+
Rainer Schlottstädt, Matthias Schlottstädt, Thomas Jedamzik, Ruth Krabbe und Klaus Lohrer (von links) ließen ihre Fagotte im übertragenen Sinn tanzen.

Tanzmusik vom Fagott-Orcheste

Ein humoreskes Wunderinstrument

  • schließen

Tanzmusik vom Fagott-Orchester: Das Gürzenich-Fagottquintett verlieh dem Musikfest im Taunus eine karnevalistische Note.

„Der Gürzenich“ – für alle Nicht-Kölner: ein Festsaal – ist als Karnevalshochburg in der Kölner Altstadt berühmt, aber der Name Gürzenich steht nicht nur für Narrenfeste, sondern auch für anspruchsvolle Chor- und Orchestermusik. Das Gürzenich-Fagottquintett ist ein Ensemble des Gürzenich Orchesters Köln und besteht bereits schon seit rund 30 Jahren.

Da wurde es Zeit, dass es auch einmal im Usinger Land zu hören ist, und das war es jetzt im Rahmen des Musikfestes im Taunus – „Allegro“ – am Sonntagabend. Wenn man den Gürzenich im Namen führt, scheint man allerdings auch dem Humor verpflichtet. „Wir haben uns etwas ganz anderes vorgestellt, wir dachten es gibt klassische Musik“, sagte eine Konzertbesucherin und strahlte dabei. Es habe ihr fantastisch gefallen, zeigte sie doch nicht die Spur einer Enttäuschung.

„Dancing Bassoons“ hieß das Konzert in der evangelischen Kirche, die gut gefüllt war, als die Holzblasinstrumente erklangen.

In Kammerorchestern haben Fagotte eine wichtige Funktion, gehören aber sicher nicht zu den konzertanten Soloinstrument par excellence. Etwas Humoreskes haben sie zweifellos an sich und das passte ja wieder zu Gürzenich. Diesen Schuh zieht sich das Ensemble auch gerne an, denn ganz im Stile eines Büttenvortrags reimte die Moderatorin und Sopranistin Heike Wagner die Ansagen zwischendurch: „Jetzt hören wir drei Stücke, für Fagott nicht ohne Tücke . . .“, dichtete sie.

Beim ersten Stück wähnte sich der eine oder andere vielleicht im Zirkus, denn dort ist der „Einzug der Gladiatoren“ von Julius Fucík nicht wegzudenken, und welcher Clown ist noch nicht zur dieser Musik in die Manege eingezogen sind. Humorvoll ja, aber dennoch ohne Klamauk war das Konzert gespickt und offenbarte das Fagott als wahres Wunderinstrument. Fünf davon, einschließlich des Kontrafagotts waren zu hören und sie klangen bisweilen wie ein ganzes Orchester, genauer gesagt wie ein Tanzorchester. Die Harmonie der Stimmen und ihre Klangfarben erinnerten an den Sound der 1920er und 30er Jahre. Und aus der Grammophon-Ära hatten die „Fünf plus Sängerin“ einiges im Repertoire, beispielsweise den „Kleinen grünen Kaktus“, weltbekannt durch die Comedian Harmonists. Auch Polka und Swing klangen wie aus dem „Schellacktrichter“, und manchmal klangen die Fagotte auch wie der Saxophonsatz aus einem Tanzorchester der ersten Nachkriegszeit: „Wochenend’ und Sonnenschein“ war einer der großen Hits aus den 30ern – und der wurde von Wagner mit „Fagott-Orchester-Begleitung“ vorgetragen.

Wiener Schmäh war auch ein Thema, das mit Stücken von Fritz Kreisler und Unterstützung von Ursula Berg an der Violine illustriert wurde. Bei einem Tango stand sie ebenfalls vor den Bläsern. Die hatten derweil noch viele tanzbare Stücke auf Lager: „Ich hätt’ getanzt heut’ Nacht“ sang Wagner auch ein Operetten-Medley, und die Zuhörer bekamen sicher auch Lust aufs Tanzen, zumindest hätten sie, das zeigte der langanhaltende Applaus, sicherlich die ganze Nacht noch gerne zugehört. Aber wie die „Gladiatoren“ glorreich das Fagott-Konzert eröffneten, so beendete die „Heinzelmännchens Wachtparade“ es doch gnadenlos, das heißt: zwei Zugaben gab es doch noch. Was die Zuhörer freute.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare