Stadtmuseum

Geschichtsverein kontra Nager

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Der Usinger Museumsraum im Rathauskeller zeigt derzeit nicht nur Exponate aus längst vergangenen Zeiten, sondern auch ganz aktuelle Spuren, die ebenfalls von etwas zeugen. Nämlich von Nagern, die den Raum über den Winter heimgesucht haben. Jetzt muss der Schädlingsbekämpfer her.

Die Vitrine mit Scherben und Tonkrügen, die von Usingen Frühgeschichte zeugen, sind alle heil. Aber rund um die Exponate finden sich derzeit in den deckenhohen Glasvitrinen kleine Trabbelspuren und Abdrücke von Schwänzen – und eine ganze Menge Mäuse-Köddel. Keine Frage: Das Museum im Rathauskeller hat eindeutig ein Problem mit Nagern.

Das ist auch der Grund, warum der Keller erst mal geschlossen bleibt. Auch die fürs vergangene Wochenende angesetzte große Putzaktion ist verschoben worden, denn in den Dreck will a) niemand greifen und b) muss nun erst mal der Ratten- oder Mäusefänger bei.

Dass die Tiere in die Vitrinen kamen, wundert nicht, denn die Glaswände sind nur nach vorne verschlossen, zur Wand hin haben die Nager freien Zutritt. Viel spannender die Frage, wie den die Tiere überhaupt in den Keller kamen. Das einzige sichtbare Loch ist im Elektrokasten, durch das Leitungen ins Innere führen. Viel Platz zwischen Rohr und Kabel ist nicht, doch für Mäuse reicht’s wohl.

Das mit der Enge an ihrem Zugang haben die Nager auch erkannt und mal eben einige Elektrokabel angeknabbert.

Die Vereinsmitglieder Andreas Hofmann und Eckhard Laufer vom Geschichtsverein waren vergangenes Wochenende nicht wenig erstaunt, als die das Gewölbe nach der Winterpause wieder fit machen wollten. „Das ist eine seit 13 Jahren nie erlebte Aktivität von ungeliebten Besuchern, die nicht nur Kot und Urin hinterlassen haben, sondern auch an die Kabel gingen“, sagte Laufer.

Geschichtsvereins-Chef Heribert Daume kann sich auch vorstellen, dass die Mäuse durch die Türe in den Keller gelangt sind. „Wenn hier offen ist, dann schaut doch niemand, ob Mäuse mal eben rein huschen“, sagte er.

Laufer will auf jeden Fall für die Zukunft umfangreiche Maßnahmen ergreifen, um alle Möglichkeiten einer künftigen Heimsuchung durch diese unerwünschten und unsympathischen „Haustieren“ zu verhindern. „Alle Zugänge müssen vollständig verschlossen werden. Und der Einsatz eines Kammerjägers scheint erforderlich. Seine Vorschläge müssen sofort in die Tat umgesetzt werden, damit die anschließenden Reinigungs-Maßnahmen und eine Neuordnung der Museumsbestände zu einer baldigen Museumsöffnung führen.“ Das sei man den Museumsgästen schuldig.

Auf jeden Fall muss jede einzelne Scherbe der Ausstellung in die Hand genommen werden, um die Hinterlassenschaften auf dem Sandboden zu entfernen. Nebenbei: Die archäologische Funde belegen, dass der Usinger Raum bereits in der Mittelsteinzeit als eine Art Basislager von Jägern und Sammlern genutzt wurde. Im Museum befinden sich einige spannende Funde aus dieser Epoche.

Das Stadtmuseum und das Museum für Vor- und Frühgeschichte im Usinger Rathaus sind im vierzehntägigen Wechsel jeweils am Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Wenn die Mäuse nicht mehr auf dem Tisch tanzen. . .

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