Wochenmarkt in Usingen

Wo Gemüse noch frisch vom Bauern kommt

Die Stände auf dem Usinger Wochenmarkt locken Laufkundschaft, aber vor allem viele Stammkunden an. Neben den angebotenen Waren wissen sie auch den Service zu schätzen.

Es ist noch früh am Morgen. Genauer gesagt kurz nach 8 Uhr. Die Sonne blinzelt nur sporadisch hinter den dicken Wolken hervor. Die Novemberluft ist ganz schön kühl. Während einige Menschen bereits an ihrem Arbeitsplatz sind, haben andere noch Zeit und Muße, einzukaufen. Auf dem Wochenmarkt in Usingen, direkt gegenüber der Hugenottenkirche, bilden sich schon kleine Schlangen vor dem Käsewagen sowie am Stand mit Obst und Gemüse. Während wartende Menschen an Supermarktkassen öfter mal murren oder ein „geht das nicht schneller“ vor sich hin knurren, wartet auf dem Markt jeder Kunde geduldig, bis er dran ist. Mitunter ergibt sich sogar ein Gespräch mit dem Vordermann oder mit der Marktfrau. „Hallo Frau Schneider, geht es gut heute?“, fragt diese gerade die vor ihr stehende Kundin. Ein kleines Gespräch nur, doch ein Lächeln huscht über das Gesicht der Dame, als sie antwortet.  

Ein Markt hat Flair, daran gibt es nichts zu rütteln. „Ich mag keine neonbeleuchteten Endlos-Gänge in Supermärkten“, sagt eine Dame mit großem Weidenkorb. „Ich erledige meinen Wocheneinkauf immer freitags auf dem Usinger Markt. Nur für spezielle Dinge, wie zum Beispiel Backpulver oder ähnliches, gehe ich in den Laden“, erzählt die Kundin. „Hier wird man noch persönlich bedient und beraten“, freut sie sich. Der Kontakt mit dem Verkäufer ist aber noch wichtiger. „Ich möchte möglichst regional einkaufen. Ich will nicht, dass meine Mohrrüben mit dem Laster durch ganz Europa gefahren werden, wenn ich einen Bauern aus der Region habe, der auch Mohrrüben anbaut“, findet Beate Winkler. „Doch woher weiß ich, wo die Dinge herkommen. Da brauche ich einen Ansprechpartner, der sich auskennt und mich beraten kann – und den finde ich auf dem Wochenmarkt.“

Es gibt auch Kunden, die gezwungen sind, nachzufragen, was alles an Zutaten im Brot oder Kuchen steckt, wie Sandra Keil weiß, die am Stand von Langgärtners Backhaus bedient. Seit 18 Jahren ist sie auf dem Usinger Wochenmarkt und kennt sich nicht nur gut aus, sondern auch ihre Kunden. „So mancher hat eine Allergie, und da müssen wir oft beraten“, erzählt sie. „Unsere Spezialität ist der Hefeteig, der bei uns noch in der Bäckerei selbst hergestellt wird“, sagt sie. Aber auch den Kuchen mögen die Kunden gern. Allein 200 Stück hat die Verkäuferin heute dabei. „Qualität und Frische, das ist bei unseren Kunden ein wichtiger Faktor“, erklärt Sandra Keil.  

Doch nicht nur regionale Brote, Brötchen und Kuchen werden auf dem kleinen Marktplatz aus dem 17. Jahrhundert angeboten. Es gibt einen Fischwagen, einen mit Schnittblumen, einen Stand mit Obst und Gemüse, mediterrane Feinkost wie Olivenöl, marinierten Ingwer, eingelegte Paprika, Schafskäse und Fladenbrot. „Ich kaufe hier immer Oliven ein, es gibt keine besseren. Dafür bin ich bereit, ein wenig mehr zu bezahlen als im Geschäft“, berichtet Simon Holzapfel, der ganz in der Nähe arbeitet. Angela Born dagegen schätzt die Vielfalt, die ein Wochenmarkt mit sich bringt. „Hier schmecken die Äpfel noch nach Apfel. Jede Sorte hat ihr ganz eigenes Aroma. Manchmal findet man auch eine besondere Sorte, die man sonst nirgendwo bekommt“, schwärmt sie. Die Usingerin schätzt zudem, dass man auch mal probieren darf, bevor man sich entscheidet.

Am Stand der Gießener Metzgerei Fuhr arbeiten Elke Grundhofer und Daniele Konrad. Metzgermeister Andreas Fuhr weiß, wie wichtig ein freundliches und gut funktionierendes Team ist. „Als wir vor nicht ganz 30 Jahren das erste Mal herkamen, war es nicht leicht, Fuß zu fassen“, gesteht er. „Aber inzwischen haben wir uns etabliert und sehr nette Stammkunden“, freut sich der Geschäftsinhaber. „Punkten kann man hier mit Qualität, und unsere Produkte stammen zu 95 Prozent aus eigener Herstellung“, berichtet er.

Fuhr weiß aber auch, wie wichtig der persönliche Kontakt zu den Kunden ist. „Das hat einen ganz großen Stellenwert, und unsere Frau Konrad ist für die Kunden die Frau vom Wochenmarkt“, weiß er. Daniele Konrad ist seit 25 Jahren dabei. „Wir haben sehr viele Stammkunden, und die lernt man mit der Zeit natürlich kennen. Ab und zu ergibt sich ein persönliches Wort, und man fragt nach den Kindern oder der Frau. Man sieht, wie aus kleinen Jungs und Mädchen über die Jahre Erwachsene werden“, erzählt sie.

Zur Mittagszeit verwandelt sich der kleine Platz dann zur Genießermeile, wenn die Menschen aus den umliegenden Büros Mittagessen gehen. „Natürlich könnte ich auch am Schreibtisch etwas mitgebrachtes essen“, gibt Sven Hagemann zu. „Aber erstens ist es schöner, mal rauszukommen und frische Luft zu schnappen, und zweitens findet man immer wieder etwas Neues zum Probieren“, so der 31-Jährige. Theresa Sänger dagegen sitzt mit einer Stulle auf einer Bank vor dem Chassieu-Brunnen. „Ich finde es sehr schön, von hier aus das Treiben auf dem Markt zu beobachten. Dabei kann ich richtig abschalten.“

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