Der Fluss fällt regelmäßig trocken

Kaum noch Leben in der Weil

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Die Weil ist in ihrem Oberlauf trocken. Wieder mal. Erst ab Emmershausen fließt etwas Wasser in Richtung Lahn. Die Folge: Die Weil ist tot! Kann ein „Runder Tisch“ Abhilfe schaffen?

Nach dem Trockenfallen der Weil in ihrem Oberlauf sind so gut wie alle Fische, Krebse und Muscheln eingegangen, erstickt! Mitglieder des Fischereivereins Oberlahn haben einen verzweifelten Rettungsversuch unternommen, um die letzten noch lebenden Bachforellen in sicheres, sauerstoffreiches Gewässer zu verfrachten.

Die Gemündenerin Bianca Zenkert berichtet: „Etwa 150 Fische haben wir aus den Gumpen geholt und bei Emmershausen wieder in die Weil eingesetzt.“ Das Wasser in den Gumpen sei so warm gewesen, „dass man es durch die Gummistiefel gespürt hat“. Darin überlebe kein Fisch, sagt ihr Ehemann Matthias Zenkert, der gemeinsam mit Jörg Baumann die Fischrechte im Sattel- und im Laubach gepachtet hat. Baumann erklärt, was passiert: „Bei den hohen Temperaturen ist der im Wasser gebundene Sauerstoff bald aufgezehrt, dann ersticken die Fische qualvoll.“ Der ökologische Schaden sei enorm. Wie viele der geretteten Fische überleben, weiß Zenkert nicht: „Einige schwammen schon kieloben, die meisten waren so schwach, dass sie keinen Fluchtreflex mehr hatten.“

„Die Forellen kommen relativ schnell zurück, aber bis die Nährtiere wie die Bachflohkrebse wieder erscheinen, dauert es, eine Saison mindestens“, sagt Baumann.

Winfried Klein, Gewässerwart des Fischereivereins Oberlahn und Vorsitzender der Interessengemeinschaft Lahn, weiß, woran es liegt: „Die Hauptursache ist immer noch der entlang der Weil zur Kläranlage Winden führende undichte Abwasserkanal, in den das Wasser der Weil über das Kiesbett und verschobene Rohre eindringt und zur Kläranlage abgeführt wird.“

Wie Zenkert und Baumann bedauert auch Klein, dass der vor 15 Jahren gegründete „Runde Tisch Weil“, der sich mit dem Trockenfallen der Weil beschäftigt hatte, nicht mehr aktiv ist. Damals seien an verschiedenen Stellen Ton- und auch Betonriegel am Kanal eingebaut worden, die das Eindringen von Weilwasser verhindern sollten. Klein: „Teilweise war das auch erfolgreich, doch ist das leider eingeschlafen.“ Versuche, den „Runden Tisch“ zu reaktivieren, seien gescheitert.

Das periodische Trockenfallen der Weil ist seit der Verlegung des Kanals bekannt. Fischereiexperten der Interessengemeinschaft sind sich sicher, dass der Kanal nicht richtig gegen den porösen, geröllhaltigen Untergrund des oberen Weiltals abgedichtet worden ist. Die Sanierung sei sehr aufwändig und teuer.

Die Vereine fordern, alles daran zu setzen, damit die Weil wieder ein dauerhaft intaktes Fließgewässer mit einer reichhaltigen heimischen Fauna wird und nicht mehr fast jährlich der gesamte Bestand infolge Wassermangel, verendet.

Auch der Fischereiverein Hochtaunus, der die Fischereirechte an der Weil auf etwa fünf Kilometern Länge zwischen der Landsteiner Mühle und der „Roten Brücke“ nahe der Mappesmühle gepachtet hat, klagt über den Trockenfall der Weil. Nur in einigen Gumpen stehe noch Wasser, sagt der Vorsitzende Siegfried Waas. Auf der Homepage des Vereins heißt es: „Über die Weil existieren gewässerökologische Studien, ebenso wird seit langem untersucht, aus welchen Gründen die Weil im Sommer abschnittweise völlig trockenfällt. Ein Sanierungsprogramm soll Auf- und Abstiegshindernisse vor allem für wandernde Fischarten beseitigen.“ Darüber, wie das konkret aussehen soll, hat Waas keine Vorstellung, nur so viel: „Wir stellen nur fest, dass es immer schlimmer wird.“ Er sieht zwei Ursachen: „Der Untergrund der Weil besteht aus Schiefer, da versickert das Wasser schnell. Auch dürften der Weil durch Neubaugebiete große Mengen Grundwasser entzogen werden.“ Möglichkeiten der Abhilfe sieht Waas derzeit nicht. Er ist skeptisch. Kooperationen mit anderen Vereinen, etwa der IG Lahn, gebe es keine, „die informiert uns so gut wie nie“, so Waas.

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