Carolin Pfaff (rechts) begleitet Ralf Dienstbach nicht oft bei Markierungstouren - doch wenn es in ihren Zeitplan passt, ist sie auch mit viel Freude unterwegs.
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Carolin Pfaff (rechts) begleitet Ralf Dienstbach nicht oft bei Markierungstouren - doch wenn es in ihren Zeitplan passt, ist sie auch mit viel Freude unterwegs.

Naturpark-Mitarbeiter im Usinger Land haben abwechslungsreichen Job

Hüter der Wanderwege

  • Nina Fachinger
    VonNina Fachinger
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Ralf Dienstbach markiert seit 29 Jahren Rundtouren im Naturpark Taunus

Gut gelaunt steigt Ralf Dienstbach (63) am Dienstagvormittag kurz vor halb zehn aus seinem Auto - vor knapp zwei Stunden hat seinen Außendienst für den Arbeitgeber, der Naturpark Taunus begonnen. Er arbeitet seit 29 Jahren beim Naturpark und nimmt mich - wenige Monate vor dem Eintritt in den Ruhestand - mit bei seinem Arbeitseinsatz unweit von Eschbach. Wir werden den barrierefreien Wanderweg zusammen abgehen und nach dem Rechten sehen. Vor allen Dingen kommt es darauf an, dass wir an allen Wegekreuzungen das Fichtensymbol sehen können, das den 3,5 Kilometer langen Wanderweg weist. Am Treffpunkt, der Parkplatz Eschbacher Klippen, kommt auch Carolin Pfaff (27), stellvertretende Geschäftsstellenleiterin des Naturparks dazu.

Schon als wir uns zusammen die Infotafel anschauen, geht es um das Thema, das den beiden Naturpark-Mitarbeitern besonders unter den Nägeln brennt, der Müll. "Ich war gestern auf dem Feldberg, das war eine Katastrophe", sagt Dienstbach und zeigt ein Foto. Zu sehen ist eine überquellende Mülltonne, auf dem Weg und auf der Wiese wurden Plastikbecher, Flaschen, Bananenschalen und Verpackungen von Süßigkeiten verteilt. "So viel Müll gab's früher nicht", so Dienstbach - später wird er mich aufklären, dass in den zwei Stunden vor unserem Treffens bereits 80 Kilogramm Müll eingesammelt hat - 380 Kilogramm Müll waren es am Tag zuvor. Darunter war auch "eine halbe Wohnung", die jemand illegal auf einem Parkplatz bei Hofheim entsorgt hatte.

Corona-Lockdown verschärft Müll-Problem

Solche riesigen Müllmengen haben aber schon vor Corona dazu geführt, dass Dienstbach zwei Mal pro Woche Müll auf die Deponie fährt. In seinen frühen Dienstjahren war es eine Tour pro Woche. "Es sind vor allem die Parkplätze betroffen. Die Menge an Einwegverpackungen und Einwegmasken, aber auch Plastikbechern hat zugenommen", ergänzt Carolin Pfaff. Die Schließung von Deponien und Wertstoffhöfen habe der Naturpark extrem gemerkt.

Die Parkplätze auf dem Großen Feldberg werden alle zwei Wochen kontrolliert/entmüllt. Es gibt auch Parkplätze die wegen den exorbitanten illegalen Müllmengen zurückgebaut wurden, der Waldparkplatz am Opel-Zoo gehört dazu. "Wenn ich dort war, war der ganze Pritschenwagen voll", erinnert sich der dienstälteste Außendienstmitarbeiter.

Doch die zwei Wanderparkplätze Eschbacher Klippen sind ziemlich sauber. Nur das Gras am Rand der geschotterten Flächen ist zu hoch, dem geht es später noch an den Kragen, kündigt Dienstbach an. Denn es bestünde die Gefahr, dass zwischen dem Gras kleine Bäumchen wachsen, die Autos beschädigen könnten. Ein Teil des Werkzeugs für den täglichen Bedarf hat er im VW-Bus dabei, anderes Werkzeug wird geliehen. Im VW hat er auch den Vorrat an Wegweisern, von denen er eine gute Handvoll zusammen mit einem Hammer und Nägeln einsteckt. Los geht's.

Es ist relativ ruhig im Wald, "die Vögel singen seit einer Woche nicht mehr - es wird ein früher Herbst", sagt Dienstbach. Wir sind noch keine 50 Meter gelaufen, da bleibt er schon stehen und schlägt ein erstes Schild mit grüner Fichte auf weißem Grund in einen Baumstamm. Die beiden Nägel oben und unten stehen jeweils noch einige Zentimeter über, denn der Wegweiser "wächst in die Breite mit".

Nach etwa 500 Metern erscheint rechter Hand eine Felsformation; aber die Eschbacher Klippen sind doch nicht direkt am Wanderweg, glauben wir drei zu wissen, wie heißen diese Felsen denn nun? Erst nach unserer Wanderung finde ich es mit Hilfe des Online-Wanderführers unter naturpark-taunus.de/wanderfuehrer heraus: Es handelt sich um den Fels Saienstein, der durchaus zu den Eschbacher Klippen gehört, aber: "Im Gegensatz zu dem vielbesuchten Buchstein wird der Saienstein von Kletterern und Besuchern wenig wahrgenommen. Die Gründe dafür sind wohl die wenigen Kletterwege, der Bewuchs und die starke Neigung auf der Südseite", steht nicht direkt im Wanderführer, sondern auf der Internetseite felsinfo.alpenverein.de.

Dienstbach ist in seinem Job viel zu Fuß unterwegs und wandert auch in der Freizeit in den Dolomiten. Dazu kommen Mäharbeiten und natürlich muss er auch immer mal wieder Äste mit der Motorsäge aus dem Weg räumen. Die Strecken zwischen den Arbeitseinsätzen legt er mit dem Auto zurück. 135 000 Hektar ist das Naturpark-Gebiet groß, dazu kommen 1000 Kilometer Wanderwege. Jetzt, wo drei der sechs Außendienstmitarbeiter im Urlaub sind, hat Dienstbach alle Hände voll zu tun.

Eine bunte Vielfalt an Wegweisern

Während des ersten Kilometers der Wanderung erzählt Dienstbach von sich. Er ist gelernter Landwirt, hat dann viele Jahre beim Vater in dessen Holzrücke-Unternehmen gearbeitet, bevor er zum Naturpark kam. "Für den Außendienst braucht man keine spezielle Ausbildung", sagt Pfaff, die selbst Försterin ist.

Wir sind schon einige Zeit unterwegs, als Dienstbach stehen bleibt und einige Brennnesseln platt macht - so kommt der Wegweiser dahinter wieder zum Vorschein. Immer mal wieder tauchen Infotafeln auf, die von Vereinen oder anderen Akteuren in Absprache mit dem Flächeneigentümer aufgestellt wurden, sagt Pfaff. „Wir haben keinen Quadratmeter Fläche im Naturpark Taunus, uns gehört nur das Taunus-Informationszentrum in Oberursel“, erläutert Pfaff.

Das Metallschild für den barrierefreien Rundweg ist natürlich nicht das einzige - an einer Kreuzung, an der auch Holzkunst zu bewundern ist, hängt auch ein Schild für den Hugenotten- und Waldenserpfad (geschwungener grüner Strich, darüber ein blauer Kreis). Der Weg in Deutschland hat entlang der Haupttrasse eine Länge von rund 1200 Kilometer, "einen Teil des Weges habe ich mit beschildert", sagt Dienstbach. Doch noch häufiger als solche länderübergreifenden Wegweiser, sehen wir auf die Schilder des Taunusklubs - "das sind immer grafische Symbole und anders als die Naturpark-Angebote weisen sie keine Rundwanderwege, sondern Etappen aus", sagt Pfaff.

Rentnerclub gibt Unterschlupf

"Wege beschildern ist meine Lieblingsbeschäftigung", sagt Dienstbach, während ich die bunten Blumen an Wegrand bewundere. Nun erreichen wir eine Hütte, die der Rentnerclub Eschbach gebaut hat. Es ist eine von zwei Hütten entlang der Strecke, insbesondere die zweite am Ende des Rundweges ist sehr liebevoll eingerichtet worden, auf den Bänken liegen sogar Polster und rund um den Mittelbalken der Hütte wurde ein Tisch gezimmert. Es bleibt im Wald nicht aus, dass wir an einer Kahlfläche vorbeikommen - im Vergleich dazu sehe ich einige Flächen, auf denen junge Bäumchen, zum Beispiel Edellaubholz, wachsen.

Viele Metallschilder und Nägel später, ist am Horizont auch wieder der Parkplatz oberhalb von Eschbach zu sehen. Hier verabschiede ich mich von Ralf Dienstbach, der an diesem Tag noch vier Parkplätze und die Wassertretanlage in Bad Camberg reinigen will.

Pfaff und ich fahren weiter zum Naturlehrpfad Wildschweinroute, die am Sportplatz in Hausen-Arnsbach startet und die sie mir noch im Schnelldurchlauf (mit dem Auto) zeigen wird. Die Wildschweinroute ist einer von vielen Wanderwegen, die von Wanderweg-Paten ehrenamtlich betreut werden. Sehr engagierte Paten gibt es auch für den Vogellehrpfad in Friedrichsdorf oder den Waldlehrpfad Bremthal in Eppstein, so Pfaff. "Sie melden Schäden, haben neue Ideen für Schilder und Stationen". Ihr Engagement - meistens sind es Rentner - sei "total wichtig und hilfreich".

Lehrpfade wie die Wildschweinroute würden an den Wochenenden von Familien regelrecht überrannt, gehören nicht nur spannende interaktive Stationen, sondern seit kurzem auch ein kindgerechtes Online-Quiz mit 15 Fragen dazu (wildschweinroute.de). Die entsprechenden QR-Codes befinden sich auf den Infotafeln entlang der Route. "Der Weg bietet eine schöne Abwechslung aus Feld, Wald und Wiese", sagt Pfaff. Dem kann ich mich anschließen.

Wald macht Musik: Das Holzxylophon ist eine Station am Naturerlebnis-pfad Wildschweinroute für Familien und Kinder in Hausen-Arnsbach.

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