Flüchtlingskinder

Geschnippelt, geklebt und gemalt

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Martinsumzüge können mehr als nur Unterhaltung für die Kinder sein, und deshalb haben Katholiken aus dem Kirchort Schmitten jetzt ein Zeichen gesetzt: Damit Flüchtlingsfamilien den Hintergrund verstehen und mitmachen können, waren sie zum Basteln von Laternen und dem Teilen von Brezeln eingeladen

„St. Martin ist für uns Katholiken prädestiniert, Zeichen zu setzen. Es geht grundsätzlich darum, sich wahrzunehmen und miteinander zu teilen, und das auch den Flüchtlingen zu vermitteln “, sagte Manuela Bernhard gegenüber der TZ. Sie ist im Ortsausschuss Bindeglied zum Freundeskreis Asyl Schmitten und hatte über die Paten des Freundeskreises und die Deutschkurse Flüchtlingsfamilien in den Pfarrsaal eingeladen, um ihnen den Brauch des St. Martin-Festes näherzubringen.

„Damit die Asylbewerber wissen, was da in den Straßen passiert“, meinte Bernhard. So falsch ist das sicher nicht, denn woher sollen die Flüchtlinge wissen, dass das nichts zu tun hat mit den abendlichen Protestmärschen in anderen Orten, die unlängst im Fernsehen zu sehen waren. Dass der Name Martin vom römischen Kriegsgott Mars abgeleitet ist, dürfte wohl den wenigsten bekannt sein. Aber dass der heilige Mann meist mit einem Schwert abgebildet ist, legt friedliche Absichten nicht gerade nahe. Was es mit der Legende auf sich hat, machte Barbara Goigofski den Flüchtlingen über das bebilderte Erzähltheater anschaulich deutlich. Die Kinder tauten dabei als erste auf.

Nachdem die große Martinsbrezel geteilt und genau wie der leckere Kuchen den Hunger gestillt hatten, kamen Bastelutensilien auf den Tisch. Dank vorbereiteter Grundmodelle konnten sich die rund 20 Flüchtlingskinder auf das Ausgestalten der Laternen konzentrieren. Die jüngeren Bastler wurden von ihren Eltern und sechs Frauen aus der Kirchengemeinde unterstützt, die älteren arbeiteten selbstständig. Da wurde geschnippelt, geklebt und gemalt. Neben lustigen bunten Laternen entstanden auch gekonnt durchgestylte Exemplare. Weil es auch um das Teilen von Erlebnissen geht, können die Flüchtlingskinder dann auch an den verschiedenen Martinsumzügen teilnehmen. Außerdem bekamen sie vom Ortsausschuss Bons für Brezeln.

„Wir danken Gott, dass wir mit unseren Kindern hier sein dürfen“, sagte Lilian Diban im Gespräch mit der Taunus Zeitung. Die Familie ist über Italien nach Deutschland gekommen und wohnt seit zwei Monaten in Schmitten. Die 31-jährige Grundschullehrerin, die gut Englisch spricht, weiß, dass sie keine Chancen hat zu unterrichten, solange sie nicht fließend Deutsch kann. Ihr Mann Nabeel Aldeghlawi ist Ingenieur und will versuchen, erst einmal irgendeinen Job zu finden. Auch er kann sich auf Englisch gut verständigen, weiß aber, dass die deutsche Sprache der Schlüssel zum Erfolg sein wird.

Ein Zurück nach Syrien können sich die beiden nicht vorstellen. Ihr Haus in Homs und das ganze Viertel, in dem sie gelebt haben, ist zerstört. „Wo sollen wir denn hingehen?“, fragt der Familienvater. Den fünfjährigen Georg und die vierjährige Katrina schien das am Samstag wenig zu interessieren. Ihre Eltern waren in der Nähe, und so werkelten sie hingebungsvoll an ihren Laternen.

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