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Ivan Rebroff, der Sänger, der mit bürgerlichem Namen Hans Rolf Rippert hieß, starb am 27. Februar 2008 mit 76 Jahren. Rebroff war bereits 1968 mit der Rolle des Milchmanns ?Tevje? im Musical ?Anatevka? bekanntgeworden. In Deutschland pflegte er 40 Jahre lang sein Image als Sänger mit russischer Pelzmütze und einer starken

Erinnerung

Heribert Daume erzählt: Mein Freund Ivan Rebroff

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Der Apotheker Heribert Daume war mit dem verstorbenen Sänger Ivan Rebroff befreundet. Nun, zehn Jahre nach dessen Tod, wälzt er für diese Zeitung Erinnerungen und lüftet das ein oder andere Geheimnis.

„Er war ein fröhlicher, lebenslustiger Mensch.“ So beschreibt Heribert Daume aus Usingen Ivan Rebroff. Auf den Tag genau vor zehn Jahren starb der Sänger, der mit bürgerlichem Namen Hans Rolf Rippert hieß. In Usingen war der außergewöhnliche Star ein ständiger Gast, nicht nur wegen seines Domizils, die Burg Weilstein ganz in der Nähe der Buchfinkenstadt.

Heribert Daume zog im Oktober 1970 nach Usingen und übernahm dort die Adler-Apotheke in der Obergasse. Diese liegt unweit des damaligen Pubs, der vielen später als „Lampe“ bekannt war. „Dort haben wir uns kennengelernt“, erinnert sich Daume noch sehr lebhaft an einen denkwürdigen Abend. Gemeinsam saß und trank er mit Ivan Rebroff am Tresen. „Was das anging, war er kein Kostverächter“, sagt Daume im Gespräch mit dieser Zeitung. Ein Glas habe das andere gegeben – bis zur Sperrstunde. „Danach sind wir zu uns nach Hause gegangen und haben weitergetrunken“, lacht der Apotheker bei der Erinnerung an diesen Abend.

Damals hatten er und seine Frau Gudrun noch eine Wohnung über der Frankfurter Volksbank in der Wilhelmstraße. „Wir waren so gut dabei, dass wir den Wein, der nach Kork schmeckte, gar nicht wahrgenommen haben“, schildert Daume. Ehefrau Gudrun war nicht ganz so amüsiert über den nächtlichen Gast und hat dem lustigen Beisammensein morgens um 4 Uhr ein Ende bereitet. Ivan Rebroff sei daraufhin noch selbst nach Hause gefahren. „Wenige Wochen später war dann sein Führerschein weg“, erzählt Daume.

Seit dieser Zeit waren die beiden Männer freundschaftlich verbunden. Auch deshalb, weil sich Rebroff seine Medikamente von der Adler-Apotheke liefern ließ, sei es nun in sein Domizil der Burg Weilstein oder sogar auf die griechische Insel Skopelos. Von dort habe das Ehepaar Daume regelmäßig ein Fax mit Aufträgen für Medikamente bekommen. „Hinweise in Bezug auf seinen Diabetes hat er zwar gehört, aber genauso gerne ignoriert“, so Daume. Auch das Herzleiden und das starke Übergewicht hätten dem Starsänger sicher nicht gut getan, „geschert hat es ihn recht wenig“.

Eine Besonderheit des Stars war seine Kleidung, sofern er privat unterwegs war. Während er zu seinen Konzerten und Shows stets die Bärenmütze und entsprechend glamouröse Outfits trug, war er privat ganz anders unterwegs. „Da hat er immer einen seidenen, dunklen Trainingsanzug getragen“, schildert Daume. Zu Festlichkeiten durfte hingegen der weiße Seidenschal nie fehlen, wie zum Beispiel an Heribert Daumes 60. Geburtstag. Auch da war „Ivan“, wie Daume ihn auch heute noch nennt, zu Gast.

Rebroff sei freundlich gewesen und überhaupt nicht überheblich. Gesungen habe er bei einer Feier aber niemals. Lediglich eine Ausnahme habe es in all den Jahren gegeben: „Als der Schützenverein Finsternthal-Hunoldstal Jubiläum feierte, sang er tatsächlich im Kreis der Schützenbrüder und -schwestern“, erinnert sich Gudrun Daume, die viele Jahre lang Kreisschützenmeisterin war.

Vertraglich sei Rebroff offenbar dazu verpflichtet gewesen, im privaten Rahmen keine Konzerte oder Gesangseinlagen zu geben. Da Rebroff selbst Mitglied im Schützenverein Finsternthal-Hunoldstal war, habe er dort eine Ausnahme gemacht.

Dennoch habe er keine Starallüren gehabt, sondern sich stets gesellig unters Volk gemischt. Wenn er kam, war er immer allein. „Mit Frauen konnte der liebe Ivan nichts anfangen“, sagte Daume. Und auch wenn er es niemals direkt ausgesprochen habe, sei er doch sehr den Männern zugewandt gewesen. Dass Rebroff homosexuell gewesen sei, wird zwar ungern öffentlich gesagt, inzwischen aus dem näheren Umkreis aber bestätigt. Denn zu jener Zeit, da ist sich auch Daume sicher, wäre seine Karriere sofort beendet gewesen.

Indizien dafür, dass Rebroff auf Männer stand, fand Daume auch stets darin, dass die Fahrer, die er seit dem Verlust des Führerscheins gestellt bekam, eher von weicherer Statur waren. „Doch es waren Zeiten, in denen er darüber auch nicht hätte sprechen können“, sagt Daume nachdenklich. Die Gesellschaft sei in den 70er und auch Anfang der 80er noch lange nicht so aufgeklärt und liberal gewesen, wie sie es heute ist.

Dass Rebroff um sein Privatleben oftmals den Mantel des Schweigens hüllte, habe sich auch daran gezeigt, dass es zwar unzählige Einladungen Daumes an Rebroff gegeben habe, aber keine zu ihm nach Hause in die Burg Weilstein. In dieser Hinsicht bleibe der selbst ernannte Kosake mit der Pelzmütze und Mantel immer noch ein Mysterium.

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