Fugen des Burgturms

Gerüstet für die Zukunft

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Weil der Burgturm restauriert wurde, fanden auf dem Gelände im Vorjahr keine größeren Veranstaltungen statt. Der Burgverein Reifenberg will noch weitere Maßnahmen durchführen lassen und selbst anpacken, damit das altehrwürdige Wahrzeichen auch in Zukunft zugänglich bleibt.

„Der Bergfried, wie der Burgturm auch genannt wird, erstrahlt in neuem Kleide, alle sind begeistert“, schwärmte Präsident Bernhard Eschweiler den Mitgliedern des Burgvereins kürzlich vor. Damit das ehrwürdige und trutzige Gemäuer der Burg Reifenberg erhalten bleibt, hatte das vergangene Jahr ganz im Zeichen der Renovierung des vom Zerfall bedrohten Burgturms gestanden. Während der Arbeiten waren große Teile des Geländes aus Sicherheitsgründen gesperrt worden, und größere Veranstaltungen konnten nicht stattfinden.

Ein wenig erfreuliches Gutachten hatte 2014 gezeigt, dass die Schäden größer waren als angenommen. Die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen hatte daher ab Spätsommer die Renovierung veranlasst. Er sei zunächst skeptisch gewesen, ob die Zeit bis Einbruch des Winters reichen werde, gab Eschweiler zu. Schon der Gerüstaufbau sei eine besondere Herausforderung gewesen, denn der Turm sei über einen Meter schief. „Das bietet aber Chancen bei der Vermarktung als Sehenswürdigkeit, auch wenn der schiefe Turm von Reifenberg nicht ganz so berühmt wird wie der von Pisa“, stellt er schmunzelnd fest.

Nachdem der Turm komplett freigelegt und neu verfugt wurde, sei er gerüstet für die Zukunft, teilt Eschweiler mit. In einem interessanten Strahlverfahren seien die Fugen mit einer Mischung aus Mörtel und Granulat verschlossen worden. Jetzt könne kein Wasser mehr eindringen, und Gras oder Bäume könnten darauf nicht wachsen. Dunkle Flecken auf dem hellen Mauerwerk zeigten, wo vorhandenes Wasser sich herausarbeite. „Der Naturmörtel hält das aus“, versichert der Präsident und kündigt an, dass das bis zu zwei Jahren dauern könne. Eine Begehung mit den Fachleuten habe ergeben, dass alles sauber abgearbeitet sei. Jetzt soll noch eine Regenrinne angebracht werden, um Wasser von oben direkt auf den Boden zu leiten.

Die Kosten seien sogar niedriger gewesen als veranschlagt, berichtet Eschweiler und nennt knapp 300 000 Euro. Mit dem Restgeld könne im Frühjahr sogar am Wohnturm noch ein Riss im oberen Ende der Schildmauer geschlossen werden. Da an so einer alten Anlage immer wieder andere Probleme auftauchen, wolle er versuchen, weitere Kulturfördertöpfe aufzutun. Auf der Wunschliste steht unter anderem die Reparatur des Metallgeländers am Wohnturm. Wie dringend ein Felsriss behoben werden muss, soll ein geologisches Gutachten zeigen. Damit man im Sommer vor lauter Grün auch noch die Burg sieht, sollen die alten Bäume wieder einmal gründlich von oben beschnitten werden. Auch die Wildnis am oberen Teil des Grabens soll beseitigt werden. „Wenn die Hälfte von alldem in kurzer Zeit abgearbeitet wird, sind wir zufrieden“, sagt der Präsident.

Da „Schlösser und Gärten“ die große Renovierung finanziert hat, nimmt sich der Burgverein kleinerer Baustellen an – wie der Restaurierung der Bastion, auch Pulverkammer genannt. Diese sei von oben nicht mehr dicht, und der Bewuchs mache das Mauerwerk porös. An der linken Außenkante des Kirchkellers sei ein Baum in die Mauer gewachsen und habe einen Riss verursacht. Da werde eine fünfstellige Summe fällig, kündigt Eschweiler an und stellt auf Anfrage rund 25 000 Euro in den Raum. Weil die Trockenmauer vor dem Wohnturm, die aber nicht zum historischen Bestand gehörte, abgerutscht war, sei diese bereits abgetragen und neu aufgebaut worden.

„Es ist wichtig, dass die Burg ansehnlicher und stabiler wird und für die Zukunft weiter benutzbar bleibt“, sagt der Präsident. Damit Besucher sich über das historische Wahrzeichen von Reifenberg informieren können, hat der Burgverein inzwischen zwei Schilder aufgestellt. Auf einer Tafel ist ein Rundgang skizziert, der acht einzelne Bestandteile der Burg beschreibt. Vor dem Kirchkeller befasst sich eine bebilderte Abhandlung mit dem Entstehen der Burg und der Geschichte der Reifenberger. Eschweiler weist darauf hin, dass darauf bewusst auch bisher nicht sicher geklärte Sachverhalte und widersprüchliche Vermutungen aufgeführt sind. So sei bis heute offen, ob die Hattsteiner von den Reifenbergern abstammen oder umgekehrt. Belegt sei die Erbauung der Burg um 1300, es sei aber möglich, dass sie schon vor dem Jahr 1000 existiert habe. Woher die Burg und das Geschlecht der Reifenberger ihren Namen habe, darüber gebe es verschiedene Vermutungen.

Übrigens gibt es schon Termine, die bald auf dem Burggelände stattfinden werden, Höhepunkt soll am 12. Juni das große Burgfest werden.

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