Demo in Oberursel und harsche Kritik an der Zumtobel-Spitze

Große Solidarität

  • Andreas Burger
    VonAndreas Burger
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Die Schließung des Zumtobel-Standorts zum 31. August hat auch gestern noch Wellen geschlagen, vor allem in der Politik und in der IG Metall.

Trillerpfeifen, Fahnen und rund 100 Demonstranten, Mails und Briefe an die Redaktion, persönliche Besuche im Büro – das Aus vom Zumtobel-Betrieb in Usingen lässt die Menschen im Hochtaunuskreis nicht zur Ruhe kommen. Die 156 Arbeitsplätze, die nun verloren gehen, sollen aber nicht kampflos aufgegeben werden. So hatte die IG Metall gestern rund 100 Demonstranten auf die Beine gebracht, die vom Rolls-Royce-Werk Oberursel aus sich lautstark mit der Zumtobel-Belegschaft in Usingen solidarisch erklärten.

Sehr deutliche Worte fand der Bundestagsabgeordnete Dr. Hans-Joachim Schabedoth von der SPD, der sich auch direkt an die Usinger Belegschaft wandte: „Es stellt sich als arglistige Täuschung heraus, dass bis zuletzt behauptet wurde, dass man nach einem strategischen Partner sucht“, formulierte er. Der Anfangsverdacht, dass eine Schließung nur vorbereitet werde, habe sich leider bestätigt. „Monatelang ist die Belegschaft hingehalten und belogen worden.“ Er sei äußerst empört darüber, dass nun kurzer Prozess gemacht werde.

Auch aus der Usinger SPD ist gepfefferte Kritik zu hören. Der Abgeordnete Michael Hahn war bereits – als einziger – am Donnerstag zum Werk geeilt, um sich mit den Mitarbeitern solidarisch zu erklären und die Unterstützung der Politik zuzusagen. „Die Schließung stößt bei uns auf absolutes Unverständnis“, sagten die SPD-Vertreter Birgit und Michael Hahn sowie Fraktionschef Bernhard Müller.

Die von der Geschäftsleitung unter anderem gegebene Begründung für die Schließung, nämlich die angeblich nicht zufriedenstellende Auslastung werde, wie der Betriebsrat äußerte, bestritten. Der wahre Grund dürfte in der Darstellung der Geschäftsleitung liegen, dass die Produktion in Usingen nur eine geringe strategische Relevanz habe.

„Dies rechtfertigt nicht, über 150 Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit zu schicken. Viele von ihnen haben sich schon jahrelang für das Unternehmen eingesetzt und haben bedingt durch ihr Alter nur geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt.“

Die Usinger SPD teilt mit dem Betriebsrat und der IG Metall die Ansicht, dass alle Gespräche mit Interessenten für eine Übernahme niemals ernsthaft geführt worden seien, sondern lediglich dazu dienten, die Belegschaft hinzuhalten, um den schon lange bestehenden Schließungsbeschluss vorzubereiten. „Für unsere Stadt und die benachbarten Kommunen bedeutet die Schließung erhebliche Steuermindereinnahmen am Anteil der Einkommensteuer. Ob auch Gewerbesteuern wegfallen, muss geprüft werden. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Usinger Land führt weiter zu einem Verlust an Kaufkraft, die spürbar sein wird. Insoweit muss Usingen ein Interesse am Fortbestand des Standortes in Usingen haben“, so Hahn.

Die SPD hoffe, dass sich alle verstärkt für den Erhalt des Standorts einsetzen.

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