Ein Herz und eine Seele: Sandra Zetschok und ihr "Liebling" Cheveyo freuen sich auf den Start.
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Sport im kalten Norden

Gespann aus Muskeln, Liebe und Verständnis

  • Andreas Burger
    VonAndreas Burger
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Schlittenhunderennen ist ein Sport, den "Musher" ihr ganzes Leben lang betreiben

Usingen -Deutscher Schlittenhundesportclub für Langstreckenrennen und Touren - wer sich den Namen ausgedacht hat, dürfte über viel Zeit verfügen. Was aber dahinter steckt, das passt eigentlich gar nicht zu einem so umständlichen Namen, und es ist auch mehr als ein Hobby, es ist eine innige Liebe zu den Tieren und Leidenschaft für den Sport. Am Hattsteinweiher in Usingen wurde dies zuletzt deutlich. Denn dort trafen sich Mitglieder des genannten Verbandes aus ganz Deutschland - eigentlich aus Europa, um an diesen beiden Tagen "Strecke" zu machen. Bei der langen Tour reden wir über fast 30 Kilometer, doch für eine lebendige Hundeschar ist dies kein besonders langer Weg.

Die zugelassenen Rassen innerhalb des Verbandes haben klangvolle Namen. Da wäre der Alasca Malamute, der Samojede, die Sibirien Huskies und der Grönländer. Allen ist eines zu eigen: Laufen, und das viel und oft. Als Haushund ist die Rasse also nur zum empfehlen, wenn die Besitzer täglich mal eben bis zu zehn Kilometer laufen, radeln oder sich eben im Wagen ziehen lassen. Für nur mal um die Ecke, das geht mit den Tieren sicher schief, weil sie dann nicht ausgelastet sind. Und: Sie sollten nicht alleine gehalten werden.

Und dann wollen sie nur noch rennen

Und dann wollen die Hunde richtig rennen, das wurde auf der Wiese am Hattsteinweiher schnell klar. Anfangs herrschte noch Ruhe, als die Musher, also die Hundeführer, noch Kaffee tranken. Aber als dann die ersten Leinen auf der Wiese ausgelegt wurden, war's das mit der Ruhe. Der Krach ist extrem, wenn 50 laufgierige Tiere das auch verkünden und sich auch noch gegenseitig anheizen.

Und kaum waren die Musher auf den Wagen aufgestiegen, hatten sie alle Leinen voll zu tun, die Hunde in die richtige Richtung zu bringen. Die Befehle für die Richtung sind übrigens nicht einheitlich, wie die ehemalige Hundeführerin und Ortsbeirätin Evy-Liste Strube, die natürlich dabei war mit ihrem eigenen Hund, erklärte. "Das kann auch Salz und Pfeffer sein. Hauptsache, die Tiere wissen, was welche Richtung bedeutet", schmunzelte sie.

Grundsätzlich hat jedes Gespann einen Leithund, der auch vorgibt, wie schnell die Gruppe läuft und wohin es geht. Man konnte aber auch den Eindruck gewinnen, dass bei manchem Gespann auch der Musher auf den Leithund hört. Nein - natürlich sind die Tiere extrem gut ausgebildet, selbst Züchter achten schon auf die passenden Eigenschaften.

Friedliche Tiere

Dazu gehört auch, dass keiner in dieser Rasselbande Angst vor Menschen hat und sich von jedem streicheln lässt. Im Gegenteil, die Tiere zeigen gegenüber Menschen eine große Zuneigung.

Dass die Musher alle eine ähnliche Vita haben, erstaunt eigentlich nicht, wie Samira Kippschul und ihr Freund Timo Litt sowie Mitfahrer Jürgen Henss lachend erklären. "Das fängt mit einem Hund an, dann kommt der zweite, dann kauft man sich den ersten Schlitten - und schon ist es ein Gespann." Ein großes Gespann, denn das Pärchen aus Waldsolms hat inzwischen 14 Hunde. Da sie aber mindestens fünfmal in der Woche auf lange Strecke gehen mit ihnen, sie nur gutes Futter geben und sich sehr um die Hunde kümmern, bleiben Tierarztkosten weitgehend weg, da die Vierbeiner natürlich gehalten werden. Beim Futter sind die beiden mit etwa 200 Euro im Monat dabei. In der Woche kommen übrigens schnell 150 Kilometer pro Gespann zusammen, denn dreieinhalb Stunden sind sie mit den Tieren unterwegs.

Es gibt Musher, die haben viel Sport getrieben - und sich so einen passenden vierbeinigen Partner gesucht, der andere spielte Fußball und wollte sich im Training fit halten. Oder es gibt Freunde, die das Hobby betreiben und ansteckend sind. Und am Ende steht dann immer die Erkenntnis: Aufhören kann man damit nicht mehr. Und natürlich sind nicht nur Trainingsläufe angesagt, die Gespanne sind auch bei richtigen Rennen dabei.

Großes Rennen in Thüringen

Eines der größten ist die Trans Thüringia in Thüringen. Hier geht es in fünf Etappen zwischen 50 und 70 Kilometern täglich durch die Natur. Und einmal müssen die Musher und Tiere auch draußen schlafen, egal, welches Wetter dann gerade ist. Deshalb, und auch das konnte man am Hattsteinweiher sehen, sind auch Zelte mit Heizungen dabei. Den Hunden ist es übrigens egal, die schlafen auch im Schnee. Wenn sie vorher ausgiebig laufen durften . . .

von Andreas Burger

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