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Wenn der Mähdrescher anrückt, dann müssen Mama Reh und ihre Kitze raus aus dem Feld. Damit sie nicht mehr unter die Maschine kommen, können die Felder jetzt mit einer Drohne abgeflogen werden. René Hirschfeld ist der Mann am Steuerknüppel.

Die Taunusdrohne rettet Bambi und Co. vorm Mähdrescher

Da guckt das Reh

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Wenn sich das Getreide auf den Feldern goldgelb im Wind wiegt, bunte Blumen am Feldrand stehen, dann scheint die ländliche Idylle perfekt. Doch dann rücken die Mähdrescher aus und es wird oft blutig: Jedes Jahr kommen rund 90 000 Rehkitze in den Feldern um. Damit soll jetzt Schluss sein.

Wer liebt sie nicht, die süßen kleinen Bambis, die derzeit wieder heranwachsen. Autor Felix Salten erzählte schon 1923 in seinem Buch die herzzerreißende Geschichte „Bambi. Eine Lebensgeschichte im Wald, Walt Disney machte daraus 1942 den gleichnamigen Film, in dem Mama Reh umkommt. Allerdings durch die Kugel eines Jägers. Seit es Mähdrescher gibt, droht den Tieren der Tod durch die Maschine. Besonders den Kitzen.

Nach der Geburt im Mai und Juni bleiben Kitze die ersten vier Wochen meist im hohen Gras in Deckung, während sich das Muttertier zum äsen von ihrem Jungen entfernt. Droht Gefahr, verharrt das Rehkitz an Ort und Stelle – und wird somit nicht gesehen. Das Fluchtverhalten setzt erst später ein. Kein Wunder, dass laut einer Statistik des Hessischen Bauernverbandes so alljährlich um die 500 000 Tiere deutschlandweit bei Mäharbeiten auf Wiesen und Feldern ums Leben. Etwa 90 000 davon sind Rehkitze.

„Im Moment dürfte die Gefahr nicht mehr ganz so hoch sein“, vermutet Diplom-Ingenieur Bernd Weber. Einfach deshalb, weil die Kitze inzwischen größtenteils alt genug sein müssten, um auf Lärm mit Flucht zu reagieren. Das nasse Wetter hat die im Juni anstehende Mahd zeitlich nach hinten verschoben – für Rehe somit ein womöglich lebensrettender Vorteil.

Allerdings seien die Landwirte entsprechend sensibilisiert, erklärt der Pressesprecher. Es gebe verschiedene Möglichkeiten, um die Tiere zu verschonen. So laute etwa eine Spielregel, die betreffende Fläche von innen nach außen zu mähen, so dass eventuell darin vorhandenes Wild durch die noch nicht gemähten Streifen fliehen könnte. Denn offenes Feld werde gemieden.

„Außerdem kann man ein bis zwei Tage vor der geplanten Mahd Maßnahmen ergreifen“, sagt er weiter. Mit einem Jagdpächter samt dessen Hund durchs Feld streifen, Flatterbänder aufstellen oder sogenannte Wildretter einsetzen, die Tiere per Schall in die Flucht schlagen, gehörten zu den verbreiteten Maßnahmen.

Oder aber man wendet sich im Usinger Land an René Hirschfeld. Der Kaufmann, der beruflich in der digitalen Welt zu Hause ist und unter anderem Luftaufnahmen für seine Kunden fertigt, hat bei den Testflügen mit seiner Drohne fast immer Wild auf den Wiesen gesichtet, wie er im Gespräch mit der Taunus Zeitung erklärt. „Das brachte mich auf eine Idee.“ Will ein Landwirt seine Wiese mähen, kann er sich zuvor an den Wehrheimer wenden, der dann mit seiner mit einer Kamera bestückten Drohne das Gelände abfliegt.

Zur Demonstration startete René Hirschfeld schon einmal das kleine Fluggerät per Fernsteuerung. Das Brummen des vierbeinigen Kopters erinnert an das einer Hornisse, ist aber lauter. „Allein das Geräusch könnte ein im Gras verstecktes Tier schon verscheuchen“, habe er ursprünglich gedacht. Doch von Experten und aus der Praxis wisse er mittlerweile, das dies nicht der Fall ist. Die Tiere stören sich an diesem Brummen nicht und bleiben liegen. Auf dem an die Steuerung angeschlossene Display kann er aber genau sehen, was sich in den Ackerfurchen zwischen den hohen Halmen abspielt. Er kann Schnappschüsse machen und den ganzen Flug dokumentieren. Wird ein Tier entdeckt, müsse jemand ins Feld laufen und die Tiere verscheuchen.

Eine halbe Stunde hält der Akku. Geht der Strom zur Neige, beginnt der Kopter zu piepsen, und Hirschfeld holt die Drohne zurück. 30 Minuten reichen aus, um etliche Quadratmeter abzusuchen. Außerdem hat Hirschfeld stets Ersatzakkus dabei.

„Ich liebe die Natur und die Tiere darin“, sagt René Hirschfeld. Dass diese geschont werden und nicht versehentlich unter in die Messer eines Mähdreschers geraten, liegt ihm sehr am Herzen. Deshalb bietet er Landwirten seine Dienstleistung kostenlos an.

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