Knapp ein Jahr Verspätung: Die Hugenottenkirche ist nun wieder ein echtes Schmuckstück, auch wenn sie bereits 2017 fertig werden sollte. Die „kleine“ Abnahme gab’s gestern mit (von links) Bürgermeister Steffen Wernard, Architekt Dirk Schlösser, Hartmut Knöss (alle im Hubwagen) sowie Suat Dirk, Marco Fritz und Kai Nickolai.

Weizengrau und hellbeige

Hugenottenkirche ist nach zwei Jahren "Trocknungszeit" wieder ein Schmuckstück

  • schließen

Ein bisschen gut zureden musste man dem Bürgermeister gestern schon. Aber dann stieg Steffen Wernard doch in den Korb und ließ sich in luftige Höhen hieven. Grund war die Fertigstellung der Hugenottenkirchen-Sanierung. Mit etwas Verspätung.

„Die Firmen habe richtig gute Arbeit geleistet. Und wir sind im Zeitplan. Fast“, schmunzelte gestern der Usinger Bürgermeister Steffen Wernard, der zur Besichtigungstour der außen neu gestalteten Hugenottenkirche geladen hatte. Eigentlich begannen die Arbeiten bereits 2016 und sollten 2017 beendet sein. Aber mannigfaltige andere Projekte und Fristen bei Zuschussanträgen haben das ganze geschoben. „Und dem Sockel hat es gut getan, zwei Jahre austrocknen zu können“, betonte Stadt-Architekt Dirk Schlösser.

Schlösser ist gute Hoffnung, dass Putz und Farbe nun länger als eine handvoll Jahre halten. Der bisherige „Opferputz“ hätte alle fünf Jahre erneuert werden müssen – weshalb er auch so heißt –, denn die Kirche ist feucht, die Nässe muss raus. Nun aber soll die Sanierung zehn Jahre halten, neue Materialien machen es möglich.

Vorne blitzt die Hugenottenkirche schon, hinten ist noch einiges zu tun. Gestern stemmten Mitarbeiter von Dirik-Bau noch den Boden auf für ein Treppenfundament. Ein neuer Handlauf kommt auch noch an die Rampe dran. Die ist übrigens ein sehr ungeliebtes Kind: „Als die Kirche vor über 30 Jahren saniert wurde, wäre besser gewesen, eine Metallkonstruktion mit etwas Abstand zur Wand anzubringen. So aber steigt die Feuchtigkeit hinter der Rampe immer wieder hoch.“

Die neue Farbe ist Gewohnheits-bedürftig. Aber der Denkmalschutz hatte Archive bemüht und herausgefunden, dass die Fensterrahmen und der Sims 1703 nicht rot waren. Nun sind sie „weizengrau“, die Fassade selbst hell-beige. Neue Türen gab’s auch gleich noch, die alten hatten Rostfraß.

Schadhafte Sandsteine um Tür und Fenster sind ausgebessert, teils mit Metallklammern verstärkt. Ein große Riss hatte sich quer über die Fassade und durch den Sandstein gezogen. Die ganze Sanierung kostet rund 150 000 Euro.

Rückblick

Gebaut wurde die Hugenottenkirche um 1700 vom Baumeister Benedikt Burtscher als Gotteshaus für die französischen Glaubensflüchtlinge, der Grundstein wurde am 9. August 1700 gelegt. 1817 wurde sie als Kirche überflüssig. Sie diente dann als Schule, bis sie nach einer Komplett-Sanierung und Entkernung 1990/91 zur Stadtbücherei wurde.

Der als Kirche gedachte Bau sollte den französischen Calvinisten, die ab 1685 Frankreich verlassen mussten, für ihre Gottesdienste dienen. Spannend: Der Friedhof der reformierten Usinger Gemeinde lag einst hinter der Hugenottenkirche unter den heutigen Parkplätzen, wie Stadthistoriker Frank Saltenberger in einem Bericht feststellte. Den hinteren Eingang gab es damals noch nicht. Schätzungsweise fanden hier rund 350 Gemeindemitglieder ihre letzte Ruhe. Wie der Friedhof angelegt war und wer namentlich dort bestattet wurde, ist bisher nicht bekannt beziehungsweise erforscht. Über die Bestattungen im Inneren allerdings ist weit mehr bekannt.

Gräber verlegt

Die Kirche selbst war schlicht ausgestattet, denn auch für die Calvinisten bestand ein Bilderverbot. Im Jahre 1727 verstarb die erste Ehrendame der Fürstin Maria Magdalena von Donop und wurde „rechter Hand unter dem untersten Weiberstuhl, da man aus dem Gang in die Kirche eingehet“ beigesetzt, wie Saltenberger entdeckte.

Auch einige weitere Bestattungen in der Kirche sind bekannt: 1740 Johann August Tillemann, Regierungsrat, 1743 Maria Clara Arnsdorff, „lag unter der Orgel“, 1719 Sophia Elisabetha von Donop, 1721 Gottfried Christoph von und zu Lehrbach, „ober dem Tisch“, 1768 Theodore Louise von Donop „unter dem Altar“.

Im Jahre 1733 verstarb die Schwester der Fürstin Charlotte Amalie: Sophie Auguste Fürstin zu Anhalt und geborene Prinzessin aus dem calvinistischen Haus Nassau-Dillenburg. Für sie wurde eine neue Gruft an der Außenseite der Kirche angebaut. Die Gruft wurde 1808 wegen Baufälligkeit abgetragen und der Leichnam in die Gruft der Laurentiuskirche überführt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare