Mit einem Jahr Verspätung erfüllte sich Waltraud Karsch, die Leiterin des Usinger Kammerorchesters, zu ihrem 81. Geburtstag und zum 251. Geburtstag von Ludwig van Beethoven einen Herzenswunsch.
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Mit einem Jahr Verspätung erfüllte sich Waltraud Karsch, die Leiterin des Usinger Kammerorchesters, zu ihrem 81. Geburtstag und zum 251. Geburtstag von Ludwig van Beethoven einen Herzenswunsch.

Kulturkreis Usinger Land bietet grandiosen Musikabend

Kammerorchester und Solist Ivanov brillieren in Laurentiuskirche

  • VonEvelyn Kreutz
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Würdige Geburtstagsfeier für Beethoven

Usingen. Grandiose Stücke, ein trotz Corona-Pause hervorragend eingespieltes Usinger Kammerorchester und Dimiter Ivanov als überragender Solist, das war das vom Kulturkreis Usinger Land veranstaltete Konzert am Sonntag in der voll besetzten katholischen Laurentiuskirche. Das sollte eigentlichen zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven schon im vergangenen Jahr stattfinden, stand doch im Mittelpunkt dessen großartiges und einziges Violinkonzert in D-Dur, op. 61.

Mit einem Jahr Verspätung erfüllte sich auch Waltraud Karsch, die das Usinger Kammerorchester vor über 40 Jahren gegründet hat, nicht zu ihrem runden, sondern zu ihrem 81. Geburtstag mit Beethovens Meisterwerk der Klassik einen Herzenswunsch. Als Solist brillierte Dimiter Ivanov, der Konzertmeister des Orchesters der Frankfurter Oper und des Museumsorchesters Frankfurt ist und in Usingen schon lange kein Unbekannter mehr.

Das Publikum mitgenommen

Beethovens stark sinfonisch angelegtes Violinkonzert begann nach pulsierenden Paukenschlägen, in welche nacheinander die Holzbläser und Streicher einsetzten, mit einem langen Orchestervorspiel. Hoch konzentriert hatten die Dirigentin und der Solist im ersten Satz, dem Allegro ma non troppo, die Stelle verinnerlicht, an der die Violine wie aus dem Nichts in das musikalische Geschehen eingreift.

Das Publikum durfte sich von Ivanov mitnehmen lassen in sauber und einfühlsam gespielte Kadenzen. Nicht so die Instrumentalisten, die im ständigen Blickkontakt mit Solist und vor allem Dirigentin genau darauf achten mussten, wann sie sich im musikalischen Dialog zurücknehmen und wann sie die Gesprächsführung übernehmen mussten.

Solist und Orchester verzichteten gleichermaßen auf pathetischen Überschwang. Dennoch ließ das beinahe streng mathematisch komponierte Werk genug Platz zur Interpretation. Im Gleichklang gelang es im ersten Satz mit wohldosierter Dynamik ausdrucksstark Spannung aufzubauen ohne dramatische Elemente überzustrapazieren.

Der langsame Mittelsatz, das Larghetto, kam eher lyrisch-meditativ daher, glich einem harmonischen Zwiegespräch zwischen Soloinstrument und Orchester. Im Allegro des Rondo-Finale ergriff die Solovioline zugleich fordernd und elegant die Initiative für den beinahe tänzerischen Kehraus, der, typisch Beethoven, im vollen Klang des Orchesters endet.

"Dieser großartigen Musik kann man nicht so viel hinzufügen", sagte Ivanov und ließ das Konzert mit dem Andante von Bachs a-moll Sonate für Violine ausklingen. Auch wenn das begeisterte Publikum sicher gerne noch mehr gehört hätte, verzichtete das Kammerorchester auf eine eigene Zugabe, zumal es schon vorher den ersten Teil des Konzertes bestritten hatte.

Zum Auftakt und praktisch zum Aufwärmen stimmten die Musiker die Ouvertüre zur Oper "Iphigenie in Aulis" von Christoph Willibald Gluck an. Vor allem mit Joseph Haydns Symphonie Nr. 96 in D-Dur, "The Miracle" bewiesen Waltraud Karsch und das Kammerorchester, dass sie trotz Corona-Pause in Bestform sind. Nach der fast düster wirkenden Einleitung folgten die Musiker Haydns Absicht mit sehr melodiösen Passagen eine beinahe euphorische Stimmung zu erzeugen.

Kurz vor Ende des ersten Satzes, dem Adagio-Allegro, neigte das Orchester etwas dazu das Tempo zu verschleppen. Die energische Dirigentin ließ das aber nicht zu. Auch was präzise Einsätze und nuancierte Dynamik anging, hatte sie ihr Orchester wir immer voll im Griff. Im Finalsatz, dem Vivace assai mit seinem wirkungsvollen Thema, wusste man nicht, ob Musiker, Dirigentin oder Publikum mehr Spaß an dieser wunderbaren Musik hatten.

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