Das Buch ?Gegen Demokratie: Warum wir die Politik nicht den Unvernünftigen überlassen dürfen? hat Klaus Hoffmann sicher nicht zufällig für den Fototermin ausgewählt. Dem Verwaltungschef sind Bürgerinitiativen, die Politik nur machen, um persönliche Interessen durchzusetzen, ein Dorn im Auge.
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Das Buch ?Gegen Demokratie: Warum wir die Politik nicht den Unvernünftigen überlassen dürfen? hat Klaus Hoffmann sicher nicht zufällig für den Fototermin ausgewählt. Dem Verwaltungschef sind Bürgerinitiativen, die Politik nur machen, um persönliche Interessen durchzusetzen, ein Dorn im Auge.

Bürgermeister Klaus Hoffmann

Jetzt nur noch tun, was Spaß macht

  • Anja Petter
    VonAnja Petter
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Zwölf Jahre war Klaus Hoffmann (CDU) Bürgermeister von Neu-Anspach. Jetzt geht er in den Ruhestand. Ein paar Pläne hat er bereits, ein wenig Angst hat er aber auch.

Bürgermeister Klaus Hoffmann (CDU) wird nur noch heute Morgen sein iPad in die Arbeitstasche packen, den Wagen aus der Tiefgarage holen, zum Rathaus fahren und sich dort um 8.30 Uhr an den Schreibtisch setzen. Nach zwölf Jahren im Job geht der 63-Jährige in den Ruhestand, macht im Büro Platz für seinen Nachfolger Thomas Pauli (SPD) und hat dann immer: FREI. Kein Wecker, der morgens um 7 Uhr klingelt, keine Sitzung abends um 20 Uhr, keine Vereinsfeier am Wochenende.

Klingt phantastisch, doch Hoffmann macht der Abschied von seinen Mitarbeitern zunächst einmal traurig. „Es waren schöne zwölf Jahre, denn wir haben viel erreicht“, sagt der Verwaltungschef, relativiert dann seine Aussage allerdings ein wenig: „Naja, zehn schöne Jahre, und zwei waren interessant.“ Wer die Politik in Neu-Anspach verfolgt, weiß, warum zwei nicht ebenfalls schön, sondern nur „interessant“ waren: Weil sich in der Stadt eine Bürgerinitiative gegen die Windkraft gebildet hat und daraus die b-now hervorgegangen ist, mit der Hoffmann seitdem im Clinch liegt.

Das Parlament habe sich in eine Richtung entwickelt, die ihm gar nicht gefalle, sagt der CDU-Politiker. Die Stimmung habe sich sehr verändert: „Früher haben alle miteinander kommuniziert und gemeinsam nach Ergebnissen gesucht, das ist vorbei“, bedauert er. Gedanklich habe er deshalb schon nach seiner Abwahl begonnen, sich Stück für Stück von der Arbeit zu verabschieden. „Und deshalb ist es jetzt auch gut, wenn es vorbei ist.“

Immer wieder die Politik

So ganz glauben kann man Hoffmann das nicht, denn immer wieder kommt er auf die Politik zu sprechen. Für b-now, SPD und Linke habe es lange ausgereicht, „gegen etwas“ oder vielmehr „gegen ihn“ zu sein, jetzt müssten sie mal „für“ etwas sein, und das falle ihnen schwer, stellt er fest. „Sie wollen einfach keine Entscheidung treffen“, meint er im Hinblick darauf, dass sich die drei Fraktionen einer weiteren Haushaltsberatung verweigert hatten, obwohl der Etat von der Aufsichtsbehörde nicht genehmigt wurde. „Sie stehlen sich aus der Verantwortung“, findet Hoffmann und ist überzeugt: „Ohne Einschnitte wird es nicht gehen.“ Alle müssten sich zusammensetzen und nach Kompromissen suchen: „Die Entscheidungen hat die Politik zu treffen, denn die Verwaltung braucht klare Vorgaben.“

Aber jetzt ist mal Schluss mit der Politik. Worauf freut sich der künftige Ruheständler? „Nur noch das zu tun, was mir Spaß macht.“ Und was ist das? Zum Beispiel im Winter auf der Couch liegen zu bleiben und einen Glühwein zu trinken, wenn die anderen zur Ausschuss-Sitzung müssen. Oder mal wieder nach München zu fahren, wo er lange gelebt hat und schon ewig nicht mehr war. Oder spontan einen Ausflug in den Rheingau zu unternehmen.

Ist denn nun endlich eine längere Urlaubsreise geplant? „Ich habe doch jetzt immer Urlaub“, sagt er nur und nennt als weitere Beschäftigung die Arbeit im Vorstand des Förderkreises Freilichtmuseum Hessenpark und sein Engagement für den Verein „Voice of Kilimanjaro-Kids“. Und Opa sein natürlich, bald sogar zweifacher, denn in Kürze freut sich nicht nur Sohn Daniel, wenn er die ein Jahr alte Charlotte betreut, auch Tochter Inga erwartet im August Nachwuchs: einen Jungen. Ihren Vater hat sie für die Zeit schon einmal vorsorglich „gebucht“. Allerdings nicht für die Kinder-, sondern vielmehr für die Landschaftspflege, soll er doch helfen, den Garten des neu gebauten Reihenhauses mit anzulegen.

Und dann gibt es noch die „Scheune mit Wohnhaus“, die er in Arnoldshain gekauft hat und die er renovieren möchte, um sie für seinen Sohn und dessen Familie vorzuhalten. Jetzt wird er zunächst damit beginnen, das Anwesen auszuräumen: „Dann brauche ich wahrscheinlich eine eigene Fahrspur an der Deponie.“

Macht ihm die Wahlniederlage eigentlich noch zu schaffen? Hoffmann gibt zu, in den ersten Tagen kein Bedürfnis gehabt zu haben, auf die Straße zu gehen. „Anfangs war es hart. Ich hatte Angst vor der Häme der Menschen.“ Diese sind ihm aber begegnet wie immer, und das heißt freundlich. „Viele haben sogar gesagt, dass sie es schade finden, dass ich bald nicht mehr Bürgermeister bin.“

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