Binding lenkt ein, Schließung aber noch nicht vom Tisch

Geschachere um Kiosk auf dem Feldberg

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Die Schließung des Feldbergkiosks ist nicht vom Tisch. Zwar rudert die Binding-Brauerei kräftig zurück, doch nun muss von den Kioskbesitzern noch der Weg zur Gemeinde gefunden werden. Und das scheint dann wohl die größte Hürde zu sein.

Die Kündigung und der drohende Abriss des Kiosks von Anneliese und Hermann Lichtnecker zum Ende des Jahres schlägt weiterhin hohe Wellen. Nach 68 Jahren verlängert die Gemeinde den Pachtvertrag mit den Kioskbesitzern Anneliese und Hermann Lichtnecker nicht.

Hintergrund ist der Vertrag des Zweckverbands Feldberghof mit der Binding-Brauerei, die dort keinen Konkurrenzbetrieb duldet. Auf Anfrage der Taunus Zeitung kommt nun die große Kehrtwende. So äußerte sich Pressesprecherin Claudia Geisler von der Binding-Brauerei wie folgt: „Einem Parallelbetrieb des Kiosks der Familie Lichtnecker auf dem Feldbergplateau steht aus unserer Sicht nichts entgegen.“

Ups. Versteckt sich der Zweckverband nur hinter dem Vertragspartner Binding und schiebt eine Vertragsklausel vor? Schmittens Bürgermeister Marcus Kinkel (FWG) ist überaus erstaunt über die Stellungnahme der Pressestelle, habe er von der juristischen Seite doch etwas anderes vernommen.

Bedeutet dies nun, dass die Gemeinde Schmitten die bereits vor drei Jahren geschriebene Kündigung zurücknimmt? „Nein, das heißt es erst einmal nicht. Denn wir warten noch darauf, was uns Binding dazu schriftlich gibt“, sagte Kinkel. Eines ist aber ganz sicher. Von sich aus werde er die Kündigung nicht zurücknehmen.

Sollte Binding seine Haltung gegenüber Schmitten bestätigen, sei es an Lichtneckers, sich bei der Gemeinde um eine Pachtverlängerung zu bewerben, die er dann den Gemeindevertretern im Februar, März nächsten Jahres vorlegen werde. Normalerweise könnte das der Gemeindevorstand zwar erledigen, doch Kinkel macht deutlich, dass er sauer über das Politikum Kiosk ist.

Folglich soll die Gemeindevertretersitzung entscheiden, ob und wenn ja, zu welchem Preis sie den Vertrag mit Lichtneckers verlängert. Augenblicklich sei die Pacht „nahezu geschenkt“, sagte Kinkel, ohne Zahlen zu nennen.

Außerdem stehe 2019 die Neuverpachtung Feldberghof an, da sei auch der Bau eines Außenbetriebes mit dem neuen Pächter denkbar. Dann müsse der Kiosk ohnehin weichen.

Nun hat sich auch die FDP Hochtaunus eingeschaltet, namentlich Holger Grupe, der für die Fraktion auch im Zweckverband sitzt. „Auf unsere Initiative hin wird mit dem Betreiber des Feldberghofs verhandelt, ob dieser das Angebot vom Kiosk weiter toleriert oder selbst einen Kiosk oder eine Durchreiche schaffen will“, schreibt die FDP in einer Pressemeldung.

Die FDP wolle das Ausflugsangebot auf dem Feldberg erhalten. „Die lange Zeit, die der Kiosk auf dem Feldberg besteht, gibt dem Geschäftsmodell Recht.“ Kinkel hingegen gibt zu bedenken, dass es noch einen weiteren Kiosk und den Feldberghof gibt. „Verhungern und verdursten muss da oben niemand.“

Und was sagen Lichtneckers? „Wir würden schon gerne noch etwas weiter machen“, räumt Hermann Lichtnecker ein. Seine Frau sei schließlich jeden Tag dort oben auf dem Feldberg. „Aber das hängt auch von der Gesundheit ab“, schränkt er den Wunsch nach Verlängerung um jeden Preis etwas ein. Und so mag auch eine andere Aussage wenig überraschen. „Wir werden deshalb aber bei niemandem zu Kreuze kriechen“, sagte Hermann Lichtnecker mit Blick auf die Gemeinde Schmitten und den Zweckverband.

Dass sich viele für den Erhalt des Kiosk einsetzen, sei es nun die Politik oder aber Menschen, die Leserbriefe schrieben oder sich in sozialen Netzwerken äußerten, das habe ihn überrascht, fast ein bisschen gerührt. Doch beabsichtigt sei das nicht gewesen.

„Wir wollten unsere Kunden nur über das Ende informieren“, sagt er. Dann hätte es ein einfaches „Wir schließen zum Jahresende“ vielleicht auch getan. Der Verweis im Schaufenster auf die Konkurrenzklausel hat seine Wirkung zumindest nicht verfehlt.

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