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Den Keiler im Visier

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Von: Janina Raschdorf

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Das Wildschwein muss sich jetzt besonders in Acht nehmen, damit es dem Jäger nicht vor die Flinte gerät.
Das Wildschwein muss sich jetzt besonders in Acht nehmen, damit es dem Jäger nicht vor die Flinte gerät. © Hans Nietner (Hans Nietner)

Die Jägervereinigung Usingen will überhöhte Tierbestände regulieren und Wildschäden vermeiden. Dieses Jahr gilt es, das Wildschwein in die Enge zu treiben.

Die ersten Bäume und Büsche hat der Herbst schon geküsst, ihr Laub leicht zum Erröten gebracht. In der kühlen Morgenluft tanzen bereits die ersten Atemwölkchen. Es ist unbestreitbar: Die sonnige Jahreshälfte neigt sich dem Ende zu, heimelige Kamintage stehen uns bevor. Gemütlich sind die freilich nicht für alle Lebewesen. Für Wildtiere endet mit dem Sommer die Schonzeit, beginnt mit dem Herbst die Jagdsaison.

Ganz oben auf der Abschussliste stehen dieses Jahr die Wildschweine. „Sie haben sehr von den milden Temperaturen des vergangenen Winters profitiert“, erklärt Klaus Pöhlmann, Vorsitzender der Jägervereinigung Usingen. Für gewöhnlich kostet die kalte Jahreszeit zahlreichen Jungtieren das Leben. Und das ist von der Natur auch so vorgesehen. Immerhin bringt eine Bache im Durchschnitt sieben Frischlinge zur Welt. „Eine Hirschkuh gebärt hingegen nur ein Kalb“, zieht Pöhlmann den Vergleich.

Die zunehmend lauen und weniger strapaziösen Winter sorgen neben dem vermehrten Überleben der Jungtiere auch dafür, dass den ausgewachsenen Wildschweinen im Folgejahr mehr Energie für die Reproduktion zur Verfügung steht. Diesem „saumäßigen“ Populationswachstum müsse Einhalt geboten werden, erklärt Pöhlmann. Zumal die Tiere ernsthafte Schäden verursachen würden. „Sie wühlen Felder um, fressen mit Vorliebe reifen Mais und machen auch vor Privatgärten keinen Halt.“

In vielerlei Hinsicht reguliert sich die Natur von alleine. „So fressen etwa Wildschweine Kitze“, weiß der Usinger zu berichten. Deswegen müsse der Mensch den stetig wachsenden Reh-Bestand nicht zuzüglich eindämmen. „Aus ähnlichen Erwägungen dezimieren wir die zunehmende Anzahl an Füchsen nicht. Die fressen nämlich Mäuse, welche sich ebenfalls aufgrund der milden Winter und dem damit zusammenhängend größeren Nahrungsangebot invasionsartig vermehren“, so Pöhlmann.

Hasen bleiben verschont

„Auch Hasen schießen wir kaum“, erklärt er. „Schließlich bekommen die im Jahr nur zwei- bis drei Mal etwa zwei Jungtiere.“ Und davon würden viele Raubtieren zu Opfer fallen. Zudem würden die Langohren selten ein Alter über drei Jahre erreichen. Dafür gebe es ein anderes, auf den ersten Blick ebenso putziges Tierchen, das den Jägern weit mehr Aufmerksamkeit abverlange.

„Der Waschbär verbreitet sich im Usinger Land rasant“, gibt Pöhlmann zu bedenken. „Das Tier ist eine richtige Plage!“ Die Allesfresser hätten keine natürlichen Feinde, und auf ihrem Vormarsch würden sie enorme Schäden anrichten. Der Speiseplan des mittelgroßen Säugetiers enthält neben kleinen Hasen und Amphibien nämlich auch die Eier seltener Vögel, wie Fasan, Rotmilan oder Uhu.

Auch der freche Dachs muss sich vor dem Jäger in Acht nehmen – und er macht es dem Weidmann keineswegs leicht. Schließlich verlässt er seinen unterirdischen Bau nur selten und bricht erst nach Einbruch der Dunkelheit zur Nahrungssuche auf. Dann stillt das Raubtier aus der Familie der Marder seinen Hunger – gleich dem Wildschwein – mit Vorliebe im Maisfeld. Laut Bundesjagdgesetz muss die Jagdgenossenschaft für Verwüstungen aufkommen, die Wildtiere auf Privatgrundstücken und landwirtschaftlichen Flächen anrichten – vorausgesetzt, das Areal zählt zum Jagdbezirk.

Dafür verdienen die Grünröcke gutes Geld durch den Verkauf des erlegten Wildes. „Wir verwerten alles“, versichert Pöhlmann, „vom Fuchsfell bis hin zum Wildfleisch.“ Letzteres sei von „Bio-Qualität“. „Anders als das Nutzvieh in der Landwirtschaft haben Wildtiere schließlich uneingeschränkte Bewegungsfreiheit.“ Daraus resultierend besäßen sie Muskelfleisch, welches mager und fettarm, ergo äußerst gesund sei. „Außerdem müssen Wildtiere nicht über weite Strecken lebend transportiert werden,“ erläutert der Fachmann und besänftigt somit das Gewissen der Fleischverzehrer. Eines ist gewiss: Auf Wildschweinbraten werden die Hessen dieses Jahr gewiss nicht verzichten müssen.

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