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Wehrheim. Die Grünen haben nach dem ersten Trend die meisten Stimmen verloren, Dirk Sitzmann, Marion Krebs, Marco Schmitz, Wolfgang Schmitz, Hans-Joachim Steffen-Jesse und Marc Sen-Kupta (von links) waren zufrieden mit dem Ergebnis und ließen sich die Pizza damit nicht vermiesen. Foto: Mai

Kommunalwahl 2016

Glückseligkeit mit leichter Eintrübung

Eindeutiger „Trendsieger“ im Apfeldorf war die FDP, am Ende kann (mal wieder) die CDU mit erhobenem Haupt der ersten Sitzung entgegensehen. Die absolute Mehrheit wurde zwar verpasst, ein Plus gab es gegenüber 2011 aber trotzdem. Auch die FDP darf jubeln: Sie bleibt zweistellig.

Von GERRIT MAI UND HARALD KONOPATZKI

Der FDP hatte am Sonntag das geschlossene Café Klatsch einen Strich durch die Wahlparty gemacht, die sie sich bei Traum-Trend-Ergebnis (17,8 Prozent) durchaus verdient hätte. Aber dafür waren sich CDU, SPD und Grüne beim Abendessen nach dem anstrengenden Wahltag in einem einig: Auf ihren Tellern lagen – an getrennten Tischen – bunte Pizzen.

Könnte sein, dass die schon auf die neue Farbenpracht in den Ausschüssen mit FDP-Stimmrecht hinweisen sollten. „Es wird vieles anders sein“, vermutete Spitzenkandidat Oliver Matyschik da schon auf TZ-Nachfrage.

Er sah seine Partei am Wahlabend mit mehr als 40 Prozent gut aufgestellt, denn schon damit habe die Wehrheimer Union das beste Ergebnis in der Region eingefahren. Klar, biete die Persönlichkeitswahl noch großes Potenzial, denn immerhin hatten rund 60 Prozent kumuliert und panaschiert. Die absolute CDU-Mehrheit gebe es zwar nicht, jedoch sei es legitim gewesen, sich ein hohes Ziel zu setzen.

Wie legitim, das zeigte sich gestern am späten Nachmittag, als das Endergebnis feststand. Und die brachte dann doch ein Plus von fast drei Prozentpunkten für die Union auf doch noch stolze 46,2 Prozent – und damit sogar einen Sitz mehr in der Gemeindevertretung als bisher. 14 Gemeindevertreter stellt die Union künftig.

FDP-Chef Harald Stenger wirkte am Sonntag zunächst, als traue er seinen Augen nicht, als das erste Wahllokal seiner Partei 25 Prozent zusprach. Der Trend sah sie wenige Stunden später immerhin noch bei fast 18 Prozent. Nun sind es 13,6 – für die arg gebeutelten Liberalen ein traumhaftes Ergebnis, was vier Sitze bedeutet. Das Ziel, in den Ausschüssen nicht nur mitreden, sondern auch mitstimmen zu können, ist damit erreicht. Der Vorsitzende sieht das Resultat als Ergebnis eines engagierten Wahlkampfs einer tollen Truppe, die hinter ihm steht und Kompetenzen in vielen Bereichen hat, um die Stühle im Parlament und den Ausschüssen kompetent zu besetzen.

Die SPD lag am Sonntag zwar über dem Trend von 2011 aber deutlich unter dem Ergebnis der vergangenen Wahl – und rechnete daher am Wahlabend wieder mit zusätzlichen Stimmen durch die Persönlichkeitswahl, erklärte deren Spitzenmann Kuno Leist. Vor fünf Jahren habe das zwei Sitze zusätzlich gebracht. Sein Motto: „Wir warten erstmal ab.“ Er ist froh über die hohe Wahlbeteiligung und dass Wehrheim noch „traditionell“ gewählt habe. Und tatsächlich lohnte das Warten: 8 Sitze – so viel wie bisher – können die Sozialdemokraten für sich verbuchen und müssen im Endergebnis lediglich 0,9 Prozentpunkte abgeben.

Auch Dirk Sitzmann und Spitzenkandidatin Marion Krebs von den Grünen waren am Sonntag zunächst mit dem Ergebnis ihrer Partei zufrieden, fanden es aber auch schwierig, da schon Stellung zu nehmen. Durch die große Zahl der Kumulierer und Panaschierer gebe es noch zu viele Unbekannte. Der „Fukushima-Effekt“ vor fünf Jahren sei zwar abgezogen, halte sich, wenn der Trend von 18,5 Prozent Bestand habe, in Grenzen. „Damit können wir gut leben“, sagte Marion Krebs.

Einen Tag später standen die Grünen dann endgültig als „Wahlverlierer“ fest, wollte man denn einen suchen. 16,7 Prozent bedeuten immerhin fünf Sitze und sind im Ergebnis deutlich mehr als vor Fukushima bei den Urnengängen 2006 (11,8%) und 2001 (11,2%). Dass die 23,3 Prozent von 2011 nicht mehr zu halten sein würden, hatte sich bereits abgezeichnet.

Die Auszählung sei beim Blick auf die panaschierten und kumulierten Zettel auch spannend gewesen, denn viele Wähler hatten Bewerber verschiedener Parteien ein oder mehrere Kreuze gegeben, war von den Wahlhelfern zu hören. Für CDU-Mann Matyschik ein eindeutiges und gutes Zeichen dafür, dass die Wehrheimer genau überlegen, wem sie ihre Stimme geben.

Die Endergebnisse aus den Ortsbeiräten lagen gestern noch nicht vor.

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