Jetzt gibt es Hilfe!

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Ab sofort gibt es psychologische Unterstützung für die Ehrenamtlichen des „Freundeskreises Asyl Schmitten“. Denn wenn Helfer überfordert und ausgebrannt sind, ist niemandem geholfen.

Die Zahl der Asylbewerber in Schmitten wächst und damit auch die Zahl derer, die den Menschen, die hier Zuflucht suchen, helfen wollen.

Bei den monatlichen Treffen der Helfer vom „Freundeskreis Asyl Schmitten“ wird aber immer wieder deutlich, dass manche schnell an ihre Grenzen kommen, sich selbst überfordern oder die Probleme der Asylsuchenden zu sehr an sich heranlassen. Der in Schmitten wohnende Psychologe Thomas von der Ohe, der in seiner Praxis in Frankfurt traumatisierte Flüchtlinge behandelt, will ab sofort die Ehrenamtlichen bei ihrer herausfordernden Tätigkeit unterstützen. Zum Einstieg hat er einen Vortrag im Gemeindezentrum in Arnoldshain gehalten.

Anders als von den meisten der rund 50 Besucher erwartet, gab es dort aber keine Empfehlungen für den Umgang mit den Flüchtlingen oder konkrete Tipps, wie man am besten helfen, wie man eigenes Ausbrennen verhindern oder sich vom Leid der Menschen abgrenzen kann. Der Psychologe hat zwar ein Konzept aus Maßnahmen entwickelt, wie sie von der Stadt Frankfurt angegangen werden. Es mit Leben zu füllen, wird allerdings dauern, denn gleich zu Beginn machte er deutlich: „Das Ganze ist ein Prozess, der ständigen Veränderungen unterworfen ist.“

Die Zeit zerrann bei der Vorstellung, den Erfahrungsberichten, verschiedenen Anmerkungen und Fragen. Aber genau das führte am Ende zu einem wichtigen Ergebnis: Die Ansätze des Freundeskreises sind gut und richtig, können aber ohne kanalisierendes Netzwerk nicht effektiv umgesetzt werden. Für bereits definierte Arbeitsgebiete wie Fahrdienste, Sachspenden, Patenschaften, Deutschunterricht, Teilhabe an kulturellen Veranstaltungen, Kinderbetreuung sowie Job- und Wohnungssuche sollen schon beim nächsten Treffen Ansprechpartner gefunden werden.

So können sich neue Helfer leichter integrieren, müssen nicht Erfahrungen sammeln, die bereits gemacht sind, können sich auf die Umsetzung von Maßnahmen konzentrieren, anstatt sie erst noch selbst zu entwickeln oder Dinge delegieren, die andere besser können. Wöchentliche Treffen in kleineren Arbeitsgruppen sollen folgen. Der permanente Austausch könne hilfreicher sein, als sich selbst durchzubeißen. Auf diese Weise könnten auch Problemfälle aufgegriffen werden. Denn wie der Psychologe feststellte: „Die Konflikte sind nicht das Problem, sondern wie man damit umgeht.“

Die Beiträge mancher Helfer zeigten nämlich nicht nur positive Erfahrungen wie Dankbarkeit, Freude und Vertrauen seitens der Flüchtlinge. Schwierigkeiten deuteten Paten an, die keine Lösung gefunden haben, wie sie mit der Lethargie oder auch mit Aggressionen mancher Asylsuchender umgehen sollten und eine Patenschaft wieder abgegeben haben.

Dass Helfer leicht überfordert sein können, wurde nur allzu verständlich, als von der Ohe mitteilte, dass bis zu 30 Prozent der Flüchtlinge posttraumatische Belastungserkrankungen wie Angst und Depression aufwiesen.

Schlimm empfanden es manche Helfer, dass sie selbst von eigenen Freunden kritisiert werden, weil sie sich um Flüchtlinge kümmern. Es werde unterstellt, sie machten das nur für sich selbst, wollten sich nur wichtig machen. Wie man darauf reagieren kann, bestenfalls Mitbürger als neue Helfer ins Boot holen kann, auch darüber will von der Ohe mit den Mitgliedern sprechen. Er will sie dabei unterstützen, Informationen zu verarbeiten und Antworten zu finden.

Die Initiatorin des Freundeskreises, Ilona Fritsch-Strauß, ist zuversichtlich, dass dieser Weg der richtige ist. Dass mit den prognostizierten wachsenden Flüchtlingszahlen auch ein noch größeres Engagement aus der Bevölkerung nötig wird, war allen klar. Auch wer nur wenige Stunden in der Woche Zeit habe, sei willkommen. Wer sich einbringen will, kann das bereits beim nächsten Treffen. Das findet schon am kommenden Montag um 19.30 Uhr im Gemeindezentrum Arnoldshain statt. Von der Ohe ist erreichbar unter (01 77) 4 47 29 83 oder mail@praxis.vonderohe.de. Weitere Infos zum Freundeskreis unter (01 79) 6 96 65 85.

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