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Was aus dem Hirsch geworden ist, der sich mit seinem stolzen Geweih in diesem Elektro-Weidezaun verfangen hatte, weiß Klaus Eberhardt nicht. Nur dass dieses Tier mehr Glück hatte als manch einer seiner Artgenossen. Denn es hat das Geweih abgeworfen und den Unfall überlebt.

Gefahr

Für Hirsche kann Elektrozaun zur Todesfalle werden

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Die schmalen Elektrozäune kennt jeder, der im Usinger Land ab und an durchs Grüne streift. Vor allem Reiter zäunen so Wiesen ein, um die Tier zu halten. Dagegen haben die Jagdgenossen auch nichts. Wohl aber dagegen, wenn diese schmalen Bänder auch nach ihrer Nutzung noch im Wind baumeln. Denn sie sind eine Gefahr fürs Wild.

Er hat schon so manchen kapitalen Hirsch aus nächster Nähe gesehen, der Eschbacher Jäger und Sprecher der Jagdgenossen Usingen-Eschbach. Dass Klaus Eberhardt den Tieren recht nahe kam, lag aber auch schon häufig daran, dass diese nicht flüchten konnten, weil sie sich mit ihrem Geweih in einem Elektrozaun verfangen hatten. „Mancher Hirsch ist dann gestorben, weil er in seiner Panik einen Herzinfarkt bekommen hat oder sich das Genick brach“, berichtet Eberhardt.

Das Problem ist nicht neu, und die Jagdgenossen werden nicht müden, fast jedes Jahr an die Pferdehalter und Reiterhöfe zu appellieren, mit Beginn des Herbstes diese schmalen und fürs Wild kaum sichtbaren Elektrozäune abzubauen oder zumindest sehr straff zu spannen. Dass dies gerade im Herbst wichtig ist, liegt am Liebesgebaren der Hirsche.

Brunftzeit ist im Herbst. Und weil so mancher liebestolle Hirsch dann seiner Auserwählten blindlings durch Wald und Flur folgt, alle Vorsicht übers Geweih schmeißt, fällt sein Blick auch nicht auf diese Elektrozäune. Sein stattliches Geweih ist dann bestens geeignet, sich in diesen Bändern zu verheddern, erklärt Eberhardt.

„Vor ein paar Jahren haben wir sogar die Polizei gerufen, weil ein großer Hirsch nicht mehr frei kam. Kaum war die Streife vor Ort und wir haben uns dem Tier genähert, hat er sich losgerissen und ist mit 30 Metern Band im Wald verschwunden. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wir hätten ihn geschossen, der hat sich sicher irgendwo verfangen und ist verendet“, sagt Eberhardt.

Auch in diesem Jahr hat er bereits mehrere Fälle gehabt und Hirsche in den Bändern gesehen. „Einer hat mit seiner Kraft fast zehn Pflöcke aus dem Boden gerissen und ist mit ihnen auf und davon.“

Er habe auch schon Hirsche im Wald wieder beobachtet, in deren Geweih sich ein großer Knoten aus Elektrozaun befunden habe. „Dabei ist es doch ganz einfach. So ein Elektrozaun ist im Nu auf- und abgebaut. Für die Pferdehalter wäre es nur ein kurzer Aufwand, wenn sie ihre Weiden von den Zäunen befreien würden, sobald die Weidezeit für ihre Pferde um ist“, betont auch Heinz Dienstbach von den Usinger Jagdgenossen. Und wenn generell an solche Zäune noch Flatterband angebracht werde, hätten die Wildtiere eine viel bessere Chance, diese schmalen Zäune zu sehen, so Dienstbach.

Dass die Zäune ein großes Problem sind, hat auch der Pferdesportverband (PSV) Hessen bereits erkannt und sich im Januar an seine Pferdehalter gerichtet. „Leider hat es in den vergangenen Wochen wieder schwere Unfälle mit Wildtieren gegeben, die sich mit Läufen und Geweihen in Weidezäunen verfangen haben. Da wir Pferdehalter ungenutzte Weiden im Winter kaum täglich kontrollieren, kann es passieren, dass die Wildtiere tagelang leiden oder womöglich erst im Frühjahr tot gefunden werden“, heißt es in einer Pressemitteilung des PSV, die im Internet veröffentlich wurde.

Selbst wenn die Tiere rechtzeitig entdeckt würden, bestehe kaum die Möglichkeit, sie zu retten, so der PSV. Vor allem Elektrozäune seien hier ein Risiko, wenn es den vierbeinigen Waldbewohnern gelinge, die Litze abzureißen und mit Zaunteilen zu flüchten.

Der Appell an alle Reiter: Keine Drähte, Seile oder Bänder in der Landschaft liegen lassen, auch wenn es eigener Grund und Boden ist. „Bauen Sie mobile Zäune ab. Sie werden Sie sowieso im Frühjahr neu stecken müssen. Über den Winter wetterfest gelagert, halten Mobilzäune zudem erheblich länger“, betont der Pferdesportverband. Und er hat noch einen Tipp parat: Im Gartenbaubereich finde man Adapter für Haspeln/Spulen, die auf Akkuschrauber passten. So könne eine Litze mit wenig Kraftaufwand aufgerollt werden.

Weiterführende Infos

Weitere Informationen zum Thema gibt es auf der Internetseite des Pferdesportverband oder auf der Seite . Betreiber dieser Seite ist der Verein „ETCD FreiZeitReiter Hessen Dillenburg“. Ansprechpartner ist Uwe Göbel, E-Mail: uwe.goebel@diefreizeitreiter.de, Rufnummer (01 71) 3 43 76 41.

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