Die Mitarbeiter Susanne Grünert (von links), Anja-Frieda Drescher-Parré und Berndt Porte sind auf dem von Jugendlichen des Jugendbildungswerks Hochtaunus bepflanzten Garten der Kulturen. Momentan ist er eher ein Blühstreifen, doch auch eine Gurke wächst schon.
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Die Mitarbeiter Susanne Grünert (von links), Anja-Frieda Drescher-Parré und Berndt Porte sind auf dem von Jugendlichen des Jugendbildungswerks Hochtaunus bepflanzten Garten der Kulturen. Momentan ist er eher ein Blühstreifen, doch auch eine Gurke wächst schon.

Umgang mit Corona-Krise

Jugendbildungswerk setzt auf digitale Jugendarbeit

Anja-Frieda Drescher-Parré und ihr Team geben Tipps bei den Hausaufgaben, beim Pflanzen züchten und sorgen für jede Menge Spaß im Netz für Kinder und Jugendliche.

Usingen - Etwas zugewachsen ist der Garten der Kulturen neben dem Jugendbildungswerk Hochtaunus (JBW) neben dem Usinger Bahnhof zurzeit. Doch auch mit dem Umstand, dass die Kinder und Jugendlichen wegen der Corona-Krise im Frühjahr kein eigenes Obst und Gemüse anbauen konnten, ist Anja-Frieda Drescher-Parré kreativ umgegangen: Der Garten der Kulturen ist jetzt eine Bienen- und Insektenwiese. Und in der Zwischenzeit haben die Kinder und Jugendlichen kleine Tütchen mit Überraschungs-Samen bekommen und diese mit Erfolg eingesät. Die Fotos davon haben sie ans JBW geschickt, sie wurden auf der Webseite hochgeladen. "Es ist toll, wie die Teilnehmer da dranbleiben", so Drescher-Parré.

"Dass alle geplanten Seminare im März, April und Mai ausgebucht waren, zeigt uns, dass sich die Kinder und Jugendlichen sehr auf die Workshops gefreut haben", sagt Drescher-Parré. Zu Beginn der Corona-Krise mussten sie und ihr Team sich überlegen, welche Angebote man nun digital machen und vor allen Dingen mit den Kindern und Jugendlichen in Kontakt bleiben kann. Heraus kam die Rubrik "#StayatHome" auf der Internetseite www.jugendbildungswerk-htk.de. Darunter finden sich nicht nur digitale Angebote zum Thema Sport und Do it yourself, sondern auch Tipps und Tricks zum Lernen. Und es werden Links, Aktionen, Infos und Youtube-Kanäle vorgeschlagen. JBW-Workshops wie die Kreative Schreibwerkstatt finden nun donnerstags in Form eines Webinars statt. Diesmal geht es in den Geschichten ums Thema Zeit. "Die Teilnehmer kommen abwechselnd zum Einsprechen zu uns, später soll daraus ein Hörbuch entstehen", freut sich die Webinar-Leiterin. Interessierte können sich weiterhin dazu anmelden.

Verunsichernde Fake News

Nicht nur Tipps fürs Schreiben, Kochen und Basteln - die "Corona-Auszeit" nutzte Drescher-Parré zum Ausmisten. Von Workshops übrig gebliebenes Material konnte man sich bei ihr abholen und Pinsel leihen. Aber auch die Aufklärung über Corona-Fake-News und Hilfe beim Homeschooling haben Frieda Parré sowie Bernd Porte und Paul Malzacher, Studenten im Anerkennungsjahr, entwickelt oder bereits bestehende Angebote verlinkt. "Die Fake News haben die Jugendlichen sehr verunsichert. Daher war es uns wichtig, dass wir schnell etwas einrichten." Nun können die Jugendlichen auf Angebote wie "Faktenfinder" oder "Fake News Check-App" zurückgreifen.

Einerseits haben die Jugendlichen ihr Wissen untereinander geteilt, zum Beispiel zeigen die Jugendgruppenleiterinnen Alina und Paulina, wie man sich selbst eine Gesichtsmaske näht. Und das sind nicht wenige, rund 460 Abonnenten stehen im Newsletter-Verteiler. Andererseits hat ihnen das JBW-Team geholfen. Dazu steht auf der Internetseite: "Wenn ihr direkte Unterstützung bei den Hausaufgaben oder in einem bestimmten Fach braucht, dann könnt ihr euch jederzeit bei Paul und Anja-Frieda melden, die euch dann gerne unterstützen (selbstverständlich kostenfrei)."

Sehr begeistert ist Drescher-Parré, die wie ihr Mann Vollzeit arbeitet und Kinder im schulpflichtigen Alter hat, von dem Online-Projekt "Corona School". Darauf bieten Studierende ehrenamtlich kostenfreie Lernunterstützung für Schüler an. Nach der Registrierung wird dem Schüler eine Eins-zu-eins-Betreuung mit Studierenden vermittelt. Mehr als 12 000 Schüler und über 9000 Studierende sind hier registriert. "Leider gibt es jetzt sehr lange Wartezeiten."

Viel Hilfe beim Homeschooling

Drescher-Parré hat hautnah mitbekommen, wie Kinder und Jugendliche die Corona-Zeit erlebt haben. "Einerseits genießen die Jugendlichen die Zeit, aber immer mehr vermissen ihre Freunde und sagen, dass es so viel schwerer ist zu lernen." Denn wie gut es mit dem Homeschooling klappe, hänge vor allen Dingen von den Lehrkräften ab, hat die JBW-Leiterin beobachtet. "Es gab Lehrer, die es ganz toll gemacht haben, und andere waren enttäuschend. Sie haben 30 Kopien geschickt und sich dann wochenlang nicht gemeldet oder sich wochenlang nicht gemeldet und danach ganz viele Hausaufgaben verteilt." Die Verteilung zwischen "sehr gut" und "Totalausfall" liege bei den Schulen bei 50/50.

Drescher-Parré und ihr Team betreiben seit März intensiv digitale Jugendarbeit, doch Schritt für Schritt kehrt auch wieder Leben ein im Bahnhofsgebäude. Zum Beispiel gab es - auf Wunsch der Jugendlichen - einen neuen Workshop am vergangenen Wochenende. Darin haben die Teilnehmer ihre eigenen Powerbanks gebaut, die zum Laden des Smartphones unterwegs gut sind und die mit Solarenergie betrieben werden. Paul Malzacher hat ihn geleitet.

Bald wieder angeboten werden eine Jugendgruppenleiterausbildung (20. Juni) sowie ein Zauberworkshop (19. Juli). Im Sommer soll außerdem wieder ein Lightpainting-Workshop stattfinden, kreativ Zeichnen mit Licht kann man auch gut im Freien. Weitere Infos und die Anmeldung sind möglich unter www.jugendbildungswerk-htk.de oder anja-frieda.parre@hochtaunuskreis.de.

Drescher-Parré bedauert es, dass die Laurentiuskerb ausfällt. Denn 2019 war auch das JBW mit einem Stand dort vertreten. Rund 100 Kinder nutzten das Angebot, eine vor Ort eingepflanzte Blumenzwiebel einzusetzen; insgesamt 400 Zwiebeln von Krokussen und Co. wurden verarbeitet. "Es war wirklich toll, und danach kamen auch zwei bis drei Jugendliche zu uns, die seitdem regelmäßig an unseren Veranstaltungen teilnehmen." Von Nina Fachinger

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