Botschafter berichtet von dem Weg aus der Krise

Irland hat’s geschafft

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Irland hat mit EU-Finanzhilfe und strikten Reformen den Weg aus der Wirtschaftskrise geschafft. Der Botschafter des Inselstaates zeigte sich bei den Taunus-Gesprächen in Usingen als Verfechter der EU und des Transatlantischen Freihandelsabkommens.

Kein Geringerer als seine Exzellenz Michael Collins, der Botschafter der Republik Irland, war am Mittwochabend Referent bei den „Taunus-Gesprächen“ in der Usinger Hugenottenkirche. Als Hausherr begrüßte Usingens Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) geladene Gäste aus Kommunalpolitik und Wirtschaft in der ehemaligen Kreisstadt. Gastgeber Landrat Ulrich Krebs (CDU) lud den hochkarätigen Gast anschließend ein, sich ins goldene Buch des Hochtaunuskreises einzutragen.

Weil Collins, der seit August 2013 sein Land in Berlin vertritt, nicht Irisch, sondern Englisch sprach, waren seine Ausführungen gut zu verstehen. Doch wer nicht allein auf sein Schulenglisch vertrauen wollte, konnte per Kopfhörer die Simultan-Übersetzung verfolgen. In seinem kurzen Streifzug durch die Geschichte Irlands ging Collins auch auf die über 1000-jährigen Beziehungen zu Deutschland ein: Als die ersten irischen Mönche nach Rom zogen, blieben einige in Deutschland hängen. Heute kommen jährlich 600 000 Deutsche als Urlauber oder als Geschäftspartner. Nach Hungersnöten wanderten aus beiden Ländern Menschen in die USA aus, wo sie bis heute die größten ethnischen Gruppen stellen.

Nach der Unabhängigkeit von Großbritannien, der die Abspaltung von Nordirland folgte, sei der Beitritt zur EU der entscheidende Schritt für die Entwicklung seines Landes gewesen. Erst die EU habe Irland auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Großbritannien ermöglicht, wenngleich der direkte Nachbar weiterhin größter Wirtschaftspartner sei. Daher müsse Irland Teil dieser Gemeinschaft bleiben und sei daran interessiert, dass England Mitglied der EU bleibe, sagte Collins.

Den Schwerpunkt seiner Rede setzte er auf den Weg Irlands aus der Krise. Die globale Finanzkrise habe sein Land nach Jahren besonders starken Wirtschaftswachstums 2008 besonders getroffen. Eine der höchsten Wohneigentumsquoten der Welt war kreditfinanziert und erlag einer Immobilienblase. Staatsschulden und Arbeitslosenquote stiegen, das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte, Irland bekam keine Kredite mehr und bat um EU-Hilfe. Ende 2010 wurde ein Hilfspaket von 85 Milliarden Euro geschnürt. Aber Irland steuerte selbst 12,5 Milliarden Euro aus den Reserven der staatlichen Rentenversicherung bei und brachte 5 Milliarden aus Barreserven auf. Ohne einschneidende Sparmaßnahmen wie die Anhebung der Mehrwertsteuer, die Kürzung von Sozialleistungen, die Einsparungen im Öffentlichen Dienst und die Erhöhung von Gebühren hätte Irland es aber nicht geschafft, als erstes Land den europäischen Rettungsschirm wieder zu verlassen, war sich Collins sicher. Er sagte: „Unsere entschlossenen Reformen waren ein schmerzvoller Weg, aber es hat sich gelohnt, wir haben es geschafft und das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft und der Finanzmärkte für Anleihen wieder erworben.“

Irland wolle interessant für ausländische Investitionen bleiben. Auch weil der Export gestärkt werden müsse, sei er ein starker Verfechter des Transatlantischen Freihandelsabkommens. Derzeit gebe es in ausländischen Firmen auf der Insel 160 000 Arbeitsplätze, davon 12 000 in 99 deutschen Unternehmen, es gebe aber auch umgekehrt mehr als 14 000 Stellen in irischen Unternehmen in Deutschland. Auch der kulturelle und der sportliche Austausch seien nicht zu unterschätzen, meinte Collins, der mit folgenden Worten des irischen Literaturnobelpreisträgers William Butler Yeats schloss: „Mein war, dass ich solche Freunde hatte.“

In einer eher kurzen Diskussion stellte sich der Botschafter nur wenigen Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum. Unter anderem kündigte er an, dass Irland, obwohl nicht Mitglied des Schengener Abkommens, seine Quote bei der Aufnahme von Flüchtlingen erfüllen werde. Bei den sich anschließenden persönlichen Gesprächen kannte der Botschafter keine Berührungsängste.

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