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Gemeinsam an die Grenzen gehen

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Von: Monika Schwarz-Cromm

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Jeder Bürger sollte einmal die Grenzen seines Ortes abgegangen sein. Dies ermöglichte jetzt der Ortsbeirat für Niederlauken und startete zur ersten Etappe des Grenzrundgangs. Und das mit jeder Menge Fakten.

Der Ortsbeirat hatte sie beschlossen, die Wanderung, bei der die Grenzen rings um den Ort abgegangen werden sollten. Für eine einzige Wanderung wäre die Strecke viel zu weit, lautete die Beurteilung. Und so starteten die Niederlaukener jetzt zu einer ersten Teilbegehung.

Vorsicht sei geboten, hörten sie. Denn genau in dieser Gegend laufe seit 15 Jahren ein Wolf durch die Wälder. Die Grenzwanderer wunderten sich. Doch es war der Revierförster Wolf Liebhold selbst, der das bekanntgab und sich wegen seines Vornamens damit selbst auf die Schippe nahm.

Liebhold führte die Gruppe vom DGH auf die etwa acht Kilometer lange Strecke und machte sich in westlicher Richtung auf den Weg zum Sonnenhof und weiter zur Kreuzung Pflasterstraße. Die Gruppe lief eine Weile an der Grenze zu Oberlauken durch die Gemarkung „Grauer Esel“. Dort fand sie den Stein „Grauer Esel“, der tatsächlich wie ein Esel aussieht. Weiter ging es zum Weiltalblick, wo Liebhold die Grenze zu Rod an der Weil vom Weiltal bis zum Pfingstberg erklärte. Das nächste Ziel war der Zollstock. Dort, wo es eine kleine Stärkung für alle gab, stoßen die Gemarkungen Niederlauken, Rod an der Weil und Gemünden wie ein Dreiländereck zusammen. Ab da zeigte sich auch die Gemündener Grenze durch das „Sechborn“ als richtungsweisend. Am „Scheid“ vorbei kehrten die Grenzwanderer zurück nach Niederlauken und steuerten nach gut drei Stunden das Geflügelzüchterhäuschen an, wo sie sich in gemütlicher Runde ausruhten.

Förster Liebhold versorgte sie zwischendrin immer wieder mit geschichtlichen Infos und Anekdoten. So erfuhren sie, dass die Lauker Mark zwischen dem 13. und 18. Jahrhundert aus Niederlauken, Oberlauken, halb Laubach und halb Gemünden, nämlich der Stockheimer Seite, bestand. Zur Mark gehörten östlich von Niederlauken die Bereiche Buchwald, in Richtung Gemünden-Laubach Rödern und Unterhardt – das waren der Hardtköppel, Junge Eichen, eben das heutige Gemünden – sowie die Engelshardt, die heute zwischen Oberlauken und Niederlauken aufgeteilt ist.

„Um 1800, nachdem der Wald durch Übernutzung und Streunutzung stark geschädigt war, wurde die Mark aufgelöst und die Gemeindewälder entstanden im heutigen Zuschnitt“, erklärte Liebhold. Er ging auch auf die Waldbewirtschaftung ein und erklärte anhand von Beispielen, wie moderne Forstwirtschaft funktioniert.

Ortsvorsteher Roland Pietzonka sprach am Ende das aus, was alle dachten. Es war ein faszinierender Nachmittag. In ähnlicher Form soll im Frühjahr die nächste Grenzwanderung stattfinden.

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