntag, 22. April, mit dem Partnerschaftsgottesdienst umgesetzt. Er beginnt um 10 Uhr in der evangelischen Kirche, und Pfarrer Mutombo wird dabei sein.

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