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Am Anspacher Bahnhof lassen viele Jugendliche ihrer Zerstörungswut freien Lauf. Graffiti beschäftigen auch die anderen Kommunen.

Kommunen suchen Lösungen

Gewaltbereite Jugendliche machen vielen Bürgern Sorgen

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Wie sicher fühlen sich die Bürger im Usinger Land, nachdem es mehrere Vorfälle der rüden Art gab und die Beschwerden über pöbelnde Jugendliche zunehmen. Fest steht: Das Gefahrenpotential ist in Sachen Verbrechen nicht überdurchschnittlich hoch.

Sicher fühlen würden sich die Grävenwiesbacher, gäbe es da nicht genau die jungen Leute, denen sie nicht über den Weg trauen. Denn die vorwiegend jungen Männer treffen sich regelmäßig, und das schon seit Jahren, am Rewe. Das muss nicht zwangsläufig schlimm sein. Doch bei diesen Treffen geht es meist laut und feucht zu.

Die Gruppe bleibt auch immer in der gleichen Größe bestehen. Junge kommen nach, ältere bleibe weg. Warum das so ist und was so interessant an dieser Gegend ist, weiß eigentlich niemand so genau. Die Jugendarbeit hat versucht, diesen Kreis zu durchbrechen und die Jugendlichen weg von der Straße und hin zu den Jugendzentren zu bekommen. Vergebens.

Derzeit liegt die Jugendarbeit in der Kerngemeinde brach. Denn es gibt seit Januar niemanden, der sie im neu renovierten und hergerichteten Jugendhaus anbieten könnte. „Der VzF sucht derzeit nach Fachkräften“, teilte Bürgermeister Roland Seel (CDU) mit. Aktuell seien eine junge Frau und auch ein Mann gefunden worden, die eventuell im Jugendhaus wieder anfangen werden, verriet Seel vorab.

Seel versteht nicht, warum anscheinend weder Eltern noch Jugendliche die derzeitige Schließung des Jugendhauses bedauern. Es habe bisher keinerlei Anfragen im Rathaus gegeben. Die Situation der „Rewe-Jugend“ hat sich durch die Schließung des Jugendhauses also nicht verändert.

Ganz wohl fühlen sich die Bürger nicht, die den jungen Leuten bei ihren Treffen näher kommen. Denn es geht nicht immer leise und oftmals auch mit rüdem Umgangston zu. Vor allem die meist vermüllten Hinterlassenschaften fallen ungut auf. Die Mitbürger fühlen sich gestört.

Doch da weiß Bürgermeister Roland Seel Rat. „Da müsste sich jeder auf die eigene Verantwortung besinnen und solches Gebaren der jungen Leute anzeigen“, sagte er. Wenn keine Grenzen gesetzt würden, dann ließen sich die Jugendlichen auch nicht weiter stören. In dem Zusammenhang verwies er auf den Sicherheitsdienst, den die Gemeinde aufgrund der immer wiederkehrenden Beschwerden engagiert hat.

Auch das Kreisjugendamt will Mitarbeiter nach Grävenwiesbach schicken, die nach dem Rechten sehen sollten. „Vielleicht sind die Jugendlichen, wenn jemand zu ihnen kommt, leise und hinterher wieder lauter“, überlegte Seel. Die Sicherheitslage der Gemeinde sei aber deswegen nicht gefährdet. Und die Aussagen von manchen Mitbürgern, man könne abends nicht mehr beim Rewe einkaufen wegen der frechen jungen Leute, könne er persönlich nicht unterstreichen. „Ich gehe auch abends einkaufen und wurde dort noch nie belästigt.“

Seel erinnert sich daran, wie es bei ihm war, als er so jung mit Freunden irgendwo „herumlungerte“. „Wir waren doch auch nicht leise“, sagte er. Natürlich sei es nicht angenehm, im Garten zu sitzen, dem Vogelgezwitscher zuzuhören und dann vom Krach der Jugend gestört zu werden. Da helfe eben nur eins: Anzeigen.

Die Leute würden aber immer wieder die Verantwortung der Gemeinde aufdrücken. „Als Gemeinde können wir doch nicht alles 100-prozentig kontrollieren.“ Bei extremen Verhaltensweisen gebe es die Möglichkeit, eine alkoholfreie Zone ausweisen. „Aber wer soll das kontrollieren?“, fragte Roland Seel.

Wir haben auch bei der Polizei nachgefragt. Hat das Usinger Land ein Sicherheitsproblem? Die Statistik der Polizei spricht eine Sprache, das der Bürger eine andere. „Mit Blick auf die Straftaten-Erhebung spricht die Statistik von einem Rückgang“, stellt Stefan Glaw, Leiter der Usinger Polizeistation fest. „Aber das Gefühl des Bürgers mag da durchaus ein anderes sein“, räumt er ein. Dabei will Glaw die Vorfälle weder verharmlosen noch überdramatisieren. „Wenn alles in Ordnung wäre, gebe es uns nicht.“ Allerdings sei durchaus auch ein Wandel festzustellen, gerade was die Erwartungshaltung der Bevölkerung angehe. „Wenn ein Einbruch geschehen ist, dann ist das schlimm. Für den Betroffenen und das eigene Sicherheitsgefühl“, stellt Glaw fest. Zunehmend sei aber auch festzustellen, dass die Erwartung dahin gehen, dass die Polizei jetzt sofort alles stehen und liegen lasse, um sich genau um diesen Fall zu kümmern. Bei der Polizei gebe es zum Beispiel für Einbrüche eine eigene Tatortermittlungsgruppe, „die arbeitet die Fälle nacheinander ab“, erklärt Glaw. Diese sei bei den über 40 Beamten, die in Usingen stationiert seien, noch nicht eingerechnet. „Ja, dann müssen die Menschen warten, und für einige mag sich das dann so anfühlen, als ob die Polizei ihren Fall nicht genügend Priorität einräumt.“ Dem sei aber nicht so. Jeder Fall sei wichtig und werde verfolgt.

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