Kunsthandwerk

Immer schön vorsichtig

  • schließen

Weil sie schöne Bilder mag, fing Anja Wirth-Böhm an, selbst zu malen. Auch beim Basteln kommt ihr ihre künstlerische Ader zugute. Inzwischen hat sie das Gravieren entdeckt.

Wunderschöne Sektgläser mit dem Logo der Arnoldshainer Laurentiuskirche gab es im Sommer, als die Kirchengemeinde das 800-jährige Bestehen des Gotteshauses feierte. Wenn der Kleintierzüchterverein Niederreifenberg nun am Wochenende zur Ausstellung (Samstag von 13 bis 18 Uhr sowie am Sonntag von 10 bis 16 Uhr, Jahrtausendhalle) einlädt, kann man bei der Tombola ausgefallene Gläser gewinnen, die mit stilisierten Hühnern und Kaninchen kunstvoll verziert sind. Die gravierten Unikate stammen nicht von einem Online-Geschenke-Shop. Sie sind „Made in Arnoldshain“ und wurden von Anja Wirth-Böhm in liebevoller Handarbeit hergestellt.

Die TZ durfte ihr bei der Arbeit am Tisch im Esszimmer zuschauen, denn ein Atelier hat sie nicht. Als Künstlerin will die Küsterin der evangelischen Kirchengemeinde Arnoldshain nicht bezeichnet werden. „Ist das nicht ein bisschen übertrieben“?, fragt sie – obwohl überall im Haus Bilder von ihr hängen. Seit zehn Jahren besucht sie Malkurse von Waltraud Zechmeister, um, wie sie sagt, einmal etwas für sich selbst zu machen.

Ein weiterer Aspekt: „Ich mag schöne Bilder, aber einen Monet kann ich mir nicht leisten, also versuche ich, es selbst zu machen“, erzählt sie lachend. „So fangen alle Hobbys bei mir an.“ Zum ersten Mal habe sie eine Schiefertafel für das Grab ihres Vaters graviert, weil die Familie keinen der handelsüblichen wuchtigen Grabsteine haben wollte. Im Vorjahr habe sie dann für den Arnoldshainer Pfingstmarkt zum ersten Mal Gläser graviert, und die Exemplare mit Löwenzahn und Maiglöckchen seien gut angekommen. „Blumen und Pflanzen als Motiv habe ich freihändig gestaltet“, berichtet sie.

Für die Sektgläser mit dem Kirchen-Logo habe sie dann aber eine Vorlage benutzt und an die Innenwand geklebt. „Im Grunde ist das wie abpausen, nur die Schrift mache ich individuell“, erläutert sie. Als Anja Wirth-Böhm zeigt, wie das geht und mit einem Diamantschleifstift, einer Art Minibohrer mit Diamantspitze, Linien ins Glas ritzt, hört sich das an wie beim Zahnarzt. Weil beim Ritzen ganz feiner Staub entsteht, schützt sie Mund und Nase mit einer Maske, die Augen mit ihrer Brille.

Mit einem dünnen Aufsatz zieht sie zuerst die Umrisse. „Wie beim Schönschreiben braucht man dafür eine ruhige Hand“, sagt sie. Je häufiger man die Linie dann nachfahre, umso deutlicher hebe sie sich heraus. „Beim Nacharbeiten kann man dann immer noch kleine Korrekturen machen.“

Bisher hat Anja Wirth-Böhm nur haushaltsübliche Gläser bearbeitet. Ihre individuellen Gravuren machen Trinkgläser, Karaffen, Schüsseln und Vasen zu besonderen Geschenken, über die sich ihre Verwandten und Bekannten immer sehr freuen. Die veredelten Stücke können ganz normal benutzt werden und dürfen sogar in die Spülmaschine. Für besondere Anlässe will sie sich vielleicht auch mal an Bleikristall wagen. Aber ihr Gravur-Set nutzt sie auch für ganz andere Materialien. Gravierte Eier sind für sie nicht nur Osterschmuck, sie baumeln auch jetzt im Herbst vom selbst gebastelten Mobile. Die Eier seien nicht gefärbt, versichert die Hühnerzüchterin. Ihre Maranhühner legen schokoladenfarbene Eier, und sie ritzt dann nur vorsichtig die oberste Schicht der Schale an.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare