Musikfestival Allegro

Hier passt einfach alles

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Zum ersten Mal war das Musikfestival Allegro am Sonntag auf der Burg Reifenberg zu Gast. Das Naturhornkonzert war nicht nur ein topografischer Höhepunkt.

„Wir hätten hier kein Streichquartett hingestellt“, sagte Karl-Werner Joerg und stand dabei selbst vor der riesigen, über zehn Meter hohen Schildmauer der Burg Reifenberg. Von der Burgruine war der künstlerische Leiter des Allegro-Musikfestes im Taunus so begeistert gewesen, dass die Burg erstmals zum Spielort wurde.

Einer der schönsten vielleicht, und in jedem Falle ideal für ein Open-Air-Event, bei dem das Wetter auch noch mitspielte. Die Kulisse des Bergfrieds und des Wohnturms, die alten Mauern, der imposante Blick über Ober- und Niederreifenberg in die Taunuslandschaft – während des Konzerts und vor allem in der Pause – sind imposant. Dazu hatte man von jedem Platz aus freien Blick auf die Künstler und konnte obendrein nicht nur jeden Ton der Instrumente, sondern auch die Moderation bestens verstehen. Eine Bühne nach Maß für die „Deutschen Naturhornsolisten“, die Joerg eingeladen hatte.

„Unsere Dichter haben in ihren Werken verewigt, wie schön es ist, in der Natur zu sein und ein Horn zu hören“, sagte Hornist Wilhelm Bruns, der das Konzert auch moderierte und viel Wissenswertes über das Naturhorn, seine technische Weiterentwicklung und die Entwicklung in der Musik vermittelte.

Wichtigstes Merkmal: Naturhörner haben weder Grifflöcher noch Klappen oder Ventile, und die Länge der Resonanzröhre kann während des Spiels nicht verändert werden. „Man bläst hier hinein, und da kommen die Töne heraus“, erklärte Bruns. Aber was sich so einfach anhört, ist eine sehr anspruchsvolle Kunst – vor allem, wenn man sie auf so hohem Niveau betreibt, wie es das Quartett aus Wilhelm Bruns, Stefan Berrang, Tilmann Schärf und Lars Mechelke tut.

In der ersten Konzerthälfte präsentierten die vier Kammermusikliteratur, in der zweiten Jagdmusik. Damit setzten sie selbst entwickeltes und etabliertes Konzept um, das hohe Ansprüche an die Naturhornsolisten stellte.

Einer, der viel für Bläser einschließlich Hörner geschrieben hat, ist der böhmische Komponist Anton Reicha, von dem vier Sätze zu hören waren, sowie Anton Richter, der unter anderem sechs Stücke für Hornquartett hinterlassen hat. Man hörte sich schnell ein und konnte von Stück zu Stück und von Erläuterung zu Erläuterung das Konzert immer mehr genießen.

„Hörner müssen auch schmettern können“, erklärte Bruns den Zweck der Instrumente, der Komponisten wie Carl Maria von Weber und Gioacchino Rossini wichtig war. Gesagt getan: Aus dem Freischütz schmetterten die Vier den Jägerchor, mit Rossinis „Le rendez-vous de chasse“ ging es in die Pause und danach mit „Großem Halali“ weiter in die goldene Zeit der Jagdmusik, für die das höfische Frankreich Ausgangspunkt war. Nach drei Stücken von Carl Oestreich standen Hubert Heinrich, Paul Laugé und Tyndare Gruyer auf dem Programm und „La Fête au Chateau“, von Albert Sombrun. „Wo könnte das besser hinpassen als auf eine Burg?“, fragte Bruns, bevor er ansetzte. Und so, wie das Stück zur Burg passte, passte bei „Allegro“ auf der Burg einfach auch alles: Location, Wetter und vor allem die Musik.

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