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Schwimmmeister Oliver Rühl zeigt im Schmittener Freibad den einzigen Lift für Rollstuhlfahrer im weiten Umkreis.

„Badespaß im Usinger Land“

Jedem Dorf sein Bad

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Pünktlich zur ersten großen Hitzewelle in diesem Jahr, kommt zum Sommeranfang der geeignete Lesestoff in den Buchhandel. „Badespaß im Usinger Land“, titelt Wolfgang Ettig in seinem neuen Buch. Im Altkreis Usingen hat er 27 frühere Freibäder erforscht sowie naturnahe Schwimm- und Bademöglichkeiten.

„Sie leisten ihren Beitrag zur Erhaltung der Gesundheit, zur aktiven Freizeitgestaltung und fördern nicht zuletzt soziale Kontakte“, schreibt Wolfgang Ettig im Vorwort zu seinem neuen Buch „Badespaß im Usinger Land“. Seine Abhandlung über die Entwicklung vom Brandweiher zum Schwimmbad und die Vorstellung der vielen Freibäder in der Region, die inzwischen sprichwörtlich baden gegangen sind, ist seit Montag erhältlich.

Wer die ersten beiden Bücher des Treisbergers über Uznamen „Hinner de Hecke . . .“ und „Vor der Höh’ . . .“, kennt, ahnt, dass er wieder einen Spagat macht zwischen gut recherchierter Lokalgeschichte und launig formulierten Anekdoten. Passend zum Thema ist also alles andere als ein trockenes Sachbuch entstanden. Mit seiner Hommage an vergangene Zeiten erfüllt der Autor auch den Anspruch die Entstehung von Klein- und Kleinstschwimmbädern im Usinger Land aus der geschichtlichen Entwicklung heraus zu erklären. Den kulturhistorischen Zusammenhang streift er nur kurz, das wäre ein eigener Ansatz. Was Ettig eigentlich will: „Dass der Leser den Hochtaunus mit anderen Augen sieht.“

Die Idee zu seinem Buch resultierte aus einem Aufsatz im Jahrbuch 2017 des Hochtaunuskreises. „Da hatte ich so viel Material, das ich nicht in Aktenordnern vergammeln lassen wollte“, erzählt er. Er recherchierte weiter und aus der geplanten Broschüre wurden 287 Seiten. Ettig ist selbst erstaunt, wo es früher überall Schwimmbäder gab. Das erste baute 1927 die Arbeiterwohlfahrt für das Ferien- und Erholungsheim Emmershäuser Mühle. Ob das Bad damals der Öffentlichkeit zugänglich war, konnte Ettig nicht in Erfahrung bringen. Der positiven Fremdenverkehrsentwicklung hatte ein Jahr später Neuweilnau sein Freibad zu verdanken. Kaiserin Auguste Viktoria, die 1907 in dem Luftkurort logierte, profitierte davon nicht mehr. Doch Sommerfrischler strömten in Scharen ins Weiltal.

Bei der zweiten Gründungswelle handelte es sich laut Ettig um aufdiktierte Maßgaben im Rahmen der NS-Ideologie dem deutschen Volk Leistungskraft zu verleihen. In dieser Zeit entstanden unter anderem Bäder in Hundstadt und Kransberg. Als Schwimmbad nutzten vor allem Jugendliche vielerorts die Brandweiher, auch in Finsternthal. Ältere Bewohner haben Ettig erzählt, dass sie dort im Bassin schwimmen gelernt haben. In der Wirtschaftswunderzeit nach dem Krieg sind nur noch Bäder in Hasselbach und Wernborn errichtet worden.

Um all das zu erforschen hat Ettig Monate lang im Stadtarchiv in Usingen Zeitungen gewälzt. Dort tauchte lange vor den ersten Schwimmbädern der Hattsteinweiher auf. Der diente schon 1875 als offizielle Schwimmanstalt für das Lehrerseminar und schrieb immer wieder Geschichte. Prominentester Besucher dürfte Elvis Presley gewesen sein. Im Grünwiesenweiher ist seit 1987 der Badebetrieb von den Behörden eingestellt.

Über die Schließung der ehemaligen Schwimmbäder ist Ettig nur wenig bekannt. Von den meisten ist nichts mehr zu sehen. Wann sie zugeschüttet wurden sei schwer herauszukriegen. „Die Zeiten als 59 Prozent der Gemeinden eigene Badeanstalten hatten, obwohl gar nicht so viele Leute schwimmen konnten, sind längst vorbei“, so Ettig. Geblieben sind im Altkreis Usingen vier Freibäder in Neu-Anspach, Schmitten, Wehrheim und Brandoberndorf. Das Usinger Hallenbad wurde 1969 eingeweiht und wird nicht behandelt, es würde ein eigenes Buch füllen. Kurz erwähnt sind die 1983 zu den Akten gelegten Ideen der Weiltalsperre. Die Trinkwasserversorgung wurde anders gelöst, der Tourismusanschub blieb aus.

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