Künftig ist Pfarrer Dr. Hans-Jörg Wahl auch über den Bildschirm zu sehen, dank der Technik die Rene Einsiedel eingebaut hat und bei dessen Auswahl Manfred Klink (von links) half.
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Künftig ist Pfarrer Dr. Hans-Jörg Wahl auch über den Bildschirm zu sehen, dank der Technik die Rene Einsiedel eingebaut hat und bei dessen Auswahl Manfred Klink (von links) half.

Evangelische Kirche in Usingen rüstet technisch auf

Kameras bringen Gottesdienste ins Internet

  • vonTatjana Seibt
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Auch Taufen und Hochzeiten könnten live verfolgt werden

Die evangelische Laurentiuskirche wird digitaler. Dank moderner Technik, die Rene Einsiedel in der Kirche verbaute, kann die Gemeinde nun nicht mehr nur vor Ort den Gottesdienst verfolgen, sondern auch im Internet.

"Die neue Technik ist nicht nur Corona geschuldet und soll auch über Corona hinaus verwendet werden", erklärte Pfarrer Hans-Jörg Wahl bei einem Pressetermin. Ganz konkret ist in der Kirche eine schwenkbare kleine Kamera installiert worden, die sich aus der letzten Reihe rechts mit einem Joystick bedienen lässt. "Zusätzlich gibt es voreingestellte Kamerapositionen", weist Manfred Klink vom Kirchenvorstand auf die neuen Möglichkeiten hin.

Privatsphäre ist gesichert

Kirche im Internet ist keine wirklich neue Erfindung, auch nicht im Fernsehen. Dass nun aber nach und nach mehr Kirchen ihrer Gemeinde die Möglichkeit geben, auch zu Hause am Gottesdienst teilzunehmen, schon. "Das ist eine Hybridlösung", sagte Wahl.

Denn auf den Gottesdienst in der Kirche will man nicht verzichten. Doch die Plätze sind begrenzt. Konnten vor Corona rund 350 Personen im Gotteshaus Platz nehmen, sind es jetzt noch gerade einmal etwa 80, die auf Abstand sitzen. "Viele trauen sich seit Corona nicht mehr in den Gottesdienst, andere hingegen können es auch einfach nicht mehr", weiß der Pfarrer.

Einen Gottesdienst einmal im Monat zu senden, gebe den Menschen zumindest dann die Möglichkeit, in ein vertrautes Gesicht zu schauen und einen Kirchenraum zu sehen, den sie kennen. Das wiederum schaffe einen größeren Bezug zu dem Gottesdienst, der ausschließlich den Pfarrer zeigt, vielleicht auch noch den Organisten oder denjenigen, der eine Lesung hält.

Das Publikum ist bestenfalls von hinten, wenn überhaupt zu sehen. Anders kann es da bei einer Hochzeit oder Taufe aussehen, die zum Beispiel mehrere Einstellungen auch auf das Publikum ermöglicht und so den Menschen von außerhalb die Möglichkeit gibt, zumindest über das Internet live dabei zu sein.

"Alles wird aufgezeichnet", erklärte René Einsiedel die Technik. Aber auf Wunsch gebe es eben auch die Privatsphäre, so dass nur ein bestimmter Personenkreis über Youtube auf das Filmmaterial zugreifen könne. Das sei bei den privaten Gottesdiensten zur Taufe oder Hochzeit der Fall.

Atmosphäre macht einen großen Teil aus

Die Gottesdienste hingegen sollen live und für jedermann zu sehen bleiben, "auch im Nachhinein", sagte Klink. Und das komme tatsächlich besser an, als man zunächst dachte. Denn die ersten Proben hätten gezeigt, dass zwar live schon 30 bis 40 Personen den Stream verfolgten, im Nachhinein sich aber zwischen 200 und 300 Menschen am gleichen Tag den Gottesdienst ebenfalls angesehen hätten. Dass nun nicht jeder Gottesdienst oder jede Andacht gefilmt werde, das sei auch den Vorbereitungen geschuldet.

"Für eine Aufzeichnung muss man anders sprechen", sagte Wahl. Auch der ständige Blick in die Kamera sei anders, als wenn er direkt vom Altar oder der Kanzel aus spreche. Das müsse freier geschehen und vor allem kürzer.

"Eine normale Gottesdienstzeit ist zu lang für einen Stream", hat er festgestellt. Folglich müssten die Predigten auch anders vorbereitet werden.

Und dann ist da auch noch die nonverbale Rückmeldung aus dem Publikum, die bei einem reinen gestreamten Gottesdienst ohne Publikum in der Kirche einfach fehle. Atmosphäre mache eben doch auch einen großen Teil des Gottesdienstes aus.

Damit die Kirche nicht wie ein Filmstudio erscheint, hat Einsiedel Leitungen durch die Decke gezogen und auch die Apparate versteckt angebracht. Der Monitor verbirgt sich in einem farblich angepassten Holzkasten, ebenso der Joystick für die Kameraeinstellungen. Damit umzugehen müssen die beiden Küsterinnen nun noch üben, denn ihnen fällt es zu, die Technik zu bedienen. Die ist zwar einfach, erfordert aber ein exaktes Timing, nämlich zu Beginn live zu schalten, vorher Bögen verteilt zu haben und am Ende neben dem Abschalten auch noch die Tür zu öffnen.

Deshalb würde sich der Kirchenvorstand über weitere Helfer freuen, die Spaß an der Technik haben. Am 2. und 9. Mai hat die Kirchengemeinde das erste Mal die Möglichkeit, live von zu Hause aus dabei zu sein. Die Einwahl erfolgt entweder über die Homepage www.evangelisch-usingen.de oder über www.ogy.de/7 direkt. Alternativ gibt es auch einen QR-Code zum Scannen. Tatjana Seibt

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