Tannenwald ein Nazi-Schauplatz

Häftling findet KZ-Standort

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Die Kransberger Gedenktafel fürs Außenlager „Tannenwald“ des KZ Buchenwalds ist verschwunden. Mal wieder. An was aber erinnerte das Schild eigentlich, das übrigens ersetzt wird?

Heute ist vom KZ-Lager Tannenwald bei Kransberg nichts mehr zu sehen. Nur eine Gedenktafel erinnert an die Verbrechen der Nazis. Erinnerte. Denn sie ist mal wieder geklaut worden, was inzwischen auch die Polizei beschäftigt.

Auf einem Luftbild vom Schloss Kransberg aus 1945 sind nur schemenhaft einige Gebäude des „Tannenwalds“ zu sehen. Es war in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs, genauer im Dezember 1944, als die Nazis den „Tannenwald“ als Ableger des Konzentrationslagers Buchenwald errichteten. Für die Nationalsozialisten ein logischer Schritt, wurde doch auch das Schloss bereits militärisch genutzt.

Denn das altehrwürdige Gemäuer diente als Nebenanlage des nahe gelegenen Führerhauptquartiers „Adlerhorst“.

Erforscht hat die ganze Geschichte übrigens der Lokalhistoriker Bernd Vorlaeufer-Germer, der immer wieder geführte Touren durch den Taunus anbietet und die wichtigsten Schauplätze der Verbrechen der damaligen Zeit erläutert.

Er hat entdeckt, dass bis zu 42 politische Häftlinge zwischen dem 7. Dezember 1944 und dem 29. März 1945 vor der Schlossmauer in mehreren Holzbaracken lebten. „Die Häftlinge mussten unter anderem an einem Fluchttunnel zwischen dem Bunker im Schloss und dem Dorf arbeiten.“

Der Historiker hatte beim Finden des Lagers Hilfe. Denn die exakte Stelle des Lagers konnte erst im August 1988 mit Hilfe von Zeitzeugen aus Kransberg und Pfaffenwiesbach sowie dem ehemaligen KZ-Häftling Gerard Dziemba lokalisiert werden. Vorlaeufer-Germer: „Laut Dziemba mussten die Gefangenen von morgens bis zum Einbruch der Dämmerung die harte Arbeit verrichten. Zum Essen gab es täglich meist nur einen Liter Brennnesselsuppe, 200 Gramm Brot und 50 Gramm Margarine.“

Für die schwere Arbeit, die die Gefangenen verrichteten, sei dies auf keinen Fall ausreichend gewesen. „Die waren dem Tod näher als dem Leben“, berichtete eine Zeitzeugin, die damals im Schloss arbeitete. Heute ist nichts mehr zu sehen vom Lager. Denn als die Amerikaner 1951 das Schloss übernahmen, schütteten sie das Areal auf, um Parkplätze zu schaffen.

Nebenbei: Das Schloss Kransberg fiel am 9. September 1939 in die Hände der Nazis, es wurde von Offizieren der Wehrmacht beschlagnahmt. Neben Hitler sollten auch seine Adjutanten Unterkunft in diesen „Führerhauptquartier“ finden.

Die damalige Rüstungsindustrie lief trotz der unaufhaltsamen Niederlage und ständiger Bombenangriffe auf Hochtouren. Schon allein deshalb wurden unzählige Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter in den Taunus gekarrt. Denn nicht nur in „Tannenwald“ wurde geschuftet. Zwangsarbeiter bauten für die Motorenfabrik Oberursel in einer unterirdischen Fabrik im Hasselborner Tunnel bei Grävenwiesbach Maschinen. Der östliche Taunus war aber zum Kriegsende hin auch von militärstrategischer Bedeutung.

In Merzhausen lag einer der größeren Einsatzflughäfen der Luftwaffe, von dem aus Flugzeuge zum Abfangen alliierter Bomber starteten. Auch zum Ausbau der militärischen Anlagen zogen die Machthaber KZ-Häftlinge heran. In den Jahren 1944 und 1945 waren rund 2000 Häftlinge von Konzentrations- und den sogenannten Arbeitserziehungslagern an mehreren Orten im Kreis inhaftiert.

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