Erholung für weißrussische Kinder

Haus und Herz geöffnet

  • schließen

Drei Wochen Erholung für zehn Tschernobyl-Kinder sind fast zu Ende. Der ökumenische Arbeitskreis Schmitten hat das Programm mit Ausflügen und Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge zusammengestellt. Doch ohne liebevolle Gastfamilien wäre das alles nicht möglich. Die TZ hat eine von ihnen und ihre zwei Gäste aus Weißrussland besucht.

Die beiden zehnjährigen Mädchen spielen mitten auf dem Weg Hickelhäuschen und lassen sich nicht ablenken als der Besuch von der TZ vor dem Haus mitten im Grünen eintrudelt. Anneliese und Winfried Herkert wohnen in Dorfweil wie im Paradies und das teilen sie seit drei Wochen mit Darya und Anastasiya aus der Nähe von Tschernobyl.

Seit 1997 dürfen jedes Jahr zehn Kinder aus Weißrussland auf Einladung des ökumenischen Arbeitskreises Schmitten unbeschwerte Tage im Taunus verbringen. Es sind Kinder, die lange nach der Reaktorkatastrophe von 1986 geboren wurden, aber dennoch gesundheitliche Probleme oder einen schwierigen sozialen Hintergrund haben.

Für Manuela Bernhard und ihre Mitstreiter vom fünfköpfigen Organisationsteam des ökumenischen Arbeitskreises ist es immer eine Herausforderung, Gastfamilien zu finden. Meistens sind es junge Familien mit Kindern. Seit dem vergangenen Jahr sind die Herkerts als älteste Gastgeber dabei. Er ist 79 Jahre alt, sie 77 Jahre. Ihre sechs Enkel sind schon fast alle erwachsen und leben woanders. Weil die Herkerts viel Platz und ein großes Herz haben, haben sie gleich zwei Gäste aufgenommen und schlüpfen für sie gerne noch einmal in die Rolle von „Oma und Opa“. Zu zweit haben „Dascha“ und „Nastja“, wie sie sich rufen lassen, den Vorteil, dass sie sich in ihrer Muttersprache unterhalten können. Denn mit dem Computer-Sprachprogramm wollen sie nicht arbeiten.

„Aber wir verstehen uns trotzdem – mit Händen und Füßen und viel Zeigen und Vormachen klappt es schon ganz gut“, erzählt der Opa auf Zeit. „Wir wissen zwar nicht so viel über ihr Leben in Weißrussland, aber das ist auch nicht so wichtig. Hauptsache sie fühlen sich bei uns wohl“, meint seine Frau und ergänzt: „Wir gehen mit ihnen um wie mit den eigenen Enkeln.“ Anzeichen für Heimweh habe es keine gegeben, beide seien schnell aufgetaut, auch gegenüber den Nachbarn.

Auch als die TZ da ist, siegt schließlich die Neugierde. Nachdem die Mädels zur Begrüßung nur zurückhaltend gelächelt haben, geben sie ihr Spiel auf und gesellen sich dazu. Als Zeichen der Freundschaft überreicht jede dem bisher unbekannten Gast eine Rose, die sie im Garten stibitzt haben. Dann zeigen sie ihr Gastgeschenk für die Herkerts und schleppen alle ihre Schätze an, die sie vom Einkaufen und bei Ausflügen mitgebracht hatten. Was sie in den drei Wochen alles unternommen haben, können sie zwar nicht berichten. Aber an den Zeichnungen in ihren Tagebüchern zeigen sie, woran sie viel Spaß hatten. Beide sind offensichtlich Tierliebhaber, warum sonst hätten sie Kamelhaar einklebt und versucht, das „Uhuuu“ der Eulen aus dem Opel-Zoo nachzumachen. Der Zahnarztbesuch war für alle Kinder eine einmalige Sache. Weil die beiden Mädchen relativ gut mit Kleidung ausgestattet sind und im Kleidershop der Kirchengemeinde und vom Schuhhaus Weidner ausgestattet wurden, bekamen sie von den Gasteltern vor allem reichlich Aufbaupräparate mit in ihre Koffer. Wenn im nächsten Jahr andere weißrussische Kinder nach Schmitten kommen, wollen die Herkerts wieder ihr Haus und ihre Herzen öffnen und für drei Wochen ihren Alltag nach den Gästen ausrichten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare