Die 19-jährige Praktikantin Catharina Bülling (l.) hilft Ortslandwirtin Miriam Preiß, Rinder auf die Weiden zu treiben.
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Die 19-jährige Praktikantin Catharina Bülling (l.) hilft Ortslandwirtin Miriam Preiß, Rinder auf die Weiden zu treiben.

Stockheimer Hof

Das Hofleben erkunden

  • VonMatthias Pieren
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„Hereinspaziert“ heißt es am kommenden Freitag auf dem Stockheimer Hof. Besucher können sich bei einer Führung über die heimische Landwirtschaft informieren. Der macht die Trockenheit zu schaffen.

Catharina ist ein echter Glücksfall. Die 19-jährige Praktikantin packt seit zweieinhalb Monaten bei Familie Preiß auf dem Stockheimer Hof mit an. Und das mit viel Elan, Tatkraft und Herz. „Im Herbst beginnt mein Studium der Agrarwissenschaften. Da ist es ganz wichtig, praktische Erfahrungen zu sammeln“, sagt Bülling, die selber nicht in einer Landwirtsfamilie aufgewachsen ist.

Vor zehn Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Reiten. Auf dem Pferdehof erwachte auch ihr Interesse an der Landwirtschaft, in der sie später auch arbeiten will. Um 9.30 Uhr sitzt Catharina gemeinsam mit Usingens Ortslandwirtin Miriam Preiß und deren Eltern am Küchentisch des Stockheimer Hofes bei einem zweiten Frühstück.

„Jetzt geht der Mai zu Ende, und es hat kaum geregnet. Ich erinnere mich an 1976, als es von Mai bis in den Juli fast keine Niederschläge gab“, sagt Landwirt Helmut Preiß. „Damals mussten wir die Kühe sogar auf Brachland weiden lassen, und wir haben bereits im Sommer die im Silo eingelagerte Grassilage angebrochen, die eigentlich für den Winter gedacht war.“ Ob es so kritisch wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt freilich noch völlig offen. Doch die Folgen der Trockenheit sind deutlich bei der ersten Mahd zu erkennen, die tags zuvor auf den Wiesen eingebracht wurde.

Große Maschinen vom Neu-Anspacher Hubertushof hatten die 47 Hektar Grünland in Windeseile geschnitten. „Das Wasser hat gefehlt. Vom Volumen und Ertrag war die erste Mahd deutlich schwächer als in den Vorjahren“, bilanziert Landwirtin Preiß

Der erste Grasschnitt sei besonders gehaltvoll, weil das Gras noch jung und noch nicht abgeblüht ist. Der eiweiß- und energiereiche Schnitt sei besonders für Milchkühe wertvoll. Milch wird im Stockheimer Hof nicht mehr produziert. Vor wenigen Jahren hatte sich die Ortslandwirtin entschieden, sich von den Milchkühen zu trennen und den Hof auf Rinderaufzucht umzustellen.

Seither beherbergt sie im Auftrag von großen Rinderzuchtbetrieben fast 100 Jungrinder. 28 sind Tag und Nacht auf der Weide, 28 bleiben im Stall, und der Rest wird morgens auf umliegende Wiesen getrieben und abends wieder hereingeholt.

„Die Rinder sind zwar noch jung, doch fressen sie ganz schön was weg“, sagt Brigitte Preiß und lacht. „In guten Jahren bleibt von der Silage am Ende noch was übrig. In trockenen Jahren müssen wir notfalls Futter zukaufen. Wenn es im Juni kräftig regnet, kann der zweite Schnitt richtig ertragreich werden. Man muss es nehmen wie es kommt.“

Wer mehr über die heimische Landwirtschaft erfahren möchte, kann dies am kommenden Freitag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Hereinspaziert“ vom Amt für den ländlichen Raum tun. Dann lädt auch Usingens Ortslandwirtin Miriam Preiß für 15 Uhr zu einer zweistündigen Führung in ihrem Betrieb ein. Weil die Plätze begrenzt sind, ist eine telefonische Anmeldung unter (0 60 81) 23 77 nötig.

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