Heraeus ist auf Wachstumskurs

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Im Gewerbegebiet Kappengraben tut sich was: Heraeus Medical hat mit den Arbeiten für eine 17 Millionen Euro schwere Erweiterung begonnen. Grund für die TZ, einmal nachzufragen, wie die Dinge am Standort laufen.

500 000 ist eine Menge. Es ist – gerundet – die Zahl der Operationen, bei der weltweit ein Produkt zum Einsatz kommt, das exklusiv im Apfeldorf gefertigt wird: Der Knochenzement Palacos von Heraeus Medical, mit dem Prothesen im Knochen verankert werden.

In den vergangenen Jahren hat das Werk mit Sitz im Gewerbegebiet Kappengraben seine Produktion massiv gesteigert – binnen zehn Jahren sogar verdoppelt. Rund zwei Millionen Packungen entstehen dort jährlich. Und es sollen noch mehr werden. Um das zu erreichen, investiert der Hanauer Konzern im Norden Wehrheims rund 17 Millionen Euro und baut auf dem Werksgelände eine neue Fertigungsanlage. 50 mal 56 Meter wird das zweigeschossige Gebäude messen, für das momentan die Vorarbeiten laufen.

Nach der offiziellen Grundsteinlegung im September hofft Standortleiterin Dr. Britta Bär, im Herbst 2018 mit der Produktion beginnen zu können. Dafür sollen dann 2800 Quadratmeter zur Verfügung stehen, davon 650 Quadratmeter Lagerfläche und 2000 Meter sogenannter Reinraum, in dem mit Schutzkleidung das medizinische Produkt gefertigt werden soll.

Die Investition ist für den Konzern laut Heraeus-Sprecher Christoph Ringwald auch ein klares Bekenntnis zum Standort Wehrheim. Zwar könne man nur schwerlich über Jahrzehnte planen, aber, so ergänzt Bär, „das Produkt gibt es seit 50 Jahren und wird es mindestens die nächsten 30 Jahre geben. Das neue Produktionsgebäude unterstreicht die Langfristigkeit unserer Planungen . . .“

So geht der Blick auch über das momentane Projekt hinaus. Bär: „Ich gehe sogar noch von einem Standortausbau aus. Wir haben hier noch Platz für Erweiterungen.“ Nicht nur für den aktuellen Knochenzement. Ein Teil der neuen Anlage ist für eine zweite Produktionsstrecke reserviert – auf der ein neues Produkt vom Band laufen könnte. Bär: Das ist derzeit in der Entwicklung und soll die Handhabung für die Ärzte noch einmal vereinfachen.“ Mehr könne man dazu jedoch noch nicht sagen.

Dabei hat die Hanauer Zentrale dem Gesamtkonzern erst im November eine großangelegte Restrukturierung samt Standortmodernisierung und -zusammenlegung verordnet. Investitionsvolumen (ohne den Neubau in Wehrheim): rund 130 Millionen Euro. Stand Wehrheim bei der Vorbereitung zur Disposition? Ringwald: „Nur im Hinblick auf Investitionen, um das Wachstum am Standort Wehrheim zu unterstützen. Was hier passiert ist vorbildlich. In Hanau haben wir in Teilbereichen Optimierungsbedarf in der Produktion – mit dem Programm wollen wir dort Standards erreichen, die in Wehrheim schon gelebt werden.“

Damit es mit dem Wachstum weiter geht – Bär rechnet bis 2020 weiterhin mit zweistelligen Zuwachsraten bei der Produktion –, setzt Heraeus bei der neuen Fertigung auf Automatisierung und Prozessverkettung. Soll heißen: Die einzelnen Komponenten werden direkt nach Befüllung auf einer Fertigungsstraße zusammengestellt und verpackt. Im neuen Bereich sollen 25 Mitarbeiter beschäftigt werden – wie viele neue Stellen geschaffen werden, stehe jedoch noch nicht fest.

Produziert werden soll übrigens nur im Erdgeschoss des Neubaus, der erste Stock ist für die Technik reserviert. Bär: „Wir brauchen für den Reinraum leistungsfähige Klimageräte, die unsere Luft aufbereiten. Dadurch, dass die Technik im Gebäude untergebracht ist, gibt es weniger Lärmemissionen.“

Bei einem anderen Thema, bei denen die Wehrheimer skeptisch Richtung Kappengraben blicken, beruhigt sie ebenfalls. Der

Lieferverkehr

soll wie bisher über die Bundesstraße und den Oberloh führen. „Das ist schon deswegen sinnvoll, weil kein Fahrer gerne an den Bahnschranken wartet, und die Ortsdurchfahrt für die Anlieferung ohnehin nicht optimal ist“, betont Bär.

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