+
Der Verkehr auf der im vergangenen Jahr eröffneten Heisterbachstraße wird immer mehr.

Verkehr und Lärm

Heisterbachstraße: Bürger aus Westerfeld wehren sich

  • schließen

Die Heisterbachstraße ist für alle, die aus den Gewerbegebieten kommen oder dorthin wollen, eine schnelle Verbindung zur Kreisstraße 723. Sie wird immer beliebter, aber für die Bürger in Westerfeld zunehmend zu einer Belastung.

Horst Kern und Erich Kandler stehen auf der Terrasse von Kerns idyllisch am Ortsrand von Westerfeld gelegenem Haus. Sie zeigen auf die Autos, die auf der Heisterbachstraße unterwegs sind, und auf die Laster. „Die sind besonders schlimm“, sagen die Männer. Schlimm heißt laut, und: „Es werden immer mehr.“ Um sich selbst und anderen Bürgern aus dem Neu-Anspacher Stadtteil Gehör zu verschaffen, haben Kern und Kandler eine Unterschriftenaktion organisiert und einen Brief an die Verwaltung geschrieben, denn für sie ist die Situation unerträglich. Sie sagen: „Es muss was passieren.“

Die Verlängerung der Heisterbachstraße habe für die Bürger in Westerfeld und vor allem im neuen Baugebiet Westerfeld-West eine Mehrbelastung gebracht, schreibt Kern darin. Der ehemalige Geschäftsmann, der 1978 der Ruhe wegen von Frankfurt in den Bächweg gezogen ist, nennt in diesem Zusammenhang Autolärm, Abgase und Reifenquietschen auf der zu Beginn des vergangenen Jahres eröffneten Verbindung zwischen den Gewerbegebieten und der Kreisstraße 723. Auch komme es zwischen Mitternacht und 3 Uhr immer wieder zu Auto- und Motorradrennen. Rufe man dann die Polizei, sei es im Grund schon zu spät: „Dann sind die ja wieder weg“, sagt Kern und spricht sich deshalb für eine dauerhafte Kontrolle aus.

Besonders schlimm sei es, wenn Westwind herrsche, was zu 70 bis 80 Prozent der Fall sei. Dann werde der Frequenzbereich unerträglich, schreibt Kern weiter. Schließlich sei überhaupt kein Schutz vorhanden, und bis die Bäume so hoch gewachsen seien, dass dies etwas bringe, gingen Jahre ins Land. „Von der Straße bis zu den Häusern ist ja alles frei.“ Es sei an der Zeit, dass mal jemand von der Stadt komme und sich die Situation ansehe.

Und das gelte auch für die Straßen im Baugebiet selbst. Eigentlich handele es sich hier um eine Tempo-30-Zone: „Aber manche rasen hier trotzdem durch und beachten auch Rechts vor Links nicht“, berichtet Kern, der eine große Gefahr für die Kinder sieht, da es auch keine Gehwege in der Straße gibt. „Wir fühlen uns hier ziemlich alleine gelassen“, stellen er und Kandler frustriert fest. Beide berichten von wiederholten Anrufen im Ordnungsamt, von dem sie immer wieder vertröstet worden seien.

Doch zurück zur Heisterbachstraße: „In Ruhe hier auf der Terrasse sitzen? Das ist nicht mehr möglich“, schildert Kern die Situation. Das würden auch viele Anwohner von Westerfeld-West so sehen, mit denen er während der Unterschriften-Sammelaktion gesprochen habe. „Sie haben ihren Frust bei mir abgeladen.“ Einige klagten auch über das Scheinwerferlicht, das nachts bis in ihr Schlafzimmer gelange, andere, dass ihre Kinder wegen des Lärms nicht gut schlafen könnten und morgens sehr früh aufwachten.

Kern und Kandler, der seit 1969 in der Schlesierstraße lebt, sprechen sich dafür aus, eine Schallschutzwand zu installieren – oder zumindest für eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Straße, auf der bis zu 100 Kilometer pro Stunde gefahren werden darf, zu sorgen und Blitzer aufzustellen. Kern spricht sich für Tempo 50 aus und meint: „Auf Autobahnen gibt es auch Ruhezonen.“ Und weil er und Kandler befürchten, dass es noch schlimmer kommen könnte, wenn die vieldiskutierte Heisterbach-Spange bis zur B 275 gebaut würde, fordern sie: „Keinen weiteren Ausbau über die Deponie. Denn dann wäre es endgültig vorbei mit der Tag- und Nachtruhe.“

Am heutigen Donnerstag wollen Kern und Kandler die Liste mit 80 Unterschriften an Bürgermeister Thomas Pauli (SPD), mit dem sie vor zwei Wochen schon einmal gesprochen haben und von dem sie sich viel erhoffen, übergeben, morgen werden sie auf der Bürgerversammlung in ihrem Ort ihr Anliegen vortragen. Der Verwaltungschef erklärt auf Anfrage, das Thema prüfen zu wollen und dann zu schauen, was machbar sei. Er glaube an die Lärmbelästigung, aber ob sich diese tatsächlich in einem hoch frequenten Bereich befinde, müsse erst noch untersucht werden. Das Schallgutachten besage etwas anders, so Pauli: „Deshalb müssen wir erst eine belastbare Grundlage schaffen.“Der Polizei in Usingen ist übrigens bekannt, dass auf der Heisterbachstraße mitunter Rennen gefahren werden. „Das ist aber kein akutes Problem“, heißt es dort. Die Beamten bitten aber alle Bürger, derartige Vorkommnisse sofort zu melden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare