Nassauischer Zentralstudienfonds

Herzogliche Hilfe

Der Nassauische Zentralstudienfonds vergibt Stipendien an Studenten und Zuschüsse an Gymnasien im früheren Herzogtum Nassau – auch im Usinger Land. Er wurde durch das Nassauische Schuledikt des Herzogs Wilhelm von Nassau am 29. März 1817 gegründet.

Von NINA NICKOLL

Schulen ist er ein Begriff, aber Menschen, die nicht an der Schule arbeiten oder nicht mehr studieren, dürfte er weniger bekannt sein, der Nassauische Zentralstudienfonds (NZF). Er unterstützt Gymnasiasten und Studenten finanziell, die im ehemaligen Herzogtum Nassau geboren wurden. Doch weil ihm der Niedrigzins zu schaffen macht, kann er immer weniger Schüler und Studenten fördern. „Seit vier Jahren sind die Zinsen dermaßen rückläufig, dass es wehtut – man muss sich krummlegen, um überhaupt ein Prozent zu bekommen“, sagt Ortrud Brunner-Papachristos, Verwalterin des Nassauischen Zentralstudienfonds beim Regierungspräsidium Darmstadt.

Die Ausschüttung sei in diesem Jahr von 500 000 auf 350 000 Euro reduziert worden. 37 110 Euro gingen an den Hochtaunuskreis.

Etwa 2000 Schüler aus dem Usinger Land profitieren vom NZF. Die Schulen haben deutlich gespürt, dass weniger verteilt wurde: „Der Betrag hat sich halbiert“, sagt Regina Grünwoldt, Sekretärin an der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) in Neu-Anspach und für Verwaltung des Geldes zuständig. 4910 Euro stehen der Schule dieses Schuljahr zur Verfügung.

„Wir hatten in diesem Jahr weniger Geld für die Oberstufenbücher übrig“, sagt auch Bettina Sacher, Sekretärin an der Christian-Wirth-Schule (CWS) in Usingen und dort für die Sachbearbeitung des NZF mitverantwortlich. 6470 Euro hatte die CWS zur Verfügung, um Dinge anzuschaffen, die den Schülern nutzen beziehungsweise sie beim Lernen im Unterricht weiterbringen und nicht vom Schulträger zur Verfügung gestellt werden müssen.

Die ARS hat etwa eine neue Stereoanlage für den Fremdsprachenunterricht, Laborbedarf und Dokumentenkameras besorgt. Modelle von heimischen Kröten, Unken und Nattern, etwa der Ringelnatter und der Kreuzotter und ein Modell des Innenohrs. Die Tiermodelle sind lebensecht, das Innenohr ist vergrößert.

„In der Natur wird man sie so kaum sehen, wir nutzen sie im Unterricht für die fünften bis siebten Schulklassen“, sagt Norbert Bertelsbeck, Biologielehrer an der CWS. Er ist für die Verwaltung der Sammlungen in der Biologie und der Chemie verantwortlich. Jedes Modell sei zwischen 200 und 300 Euro wert. „Schüler dürfen die nicht anfassen.“

Was in den Fachbereichen benötigt wird, entschieden alle Lehrer ihres jeweiligen Fachbereichs gemeinschaftlich, sagt Bertelsbeck. Das mehrstufige Verfahren – von der Beantragung der Unterstützung des NZF bis zur tatsächlichen Auszahlung des Geldes – bezeichnet Sacher als etwas „kompliziert und umständlich“. „Vereinfacht gesagt fragt die Schule die Wünsche bei ihren einzelnen Fachschaften ab, dann wird entschieden, was aus welchem Topf angeschafft wird“, sagt Sacher – also ob aus dem NZF, dem Förderverein der Schule oder dem Kreishaushalt.

Neben den Zuschüssen für rund 70 Gymnasien unterstützt der Fonds begabte und nicht wohlhabende Studierende (zurzeit 120) mit 1000 Euro pro Semester im Erststudium. „Ursprünglich war das Geld vom Stiftungsgründer für den kostenfreien Mittagstisch gedacht, heute verwenden Studenten es für den Lebensunterhalt“, so die NZF-Verwalterin.

Zwar wird man qua Geburt förderberechtigt, aber ohne Leistungsnachweis verfällt dieser Anspruch ganz schnell wieder. Wer gefördert wird, muss besondere Leistungen erbringen, die der Vertiefung des Studiums dienen. „Das kann eine weitere Vorlesung sein, aber es kann auch ein Tutorium gegeben oder ein nötiges Praktikum gemacht werden.“

Und wo kommt das Geld aus dem Fonds her? Sozusagen aus den Wäldern des Taunus. Im Usinger Land besitzt der Fonds den überwiegenden Teil seines 600 Hektar großen Waldbesitzes und rund 10 Hektar landwirtschaftlichen Streubesitz.

„Bereits seit seiner Gründung im Jahr 1817 ist der Nassauische Zentralstudienfonds Besitzer des 120 Hektar großen Hofgutes Kloster Thron“, sagt Brunner-Papachristos. Dieses und weitere Grundstücke würden verpachtet. Die Pacht werde wiederum in weitere, neue Grundstücke investiert.

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