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Betriebsstart wird echte Herausforderung

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Von: Matthias Pieren

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Betriebsleiter Max Kaiser, Fahrgastbetreuer und Trainer Yasin Öncel, Geschäftsführerin Corinna Schmid und Teamleiter Andreas Schmid der Regionalverkehre Start Deutschland (von links) planen die Aufnahme des Zugbetriebs auf der Taunusbahn.
Betriebsleiter Max Kaiser, Fahrgastbetreuer und Trainer Yasin Öncel, Geschäftsführerin Corinna Schmid und Teamleiter Andreas Schmid der Regionalverkehre Start Deutschland (von links) planen die Aufnahme des Zugbetriebs auf der Taunusbahn. © MATTHIAS PIEREN

Dem neuen Zug-Betreiber der Taunusbahnen Regionalverkehre Start Deutschland GmbH fehlen Wasserstoffzüge und Personal. Zum Fahrplanwechsel zum 11. Dezember muss deswegen noch einiges geschehen.

Usinger Land -Wenn sich zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember nach Jahrzehnten des Zugbetriebs die Hessische Landesbahn aus dem Taunus zurückziehen wird und dem neuen Betreiber Regionalverkehre Start Deutschland GmbH (RSD) die Linien im Taunus überlassen muss, soll - auch was die vom RMV bei der Ausschreibung geforderte Fahrgastbetreuung betrifft - ein ganz neues Zeitalter beginnen. In den vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) beim Zughersteller Alstom georderten 27 neuen Triebfahrzeugen mit emissionsfreiem Brennstoffzellenantrieb sollen künftig auch Fahrgastbetreuer an Bord sein. Bislang tauchten nur ab und an RMV-Kontrolleure in den Taunusbahnen auf und kontrollierten die Tickets der Fahrgäste.

Künftig sollen neben dem Lokführer nun auch noch Schaffner mit im Zug unterwegs sein. Neben Ticketkontrollen sollen sie auch für mehr Sicherheit der Fahrgäste sorgen. Um über deren Aufgaben zu informieren und Personal zu gewinnen, waren Ende vergangener Woche vier leitende RSD-Mitarbeiter am Bahnhof Usingen. Doch bereits am Tag, bevor die für Freitag angekündigte Streckensperrung wegen weiterer Bauarbeiten den bekannten Schienenersatzverkehr erforderte, fielen viele Züge zwischen Bad Homburg und dem Usinger Land wegen Personalmangels und Erkrankungen aus. Die HLB musste also auch am Donnerstag durchgehend Busse als Zugersatz auf Tour schicken.

Spezielle Ausbildung steht noch an

Da nun keine Pendler am Gleis eintrafen, wurde auch das aufgebaute Info-Zelt nur selten von potenziellen Bewerbern aufgesucht. „Während wir nur noch wenige Triebfahrzeugführer benötigen, suchen wir noch 60 Fahrgastbetreuer“, teilte Max Kaiser, der für den Zugbetrieb auf den vier Zuglinien im Taunus verantwortliche Leiter von Start, mit.

Der neue Betreiber steht mit beiden Berufsgruppen zudem vor einem ganz anderen Problem. „Zum Glück konnten wir 80 Prozent der benötigten Triebfahrzeugführer vom alten Betreiber (Hessische Landesbahn) übernehmen. Sie kennen die Strecken nach Königstein und Grävenwiesbach bereits“, sagte Kaiser. „Doch müssen sie noch eine spezielle Ausbildung für die Technik und Steuerung der neuen Wasserstoffzüge absolvieren.“

Ersatzkonzept für mehrere Monate

Auch die neuen Fahrgastbetreuer müssen die Technik der neuen Züge - von der Heizung, der Türöffnung, der Rettungstechnik bis hin zur Kommunikationstechnik mit den Lokführern - während ihrer dreimonatigen Ausbildung kennenlernen. „Es sind bislang erst zwei neue Wasserstoffzüge ausgeliefert, die seit Mitte September zu Schulungszwecken zur Verfügung stehen“, so der Betriebsleiter. „Das sind weniger als geplant, weshalb wir nicht so intensiv schulen können.“

Bekanntlich kann der Hersteller Alstom bis zum Fahrplanwechsel im Dezember lediglich etwa die Hälfte der 27 Wasserstoffzüge bereitstellen. Um aber den Zugbetrieb wie geplant auf allen vier Regionalbahnlinien im Taunus zwischen Grävenwiesbach/Brandoberndorf, Friedberg, Bad Homburg, Frankfurt-Hauptbahnhof, Frankfurt-Höchst, Königstein und Bad Soden aufnehmen zu können, braucht man weit mehr Züge.

Nach Informationen dieser Zeitung konnten bei der DB Regio Ersatzfahrzeuge der Baureihe 644 (Talent) aus Nordrhein-Westfalen und weitere nicht näher bekannte Modelle angemietet werden. Diese stehen zwar ab Dezember zur Verfügung, womit ein mehrmonatiges Ersatzkonzept zumindest geplant werden kann. Start steht aber durch das improvisierte Fahrzeug-Konzept vor einem holprigen Start im Taunus.

Ersatzfahrzeuge müssen im Rheinland gewartet werden

Jeder Triebfahrzeugführer muss neben seiner grundsätzlichen Ausbildung als Lokführer auch in den Besonderheiten und der Steuerungstechnik der jeweils eingesetzten Fahrzeuge geschult werden. Gleiches gilt auch für die Fahrgastbetreuer, die die Technik der zwischenzeitlich eingesetzten Interims-Züge noch kennenlernen müssen. Doch kann diese Schulung zwangsläufig erst erfolgen, wenn auch diese Zug-Modelle verfügbar sind.

Ein besonders pikantes Detail: „Während die neuen Wasserstoffzüge in Frankfurt-Griesheim in der Bahnwerkstatt von DB Regio gewartet und instandgesetzt werden, sind die zunächst eingesetzten Ersatz-Züge der Baureihe 644 in Nordrhein-Westfalen stationiert und können nur dort repariert werden“, teilt Max Kaiser eine zusätzliche Hürde in den Betriebsabläufen mit. Gleiches gilt auch für einen noch nicht bekannten dritten Zug-Typ. VON MATTHIAS PIEREN

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