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Ute Harmel, Erika Hammesfahr, Petra Reuter, Gudrun und Heribert Daume sowie Bürgermeister Steffen Wernard (von links) warben bereits 2008 für den Hessentag in Usingen.

Debatte

Nur die CDU ist für den Hessentag in Usingen

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Es ist ruhig geworden um den Hessentag, aber gerade der Bürgermeister setzt große Hoffnung auf das Ereignis – sollte es nach Usingen kommen. Die Infrastruktur könnte mit Landesmitteln schließlich einen ordentlichen Schub erfahren – vor allem die Nord-Ost-Umgehung. Doch die Meinungen sind geteilt.

Die CDU ist zwar generell ein Freund des Usinger Hessentages, aber so richtig konkret gibt’s darüber noch keine Vorstellung. Matthias Drexelius als Fraktionschef sieht durchaus, dass die Kleinstadt das Großereignis leisten kann: „Zumindest war dies auch die Einschätzung vom damaligen Hessentagsbeauftragten bei der Begehung in Usingen“, sagt er. Ob er mit anderen Kommunen gemeinsam gestemmt werden müsse, das will die CDU davon abhängig machen, was bei einer konkreten Einschätzung herauskommen könnte.

Vorteile sieht Drexelius auf jeden Fall: „Die kommunale Infrastruktur kann mit Landesgeld deutlich verbessert werden. Vielleicht gibt’s sogar eine Beschleunigung der Umsetzung der Umgehungsstraße.“ Über mögliche Festflächen will er sich erst Gedanken machen, wenn die Entscheidung ansteht. Was die Kosten betrifft, so seien diese abhängig von der Anzahl und Größe der einzelnen Events während des Hessentages. „Dazu muss man sicher die Erfahrung und das Wissen der Beauftragten des Landes nutzen.“ Auf jeden Fall sei der Hessentag noch zeitgemäß, findet er.

Das sieht die SPD aber mal ganz anders. Bernhard Müller als Fraktionsvorsitzender betont süffisant: „Der Bürgermeister hat in seiner Amtsperiode lauthals danach gerufen. Aber bereits bei seinem zweiten Wahlkampf tauchte der Hessentag nicht mehr auf. Erst recht scheint heute der Begriff für ihn ein Unwort zu sein.“

Müller: „Usingen kann den Hessentag nicht durchführen. Verglichen mit anderen Städten fehlt das entsprechende räumliche Angebot für die Bühnen, Zelte und Stände. Und der Parkraum fehlt komplett.“ Und eine Kooperation mit Nachbarkommunen? „Mit wem? Erfahrungen zeigen, dass Nachbarkommunen für übergreifende Initiativen wenig Interesse haben.“

Er sieht auch, dass der Hessentag ein paar strukturelle Maßnahmen bringen könnte, zum Teil finanziert vom Land, aber allein an den nötigen Örtlichkeiten scheitere dann wieder alles. „Wie und wo soll ein Umzug stattfinden?“, fragt er und wird bei den Kosten deutlich: „Das Land hat die Zuschüsse bereits reduziert. Hier müssten auch die Ansprüche runtergefahren werden. Aber welche Kommune fängt damit an?“

Und zeitgemäß sei er schon gar nicht mehr: „Auch hier wird ja über eine Änderung des Konzeptes nachgedacht.“

Der Hessentag und die Usinger Grünen werden auch keine engen Freunde. Fraktionvorsitzende Ellen Enslin betont, dass es in den zehn Tagen enorme Belastungen für die Bevölkerung und die Verwaltung geben würde. Usingen sei dann im Ausnahmezustand. Hinzu käme ein Millionen-Defizit, das zu tragen wäre. Das könne sich Usingen nicht leisten. Und eine Kooperation mit Nachbarkommunen „ändert an den grundsätzlichen Problemen ja nichts“.

Vorteile sieht Enslin überhaupt nicht: „Eher Nachteile. Die enormen Defizite in Millionenhöhe oder Bauten für die Besucher, die nach dem Hessentag zurückbleiben. Es ist schon absurd, damit zu werben, dass die Nord-Ost-Umfahrung schneller kommen würde, aber viele zusätzliche Besucher mit Pkw dafür benötigt werden. Auch den beschworenen Aspekt der Städtewerbung und des Imagegewinns sehen wir nicht. Hinzu kommt, dass das heimische Gewerbe wenig davon hat.“

Hauptkritik gibt’s zu den Kosten: „Es haben schon viele Hessentag-Kommunen versucht, ihr Defizit einzuhalten, und es ist ihnen nicht gelungen. Trotz eines Landeszuschusses in Höhe von 8,5 Millionen Euro haben die Städte Defizite in Millionenhöhe gemacht.“

Zudem lehnten Menschen inzwischen riesige Massenveranstaltungen ab, wie die Olympiabewerbungen in München oder Hamburg zeigten, sagt Enslin. Eine riesige Party und Unternehmensmesse mit Konzert-Agentur, dafür brauche man keinen Hessentag. „Im Rhein-Main-Gebiet haben wir ein vielfältiges Angebot an kulturellen Großveranstaltungen, da braucht es kein zusätzliches Konzertangebot, das große finanzielle Risiken birgt. Wir haben die Usinger Kerb, und für die sollten wir alles tun, damit sie weiter ein attraktives Angebot bieten kann.“

FDP-Fraktionschef Gerhard Brähler hat so seine Zweifel an dem Ereignis. Er lehnt es nicht ab, aber: „Wo soll denn Usingen rund 30 Hektar für 12 000 neue Parkplätze schaffen?“ Abgesehen davon könne Usingen natürlich profitieren. „Aber Voraussetzung ist, dass die Umgehungsstraße den Verkehr dann bereits heraus nimmt.“ Er sieht eine Möglichkeit darin, schon jetzt in der laufenden Planung des Stadtentwicklungskonzeptes Ideen einfließen zu lassen.

„Wenn dann Untergasse, Obergasse, Kreuzgasse und Neutorstraße entsprechend gestaltet sind, die Fassaden aufgehübscht werden, dann wäre hier Platz für die Hessentagsstraße.“

Und die nötigen Flächen habe Usingen schon, stellt der Politiker fest: etwa das Festgelände, den Alten Marktplatz und natürlich die große Freifläche am Hattsteinweiher, die dann „mit einem Shuttle angebunden werden muss.“

Auch die Kosten hält Brähler für überschaubar: „Zum einen haben wir das Geld vom Land, zum anderen können wir auch die Zuschüsse für das laufende Stadtentwicklungsprogramm nutzen.“ Aber: „In Usingen benötigt der Hessentag ein anderes Konzept. Wir haben hier nicht die große Folklore wie etwa in Korbach. Ich sehe eher ein Konzept in Richtung einer Präsentation der Stadt als Wohnstadt mit Arbeitsplätzen und Gewerbe.“

Bei der FWG war für die Anfrage niemand erreichbar.

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