Bürgermeister Steffen Wernard will im Februar wieder kandidieren und hat noch große Pläne für "sein" geliebtes Usingen.
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Bürgermeister Steffen Wernard will im Februar wieder kandidieren und hat noch große Pläne für "sein" geliebtes Usingen.

Usingens Rathauschef Steffen Wernard tritt wieder an

"Ich will Bürgermeister bleiben, nicht werden"

  • VonAndreas Burger
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Planungen auf den Weg gebracht, jetzt geht es an die UmsetzungIm kommenden Februar sind Bürgermeisterwahlen. Und ein Kandidat steht schon mal fest: der Amtsinhaber Steffen Wernard (CDU). Was ihn antreibt, wieder anzutreten, darüber sprach er mit Redakteur Andreas Burger.

Im nächsten Jahr sind Wahlen - und Sie wollen wieder antreten und Bürgermeister werden?

(schmunzelt) Bleiben, nicht werden.

Was bedeutet, es ist noch nicht "schön" genug, denn dann soll man ja bekanntlich aufhören. . .

. . . .nein, dafür habe ich noch zu viele Ziele für Usingen. Und es mag unbescheiden klingen: Das Rathausteam und ich haben in den vergangenen zwei Amtsperioden ordentlich etwas erreicht für die Stadt und die Bürger.

Mit einer stabilen Mehrheit im Rücken ist auch gut arbeiten, denke ich.

Natürlich benötigt man politisch Stabilität, und das hatten wir in den letzten Jahren zuerst mit der CDU und FWG und nun auch mit der SPD.

Große Ziele für Usingen hört sich hochtrabend an?

In den vergangenen Jahren sind sehr viele Themen auf den Weg gebracht worden, die in den nächsten 5 Jahren zum Tragen kommen. Was bedeutet: Wir müssen seitens der Verwaltung und der Politik noch einmal richtig ran. Ich denke an das große Baugebiet auf dem alten Klinik- und Schulareal, die geplanten Wohngebiete in Eschbach und Merzhausen, die Sanierung des Feuerwehrstützpunktes, an den Umbau der Innenstadt mit zuerst der Scheunengasse, der Bahnhofstraße, später Obergasse, Rathaus- und Schlossplatz. Die Liste ist sehr lang, ein Rad greift ins andere.

Und nicht zu vergessen die Nordostumgehung, deren Realisierung inzwischen von sehr vielen Bürgern generell in Frage gestellt wird, denn so richtig geht es ja in der Sache nicht voran.

Dann wird mancher nach den Ferien überrascht sein, denn dann gibt's Neuigkeiten.

Baubeginn?

(lacht) Nein, aber wie gesagt: Nach den Ferien, denn manches muss noch geklärt werden.

Ein kleiner Hinweis?

(lacht erneut) Es geht um die Umgehung.

Gut, wechseln wir das Thema. Mit dem S-Bahnanschluss wird das Usinger Land deutlich aufgewertet. Welche Auswirkungen erwarten Sie?

An erster Stelle, dass die Stadt als Wohnort noch attraktiver wird. Für den Fall sind wir gut aufgestellt, denn die neue Wohnbebauung, der Innenstadtumbau, die Infrastruktur - alles weist auf ein stetiges Wachstum hin, welches wir gut verkraften können. Mein großer Wunsch ist es, als Bürgermeister diese positive Stadtentwicklung weiter zu gestalten.

Was reizt eigentlich jemanden an diesem Job, der ja nicht immer vergnügungssteuerpflichtig ist?

Meistens doch. Auch ich habe lernen müssen, mit der Ungeduld umzugehen, sich nicht immer über alles aufzuregen, zeit als Faktor sehen nichts als Stress. Gerade in Verwaltungsangelegenheiten gehen die Uhren durch die zahlreichen Vorgaben und Gesetze langsamer. Das muss man und das kann man lernen. Was mich reizt? Die Vielfalt. Ich habe auch in der Verwaltung klein angefangen, dann hat man seinen begrenzten Bereich, für den man zuständig ist. Aber als Bürgermeister ist man für alles und jedes Thema zuständig, fürs Personal verantwortlich, für den großen Etat und Ansprechpartner der Bürger. Nicht zu vergessen die Mitarbeit in vielen übergeordneten Gremien.

Hat sich die Familie an "Papa nicht an de portas" gewöhnt?

Zum einen sind unsere Kinder inzwischen im Alter, in dem Erwachsene eher stören (schmunzelt). Und wenn möglich begleitet mich meine Frau auf viele Termine, die ich als Bürgermeister wahrnehme. Wir haben also Zeit füreinander.

Vielleicht auch, der Seitenhieb sei erlaubt, weil Sie nicht in Usingen wohnen?

Und das bleibt auch so. Aus zwei Gründen. Wir hatten bereits unser Haus in Weinbach gebaut, bevor ich Bürgermeister in Usingen wurde, welches nun die Heimat unserer Kinder ist. Zweitens tut ein bisschen Abstand auch auf Dauer gut. Ich kann schon auf dem Nachhauseweg abschalten, bin aber in dringenden Fällen immer für die Bürger erreichbar. Und wenn's brennt auch am Wochenende. Aber meine Familie und ich genießen beim Hof-kehren, Einkaufen oder Spazierengehen auch einmal unser Privatleben, was mir und vor allem der Familie gut tut.

Was aber nicht alle Bürger erfreut.

Die Debatte um den Wohnsitz wird schon lange nicht mehr geführt. Ich bin in Usingen geboren und durch meinen Job, meine Kindheit und Ausbildungszeit, meine Vereinszugehörigkeiten in Usingen fest verwurzelt und habe damit eigentlich auch ein Usinger Leben. Ich bin doch die meiste Zeit hier vor Ort in der Stadt.

2020 und auch 2021 dürften bei allen Rathauschefs - unter vielen anderen - in die Geschichte eingehen, denn die Pandemie hat alle Abläufe auf den Kopf gestellt.

Nicht nur die Abläufe, auch alle Bürgerinnen und Bürger sowie das gesamte Rathaus-Team. Viele von uns waren zum einen persönlich von Covid 19 betroffen, zum andern wurden Menschen arbeitslos oder gerieten in Kurzarbeit, Existenzen standen und stehen auf dem Spiel. Wir haben im Rathaus getan, was getan werden konnte - vor allem durch eine schnelle und umfassend informierende Homepage, Hilfe für den Handel und auch Unterstützung bei Einzelschicksalen. Mir persönlich hat am meisten der Kontakt zu den Bürgern gefehlt - etwa bei Festen, Jubiläen, goldenen Hochzeiten oder Geburtstagen. Ja: Die beiden Jahre werden uns allen noch lange in den Knochen stecken. Aber die Pandemie hat auch gezeigt, dass zum einen nicht immer alles so läuft wie man will, zum anderen, dass die Menschen in der Not zusammenstehen, sich helfen und plötzlich die Gartentürchen öffnen. Was hier im Taunus an Initiativen entstanden sind, ist aller Ehre wert.

Wenn man Ihnen zuhört, könnte man glauben, Sie wären schon 30 Jahre Bürgermeister. . .

. . . was sich für mich auch so anfühlt. Die letzten elf Jahre sind rasend vergangen. Ich habe manchmal das Gefühl, als wäre die letzte Wahl gestern gewesen.

Schauen wir nach vorne. Wenn der Bürger Sie noch mal will: Was sind die nächsten Pläne?

Wir müssen nun den letzten Schritt in die Digitalisierung der Verwaltung unternehmen und sind da auf einem guten Weg und vielen anderen Kommunen weit voraus. Und ich möchte auch neue Kommunikationswege mit dem Bürger einschlagen, deshalb wurde auch in der Wirtschaftsförderung eine neue Stelle geschaffen, die diese beiden Bereich verknüpfen soll. Wir müssen die Interkommunale Zusammenarbeit im Auge behalten . . .

. . . gibt es neue Pläne?

Nein, wir wollen in den Rathäusern nun erst einmal die erledigten Kooperationen im Alltag einbringen. Erst dann könnte Neues geplant werden. Aber davon abgesehen sind die Feuerwehren in diesem Bereich sehr aktiv und haben schon viele Kooperationen beschlossen. Aber wir werden natürlich schauen, wo die IKZ noch Vorteile hat und Kosten senken kann.

Sie haben die Kommunikation via Digitalisierung ins Auge gefasst. Das muss nicht nur ein Segen sein. Denn bei einem Brief hat man sich Gedanken gemacht, heute sind viele Mails, sagen wir, nicht sehr tiefschürfend verfasst. . .

. . . ein Punkt, der mir auch immer wieder auffällt. Was dann auch dazu führt, dass Menschen, die ein Anliegen haben viel schneller ungeduldig werden nach dem Motto "Ich habe Ihnen doch heute morgen geschrieben". Bei Briefen wusste man, dass der Laufzeiten hatte, der Geduldsfaden war länger. Wir bekommen in der Verwaltung oft zu spüren, dass die Zeiten schneller geworden sind - oder bei manchen Bürgern schneller sein müssen.

Ist das auch ein Versuch, den Bürger generell zu erreichen? Denn viele kümmern sich nur noch um die eigenen vier Wände und eigene Interessen und werden erst dann wach, wenn der Bagger für eine neue Straße anrollt, von der sie durch ihre geschlossenen Türen nicht mitbekommen haben.

Wir können wir den Bürger erreichen? Wenn ich darauf eine Antwort hätte. Ja, die Digitalisierung der Kommunikation kann ein Weg sein - aber wer keine Mails lesen will. . . Unser Newsletter ist erfolgreich - aber erreicht erst 1000 Nutzer.

Wann startet der Wahlkampf?

Spät, denke ich. Denn vor Weihnachten und Neujahr wird sich sicher nicht viel tun, und noch hat sich auch kein Gegenkandidat gemeldet - wofür ja noch lange Zeit ist. Ich denke, dass ich nach Neujahr den Wahlkampf intensiv betreibe.

Gibt es einen Wunsch, den sie in die mögliche neue Amtsperiode mitnehmen?

Ganz klar Gesundheit. Meine Familie und ich haben am eigenen Leib Corona erlebt - nein danke. Gesundheit ist das wichtigste - erst dann reden wir über andere Themen.

Nur noch ein Nachfrage: Sie haben in der Jahreshauptversammlung des Gewerbevereins mit einer Art Brandrede mit dafür gesorgt, dass der Vorstand neu ist. Wie kam es dazu?

In erster Linie aus dem einfachen Grund, dass der ehemalige Vorsitzende des Gewerbevereins sowie weitere Mitglieder des alten Vorstands schon langfristig ihren Rücktritt angekündigt haben und vor diesem Hintergrund ein neues Team zusammengestellt wurde, welches sicherlich mit einem neuen Blick an die vielfältigen Aufgaben zur Führung eines Gewerbevereins herangehen wird. Wir haben uns im Rathaus mit der Neuorganisation der Wirtschaftsförderung auch verjüngt und neu aufgestellt, so dass sich nun die Chance bietet, im konstruktiven Miteinander gemeinsam neue Wege zu beschreiten. Und gerade die jüngste Stadtverordnetenversammlung hat ja gezeigt, dass die Politik eine breite Bereitschaft zur Unterstützung der Wirtschaftsförderung zeigt. Ich habe großen Respekt für das unermüdliche Engagement des alten Vorstandsteams in den vergangenen 12 Jahren und danke allen Beteiligten sehr herzlich für diese Leistung, aber nun schauen wir mit einem neuen Team gemeinsam in eine hoffentlich positive Zukunft für die Wirtschaftsentwicklung in Usingen.

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