Sven Blecher ist Gerätewart der Usinger Feuerwehr. Er wartet die Geräte und nimmt so den Ehrenamtlichen zeitraubende Arbeiten ab.
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Sven Blecher ist Gerätewart der Usinger Feuerwehr. Er wartet die Geräte und nimmt so den Ehrenamtlichen zeitraubende Arbeiten ab.

Im Usinger Land kommen die Retter an die Grenzen des Ehrenamtes

Interkommunale Zusammenarbeit soll Abläufe vereinfachen und die Einsatzkräfte entlasten

  • Nina Fachinger
    VonNina Fachinger
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Vier Wehren planen engere Kooperation - Fokus liegt auf der Wartung der Geräte

Der Wille ist da, jetzt geht es ans Daten und Fakten sammeln. "Im Herbst wollen wir erste Ergebnisse vorlegen, womit die Politik arbeiten kann", sagt Usingens Stadtbrandinspektor (SBI) Michael Grau. Und sein Neu-Anspacher Kollegen SBI Thomas Schaub hofft: "Anfang nächsten Jahres sind wir einen Schritt weiter."

Es geht um die Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ) der Freiwilligen Feuerwehren der Städte Neu-Anspach und Usingen, sowie der Gemeinden Wehrheim und Grävenwiesbach. Die Parlamente aller vier Kommunen haben bereits Absichtserklärungen verabschiedet. Eine Arbeitsgemeinschaft (AG), bestehend aus den Stadt- beziehungsweise den Gemeindebrandinspektoren und ihren Stellvertretern sowie sechs Verwaltungsmitarbeitern hat die Arbeit aufgenommen. Leiter der AG ist Hans-Jörg Bleher, Leiter des gemeinsamen Ordnungsamtsbezirks Usingen/Neu-Anspach/Grävenwiesbach.

"Wir hatten bereits einen Besucher aus Korbach hier, der das dortige Konzept vorgestellt hat", so Bleher. Korbach hat 2004 den Eigenbetrieb Technische Dienste und Feuerwehr gegründet. Zu den Dienstleistungen für Dritte gehören unter anderem Wartungs- und Prüfungsarbeiten in den Bereichen: Atemschutz, Chemikalienschutzanzüge und Schläuche, ebenso übernimmt der Eigenbetrieb die Reinigung und Nachrüstung der Feuerschutzkleidung. Ziel der Gründung war, eine höhere Effizienz im Feuerwehrwesen zu erreichen. "Die Ehrenamtlichen werden durch dieses Zentrum entlastet", so Bleher und ergänzt, dass man aber noch lange nicht so weit sei. Klar sei nur, dass dieses Ehrenamt "bis zum Anschlag" belastet sei und das dieses Problem auch in der Politik angekommen sei. "Diesbezügliche Informationen an die Bürgermeister sind schon seit längerer Zeit adressiert", so Roland Seel (CDU), Bürgermeister in Grävenwiesbach.

Sympathische Idee aus Nordhessen

Doch die Idee, die damals hinter der Betriebsgründung in Korbach stand, findet man auch im Usinger Land gut. Auch bei der IKZ der vier Kommunen geht es um eine engere Zusammenarbeit, zum Beispiel bei der Materialbewirtschaftung, der Gerätewartung und der Bildung von Servicepunkten. Bisher haben nur Usingen und Neu-Anspach (seit 2020) hauptamtliche Gerätewarte, das soll sich ändern. Und das sei auch erklärter Wille der anderen Kommunen und der nächste Meilenstein, den man erreichen wolle.

Niemand bekommt etwas weggenommen

Doch dieses IKZ stieß nicht sofort auf Gegenliebe, es gab Bedenken. Grau betont daher, dass hier niemandem etwas weggenommen werden soll, "niemand verliert Einsatz- oder Ausbildungszeiten", sagt er. "Es geht darum das Ehrenamt gezielt zu unterstützen und zu entlasten." Der Spagat zwischen Familie, Beruf und Ehrenamt sei sonst nur auf Kosten der Gesundheit zu stemmen.

Die beiden SBIs können auch beziffern, wie viel Zeit sie in ihre Feuerwehren investieren: Zwischen 20 und 30 Stunden pro Woche gingen bei ihm fürs Ehrenamt drauf, sagt Grau. Schaub hat seine Wochenstunden mal ein halbes Jahr verfolgt und am Ende waren es zwischen 10 und 25 Stunden. Bei seinem Wehrführer sei diese Zahl ähnlich, sagt Schaub.

Die Wehren würden von der Administration "erschlagen", bedauert er. Denn für Prüfung, Wartung und Pflege von Atemschutzgeräten oder Schläuchen gehe die meiste Einsatzzeit drauf - zwei Tage dauere die Gerätewartung nach einem Einsatz.

Die Anforderungen an die Wartung, Prüfung, Technik und Einsatzkleidung würden immer höher, "es sind die gleichen, wie an eine Berufsfeuerwehr". Was aber verständlich sei, denn: "An jedem Atemschutzgerät hängt ein Menschenleben, es muss funktionieren."

Ein Ehrenamt mit großer Verantwortung, die immer weniger Bürger übernehmen wollen. Es sei schwierig Ehrenamtler zu finden, die über ihren regulären Einsatzdienst hinaus tätig werden wollten, sagt der Usinger Kollege Grau.

Miteinander hilft

Viele dieser Entwicklungen hat die Wehr in Usingen in ihrem Feuerwehrbedarfs- und Entwicklungsplan (2017-2027) festgehalten. Diesem ist zu entnehmen, dass 2014 eine Kooperation aller Usinger Land-Kommunen ins Leben gerufen wurde.

Es wurde eine Atemschutz-Werkstatt in Usingen aufgebaut, in der Usingens Gerätewart Sven Blecher täglich arbeitet und auch Technik aus Neu-Anspach und Wehrheim pflegt. Aber was ist in der Zwischenzeit noch passiert?

"Jeder Idee muss man einen Prozess gönnen", sagt Grau, der sein Amt seit August 2013 innehat. Damals habe jeder so sein Ding gemacht. Doch schon vor vielen Jahren haben die Feuerwehren erkannt, dass das so nicht mehr geht. Grau hat jahrelang Überzeugungsarbeit geleistet und versucht Vertrauen aufzubauen. "Ich habe uns in ein Miteinander gebracht, dass wir jetzt bereit sind für mehr." Das Miteinander unter den vier Wehren sei gut, ein Austausch habe auch während der Pandemie regelmäßig stattgefunden.

Weilrod und Schmitten sind in der aktuellen IKZ nicht dabei, was zwei Gründe hat: "Die Freiwillige Feuerwehren der Gemeinde Schmitten arbeiten schon mehr als zehn Jahre mit der Feuerwehr Oberursel zusammen, die die Wehren im Bereich Atemschutz und Pflege der Schutzausrüstung sehr gut unterstützt", so Bürgermeisterin Julia Krügers (CDU). Und die Weilroder Wehr verfolgt seit geraumer Zeit IKZ-Pläne mit den Nachbarn Bad Camberg, Brechen, Hünfelden und Selters (Feuerwehr-Dienstleistungszentrum "Goldener Grund").

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