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Ein Magnet im Usinger Land ist der Hessenpark (hier die Gießener Nordzeile). Im vergangenen Jahr besuchten 228 660 Besucher das Freilichtmuseum in Neu-Anspach.

Tourismus im Taunus

Kann das Usinger Land zur Urlaubsregion werden?

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Für hiesige Kommunalpolitiker hat der Tourismus in ihren jeweiligen Kommunen einen hohen Stellenwert. Mit dem Allgäu oder der Ostsee kann das Usinger Land freilich nicht konkurrieren. Wo positionieren die Bürgermeister ihre Kommune? Und: Gibt es überhaupt ein Tourismus-Konzept?

1,1 Millionen Übernachtungen und 225 390 Urlauber im vergangenen Jahr – nein, das sind nicht die Tourismuszahlen des Hochtaunuskreises, sondern die Jahreszahlen von Bad Hindelang im Allgäu. Im gesamten Hochtaunus wurden im vergangenen Jahr 1,3 Millionen Übernachtungen gezählt, und das bei 483 800 Übernachtungsgästen.

Legt man den touristischen Index des Statistischen Landesamtes in Wiesbaden auf die Städte und Kommunen im Usinger Land, wird die geringe Bedeutung des Tourismus für die hiesige Region deutlich (lesen Sie bitte auch „Info“). Fragt man hingegen die Bürgermeister nach der Bedeutung des Tourismus für ihre Kommune, wird ein ganz anderes Bild gezeichnet.

„Der Tourismus hat einen hohen Stellenwert in unserer Stadt“, teilt dazu Usingens Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) auf Anfrage mit. „Als Mittelzentrum im Herzen des Usinger Landes sind vor allem die Tagestouristen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Sie stärken zudem das gastronomische Angebot.“

Der Laurentiusmarkt, die evangelische Laurentiuskirche sowie andere historische Dorfkirchen in den Stadtteilen, der Schlossgarten, die Fürstengruft, das Kransberger Schloss, die Eschbacher Klippen, der Hattsteinweiher, der Nordic-Walking Park Merzhausen, das Backhaus Wilhelmsdorf, und der große Weihnachtsmarkt in der Usinger Altstadt sind demnach die touristischen Magneten.

Mit dem Übernachtungsangebot – vor allem bei den Ferienwohnungen – zeigt sich der Rathauschef zufrieden. Doch wünscht sich Wernard eine weitere Stärkung des Hotelangebotes, damit könne die Attraktivität Usingens gerade bei der Zielgruppe der Kurzurlauber gesteigert werden.

Auch im Wehrheim wird die (tages-)touristische Werbetrommel kräftig gerührt. „In unserer ländlich geprägten Kommune spielt vor allem der sogenannte sanfte Tourismus eine besondere Rolle“, teilt Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) mit. Als „erste Kommune über dem Saalburgkamm“ profitiere Wehrheim vor allem vom Tagestourismus.

Beliebt sei das Apfeldorf wegen seiner Ausflugsziele, dem Wald und der Natur, wo man noch Ruhe finden könne. „Einfach mal abschalten, die Seele baumeln lassen und trotzdem etwas erleben“, so beschreibt Sommer die Vorzüge seiner Gemeinde. „Tagestouristen wie auch Kurzurlauber schätzen die intakte Infrastruktur mit hervorragender Gastronomie und sehr guten Einkaufsmöglichkeiten.“

Mit dem Freizeitpark Lochmühle hat Wehrheim natürlich einen der touristischen Leuchttürme des Usinger Landes auf seiner Gemarkung. Mit zwei kleinen Hotels und 13 Ferienwohnungen sei das Apfeldorf auch für Kurzurlauber gerüstet.

„Außer dem Hessenpark, dem Grünwiesenweiher, dem Waldschwimmbad und dem Naturlehrpfad Wildschweinroute bietet Neu-Anspach touristisch nicht besonders viel“, sagt Bürgermeister Klaus Hoffmann (CDU) nüchtern. „Dadurch hat der klassische Tourismus eine untergeordnete Bedeutung in unserer Stadt. Die hohen Übernachtungen resultieren aus Messebesucher sowie Geschäftskunden der hiesigen Unternehmen.“

Sein Amtskollege aus Weilrod sieht die Bedeutung des eigentlich großen touristischen Potenzials seiner Gemeinde seit den 1970 Jahren schwinden. „Derzeit gibt es Anstrengungen verschiedener Arbeitsgruppen und Initiativen, den Tourismus in Weilrod mit neuen Impulsen stärker zu fördern“, teilt Noch-Amtsinhaber Axel Bangert (SPD) auf Anfrage mit. „Dazu werden auch erhebliche finanzielle Mittel durch die Gemeinde in Konzepte und deren Umsetzung in den nächsten Jahren zur Verfügung gestellt.“

Für Grävenwiesbachs Bürgermeister Roland Seel (CDU) spielt der Tourismus in seiner Gemeinde eigentlich keine Rolle. Überraschenderweise gibt sich auch Schmittens Bürgermeister Marcus Kinkel (FWG) keinen Illusionen hin. „Unsere Gemeinde erzielt aus dem Tourismus kaum Gewerbesteuereinnahmen. Die meistens Übernachtungsgäste sind Handwerker oder Geschäftsreisende“, sagt Kinkel (lesen Sie hierzu auch das Interview auf Seite 19). In der Feldberggemeinde lebe kaum noch jemand vom Tourismus. Schmitten sei ein Wohnort und kein Touristenort. Im TZ-Interview wirft Kinkel einen sehr differenzieren Blick auf die Geschichte und Bedeutung des Tourismus für seine Kommune heute.

Deutliche Kritik übt der Vorsitzende des Usinger Gewerbevereins Ralf Müller an den Aussagen der Kommunalpolitiker zum Thema Tourismus. „Eine Aufzählung der Sehenswürdigkeiten und der örtlichen Feste lockt keinen einzigen Touristen ins Usinger Land“, sagt Müller. „Was fehlt ist ein touristisches Konzept.“

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