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Der Eichenstamm aus dem Neuweilnauer Schloss stammt aus dem Geburtsjahr von Galileo Galilei, das hat Matthias Schmidt zu einem Kunstwerk inspiriert.

Kunstwerk

Holzgestalter hat Eichenbalken aus Schloss Neuweilnau bearbeitet

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„Galileo und der Nagelschmied vom Weiltal“, nennt der Arnoldshainer Holzgestalter Matthias Schmidt eines seiner jüngsten Kunstwerke. Damit verbindet er die Handwerkstradition im Weiltal mit der Weltgeschichte. Gleichzeitig knüpft er an die Lokalgeschichte an. Denn bearbeitet hat er einen alten Eichenbalken aus dem Neuweilnauer Schloss. Die Skulptur steht nun im Trauzimmer des Schlosses.

Aus einem über 450 Jahre alten Holzbalken eine Skulptur zu machen, die das neuzeitliche heliozentrische Weltbild symbolisiert, darauf muss man erst mal kommen. Als Holzgestalter Matthias Schmidt aus Arnoldshain ein aus dem Torhaus des Neuweilnauer Schlosses gerettetes Balkenstück inklusive Nägeln angeboten bekam war für ihn klar: „Das Teil nehme ich“. Was daraus werden sollte, wusste er damals noch nicht.

Als Erstes hat er den halb angefaulten Balken, der bei Renovierungsarbeiten ausgetauscht worden war, sauber gemacht und den weiteren Verfall gestoppt. Dazu hat er nur die von zerstörenden Pilzen stark angegriffenen Teile entfernt, den Rest gründlich gebürstet. Übrig blieb ein 1,80 Meter langes Holzstück, mit einem großen Astansatz und den Originalnägeln.

„Ich habe das Ding immer wieder angeguckt, aber es hat mir nichts gesagt“, erzählt der Arnoldshainer. Das im ganzen Weiltal verbreitete Nagelschmiedehandwerk war ihm als Idee für eine Skulptur nicht genug. Er wusste, das Torhaus wurde 1566 fertiggestellt und laut Chronik stammte die erste Holzkonstruktion aus dem Jahr 1564. Schmidt hat dann einfach nachgelesen was in diesem Jahr alles passiert ist.

Das Geburtsjahr von Galileo Galilei setzte dann die Fantasie des Holzgestalters in Gang. Wie Schuppen fiel es ihm von den Augen: „Der Ast konnte nur die Sonne, der Mittelpunkt des heliozentrischen Weltbildes sein“. Mit seinen astronomischen Forschungen hatte Galilei die aus der Antike bekannten und von Nikolaus Kopernikus ausgearbeiteten Vorstellungen von der Sonne als

Mittelpunkt des Universums

belegt.

Dass die katholische Kirche Galilei deswegen verurteilte und das erst 1992 widerrief, machte für Schmidt die Beschäftigung mit diesem Thema noch interessanter. Im Erzgebirge geboren hat Schmidt sich in seiner alten Heimat im Lutherjahr an einem Kunstwettbewerb beteiligt. Er gehörte zu 70 von 380 Bewerbern, die ihre Arbeit zum Thema Reformation ausstellen durften. Der überdimensionale Holznagel, den er dafür geschaffen hat, ist für den Arnoldshainer ein wichtiges christliches Symbol.

Nägel haben für ihn aber auch als ältestes Verbindungselement eine besondere Bedeutung. Die Nägel im Balken aus dem Neuweilnauer Schloss stellen für ihn eine Verknüpfung dar zwischen der Jahrhunderte alten Nagelschmiedetradition und der Weltgeschichte. Über die Umsetzung musste er nicht lange nachdenken.

Das Holz hat er zunächst mit dunkelbrauner, fast schwarzer Metallbeize, behandelt. „Das Holz sieht dann aus wie verkohlt, bekommt aber je nach Lichteinfall einen bläulichen Schimmer, wie der Nachthimmel“, so Schmidt. Den Ast hat er als Sonne mit Goldfarbe bemalt. Drumherum befinden sich, ebenfalls in Gold drei Planetenbahnen, die von Venus und Mars und von der Erde mit dem kleinen Mond.

Die überlieferte Unterschrift, die Galileo Galilei auf Dokumenten verwendet hat, hat Schmidt vergrößert. Sie ziert in Goldschrift zusammen mit dem Geburtsjahr den oberen Teil des Werkes. Hierfür hat er vor dem Beizen eine gleichmäßige Projektionsfläche geschaffen. Der Rest ist im Originalzustand mit Rissen im Holz und der typischen Maserung. Der große Nagel blieb wo er war, „verrostet wie er war.“ Mehrere kleine Nägel hat Schmidt nicht weggeworfen, sondern vergoldet und als Nagelnest in ein Zapfenloch geklebt.

Auf einer stabilen Metallplatte befestigt steht die Skulptur im Trauzimmer des Neuweilnauer Schlosses. Dort soll sie auch bleiben und kann nicht nur von Brautpaaren bewundert werden. Auch interessierte Besucher können im Bürgerbüro der Gemeinde Weilrod nachfragen, wann der Raum zugänglich ist. Es habe zwar einen Kaufinteressenten gegeben, verrät Schmidt, sagt aber: „Der Balken stammt von hier und die Skulptur gehört hierhin.“ Er geht davon aus: „Wenn die Skulptur im Trockenen steht, hält sie noch 500 Jahre.“

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