Taunus-Mineral

Hessenpark-Goldschmied kreiert Gerippte und Bembel aus Quarz

  • Anja Petter
    vonAnja Petter
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Apfelwein-Fans können sich das Gerippte aus Silber schon länger um den Hals hängen. Jetzt gibt es das Schmuckstück auch noch aus einem für den Taunus typischen Material.

Als Marcel Schweer im April 2015 die Goldschmiede-Werkstatt im Hessenpark eröffnete, wollte er ein Schmuckstück kreieren, das gut zu dem Freilichtmuseum und zu der Region passt, und kam schließlich auf die Idee, Bembel und Geripptes aus Silber zu fertigen. Als der gebürtige Langener, ein detailverliebter Mensch, beim Vermessen dann feststellte, dass das Rautenmuster bei einem Apfelweinglas nach unten hin immer kleiner wird und es so zu einem Versatz des Musters kommt, setzte er dies auf seinen originalgetreu verkleinerten Schmuckstücken genauso um.

Herausgekommen sind filigrane und zarte Stücke, die man sich inzwischen nicht nur an einer Kette um den Hals hängen, sondern – in kleinerer Ausführung – auch als Ohrringe, Manschettenknöpfe und Krawattennadeln tragen kann. Und zudem gibt es das Gerippte ab sofort nicht mehr nur in Silber und Gold, sondern – und jetzt wird es noch ein bisschen regionaler – auch aus Taunus-Quarzit.

Anfang dieses Jahres hatte der Steinschleifer, mit dem Marcel Schweer zusammenarbeitet, nämlich vorgeschlagen, ein Geripptes aus dem Quarz, den man im Taunus findet, zu schleifen. „Ich war von der Idee sofort begeistert“, erzählt der Goldschmied, „denn so bildet das Schmuckstück gleich in doppeltem Sinne die Region ab.“ Im Sommer gab es dann nicht nur ein Treffen mit den Verantwortlichen vom Bremthaler Quarzitwerk in Usingen und ein entsprechendes Okay für die Verarbeitung des Minerals, sondern gleich auch noch eine ganze Kiste voller Quarzbrocken mit dazu.

„Das ist ja ein Material, das sich eigentlich nicht für die Schmuckverarbeitung eignet“, erzählt der 30-Jährige. Stattdessen werde es hauptsächlich in der Glas-, der Farben- und Lackindustrie, der Bauchemie sowie der Dentalkeramik, aber auch im Garten- und Landschaftsbau verwendet.

Steinschleifer Andy Berck hat für die Verarbeitung die stabilsten Stücke herausgesucht, die Wachstumslinien im Material genau beachtet, den Quarz von außen bearbeitet und die Linien der Rauten hineingefräst – anders als bei den Apfelweingläsern aus Silber, die gegossen werden, allerdings nicht mit kleiner werdenden Rauten. „Das wäre zu aufwendig und letztlich unbezahlbar gewesen“, erklärt Schweer.

Insgesamt sechs kleine Schoppengläser hat Berck gefertigt. Schweer wiederum hat, weil der Quarz nicht einfach angebohrt werden kann, einen Anhänger aus 925er Silber entwickelt, der mit einem Zweikomponentenkleber befestigt wird und wie ein Schoppe-Deckel auf dem kleinen Glas sitzt. Schweer trägt sein Geripptes aus Quarz jetzt schon eine ganze Weile um den Hals, und er versichert: „Es hält sehr gut.“

Alle „Gläser“ sehen ganz unterschiedlich aus: Manche haben „ganz wilde dunkle Einschlüsse“, wie der Goldschmied zeigt, manche sind ebenmäßiger, aber alle haben ihren Reiz. „Es gibt auch Quarz ohne Einschlüsse“, erzählt Schweer, „aber nicht hier im Taunus.“

Bembel und Geripptes kommen bei den Hessenpark-Besuchern gut an. Meist sind es „

Lokalpatrioten

und Apfelweinliebhaber“, die sich die Schmuckstücke kaufen. Es gibt aber auch Menschen, die Ebbelwei nicht mögen und einfach zeigen wollen, dass sie „echte Frankfurter oder Hessen“ sind, wie der Apfelwein-Freund Schweer weiß. Er lebt übrigens in Hanau, hat dort an der Zeichenakademie seine Ausbildung zum Goldschmied gemacht und hier auch Sara Pukall sowie Bianca Turner kennengelernt, die jetzt gemeinsam mit ihm in dem Fachwerkhaus am Rande des Marktplatzes arbeiten und dort auch Kurse anbieten für alle, die selbst Schmuck herstellen möchten.

Jeder der drei hat seinen eigenen Stil. Sara Pukall ist bekannt für ihren „Strickschmuck“, Bianca Turner für den von ihr kreierten Froschkönig und die Perlenketten, Marcel Schweer für seine geradlinigen und puristischen Schmuckstücke. Ein paar Ideen für weitere typisch hessische Anhänger hat er noch: Vielleicht kreiert er bald einen Eintracht-Adler. Einen Handkäs soll es aber nicht geben: „Das würde als Schmuckstück doch ein wenig fad aussehen.“

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