Jetzt muss jeder Platz genutzt werden

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Mit der Zahl der Asylsuchenden wächst in Schmitten die Zahl der Helfer, aber auch die Unsicherheit. Bei der Bürgerversammlung wurde klar: Gemeinde und Kreis können im Grunde nur verwalten, und wirkliche Integration ist eine gemeinsame Aufgabe.

„Wir müssen lernen, mit der Situation umzugehen“, sagte Parlamentschef Volker Lehwalder (FWG), am Mittwochabend im voll besetzten Dorfgemeinschaftshaus in Arnoldshain. Die Kommune könne keinen Einfluss auf die Flüchtlingszahlen nehmen.

„Alleine können wir es nicht bewältigen“ ist Lehwalder aber auch überzeugt, warb um Verständnis und Solidarität und appellierte an die Politik, die Kommunen nicht im Regen stehen zu lassen. Dass auch der Kreis sich seiner Verpflichtung nicht entziehen kann, machte Beigeordnete Katrin Hechler (SPD) deutlich, die eine Fülle von Zahlen und Fakten lieferte. Dank guter Abstimmung mit den Kommunen habe es keine Zwangszuweisungen gegeben, teilte sie mit. „Nach der Anerkennung für Flüchtlinge Wohnraum zu finden, das müsste in Schmitten doch möglich sein“, meinte Hechler. Dass das nicht so ist, sagte Brigitte Willroth. Die Vermittlung einer Wohnung sei an 30 Euro gescheitert.

Spätestens drei Monate nach ihrer Anerkennung müssten Flüchtlinge in eine eigene Wohnung ziehen, berichtete Hechler auf Anfrage von Utta Dommes, meinte aber: „Wir haben bisher noch kein Verfahren mit Räumungsklage durchgezogen.“

Mit derzeit 104 Flüchtlingen habe Schmitten die aktuelle Quote erfüllt, und es seien auch noch Kindergartenplätze für Flüchtlingskinder vorhanden, teilte Bürgermeister Marcus Kinkel (FWG) mit. Aber das könne sich jederzeit ändern. Bisher habe Schmitten wunschgemäß bevorzugt Flüchtlingsfamilien zugeteilt bekommen. Die dezentrale Unterbringung funktioniere. „Wie lange es gut geht, dass im Rathaus alles zum Thema Asyl nebenbei mitläuft, weiß ich nicht“, gab der Bürgermeister zu. Aber das Wunschkonzert sei vorbei, jetzt müsse jeder vorhandene Platz genutzt werden. Er bestehe aber darauf, dass die Gemeinde mitreden könne, wenn es um größere Unterkünfte gehe. Vor allem würden dringend Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge gebraucht. Vermieter sollen sich im Rathaus melden.

„Wenn wir nicht unseren Freundeskreis hätten, ginge hier gar nichts“, stellte der Bürgermeister außerdem fest. Dessen Initiatorin, Ilona Fritsch-Strauß, die zur Versammlung auch etliche der inzwischen 50 Helfer und einige Asylsuchende mitgebracht hatte, machte deutlich, wie wichtig die

Sprache des Herzens

ist. Sie schilderte Einzelschicksale, warb für Menschlichkeit, einen freundlichen Umgang bei allen und um Mithilfe bei denen, die sich engagieren wollen.

Die Diskussion machte deutlich, wie schnell Kreis, Kommune und Ehrenamtliche an ihre Grenzen kommen. „Obwohl schulpflichtige Flüchtlingskinder aufgenommen werden müssen, gibt es vom Land keine zusätzlichen Lehrerstellen“, kritisierte Hechler. Inzwischen gebe es im staatlichen Schulamt nicht mal mehr einen Ansprechpartner zum Thema Asyl. Hechler zeigte auf, wie ein noch nicht anerkannter Flüchtling aus einer Gemeinschaftsunterkunft herauskommen kann. „Wenn es eine Wohnung gibt, kann die Gemeinde sie anmieten und als Asylunterkunft deklarieren.“

Mit Vorurteilen in Sachen ärztlicher Versorgung räumte Dr. Thomas Lattke auf. Fritsch-Strauß und Hechler bestätigten die vorbildliche ärztliche Betreuung von Flüchtlingen.

Wer helfen will, der findet unter auch den Kontakt zum Freundeskreis Asyl Schmitten und die in der Versammlung geforderten Leitfäden für Freiwillige. Ab Dezember ist dann im Rathaus ein Ansprechpartner für ehrenamtliches Engagement im Einsatz.

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