Goldschmied im Hessenpark

Keiner geht ohne Schmuck

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Marcel Schweer ist seit rund einem Jahr der Goldschmied im Hessenpark. Seine Zwischenbilanz fällt positiv aus. Und mit selbst gedruckten Münzen hofft er, noch mehr Gäste von weiter weg anzulocken.

Es nieselt, der Himmel ist grau und eine Gruppe von gut 25 Kindern läuft hinter ihrer Führerin her in den Hessenpark. Es sind zwar Osterferien, aber ein Besucheransturm scheint an diesem Donnerstag wenig wahrscheinlich. Marcel Schweer, in gut drei Wochen seit einem Jahr der Goldschmied im Hessenpark, rechnet heute nicht mit viel Publikumsverkehr – traurig ist er darüber aber nicht. Denn er hat genug Aufträge – Ringe, Ketten, Ohrstecker – die darauf warten, fertiggestellt oder repariert zu werden. „Es ist schön, dass ich davon leben kann, aber es ist genauso schön, Menschen glücklich zu machen. Sie glücklich aus der Schmiede gehen zu sehen, mit ihrem Schmuck in der Hand“, sagt Schweer.

Im Erdgeschoss ist das Atelier mit Vitrinen voller Ringe, Ketten und Anhänger – alles handgefertigt von Goldschmieden aus Hessen. Auch drei Schmiedearbeitsplätze, große Holztische mit auf einer Seite halbrundem Ausschnitt, in dem eine Art Matte, die die Metallreste auffängt, eingehängt ist, in Höhe des Schmiedehockers. An zwei Tischen arbeiten Schweer und seine Kollegin Sara Pukall.

Im ersten Stock des Haus aus Messel (Marktplatz, direkt neben der Bäckerei) finden seit vergangenem Juli auch Goldschmiede-Kurse statt. Anfangs sei er skeptisch gewesen, ob es so viel Sinn habe. „Ich hatte die Befürchtung, dass es dann zu sehr nach ,das kann ja jeder’ aussieht“, sagt Schweer. Doch mittlerweile ist er begeistert von der Resonanz.

Es gibt in dem Raum einen Zeichentisch, an dem die Teilnehmer frei Schnauze und mit kreativer Intuition eigene Entwürfe ihres Schmucks zeichnen. Danach geht’s an die sechs Arbeitsplätze. „Wenn fünf besetzt sind, kommen wir zu zweit allerdings schon ins Schwitzen“, sagt der 29-Jährige, der in Langen lebt.

Einer muss an den Öffnungstagen im Erdgeschoss Kundengespräche führen, der oder die andere (zum Team gehören neben Schweer drei Frauen, alle freie Mitarbeiterinnen) kümmert sich um den Kurs. Drei bis vier Tage in der Woche ist Sara Pukall in der Goldschmiede. „Es ist auf jeden Fall schön, nicht immer allein hier zu sein. Es macht den Ort lebendiger, auch was die Verkaufsgespräche betrifft“, sagt Schweer.

Er ist ein zierlicher Mann mit wachen, braunen Augen – und vergleichsweise sehr muskulösen Händen. Die braucht man jedoch als Goldschmied, denn dieses Handwerk erfordert Kraft. „Wir haben bei den Kursteilnehmern alles dabei, von der Schulleiterin über den Sicherheitsmanager bis hin zur Mediengestalterin. Wir hatten auch schon Schreiner hier, die ein größeres handwerkliches Geschick mitbringen – man sieht schon recht schnell, wer was kann.“

Für viele sei die Belastung der Hände ungewohnt. „Bisher ist aber noch jeder mit einem Schmuckstück heimgegangen“, sagt Schweer, der als Selbstständiger arbeitet. Es ist rustikaler Schmuck, der vielen Besuchern gefällt. „Schön – mal was anderes“, sagen viele, die die Goldschmiede betreten.

Die Bandbreite der Dinge, die die Teilnehmer machen wollen, sei relativ breit, Angeboten werden Kurse zu den Schmuckstücken: Ring, Anhänger, Strickschmuck, Ohrschmuck und Wachsmodelle. Aber es gibt auch spezielle Anfragen. „Kürzlich hatte ich eine Frau, die mit Gießen experimentieren wollte. Spannend ist, dass man bei einem Kurs morgens nie weiß was abends rauskommt“, sagt Schweer.

Der Absolvent der Zeichenakademie Hanau, einer Berufs-, Berufsfach- und Fachschule für edelmetallgestaltende Berufe und eine der ältesten Goldschmiedeausbildungsstätten Europas, ist Pächter der Schmiede und wird auch am Umsatz beteiligt. Das Haus selbst hat der Förderverein der Zeichenakademie gepachtet, die Akademie hat den Kursraum gemietet. „Das heißt für mich, dass regelmäßig Auszubildende oder Praktikanten der Zeichenakademie mitarbeiten dürfen.“

Die Zeit, die vom Entwurf, etwa einer Kette bis zum fertigen Stück vergeht, sei ganz unterschiedlich. „Oft mache ich mir auch noch Gedanken auf der Heimfahrt oder im Bett, das berechne ich aber nicht“, sagt Schweer. Zwischen einem halben Tag und drei Tagen brauche er im Schnitt. „Eine Mitarbeiterin hat mal eine Kette in Gelbgold geschmiedet, dafür zwei Tage Arbeit investiert und der Kunde hat 2600 Euro bezahlt.“

Trauringe würden auch häufig gekauft, sagt Schweer. Was den jungen Goldschmied dabei erstaunt: „Die Hälfte der Leute, die zu uns kommen, sind langjährig verheiratete Paare, die sich vielleicht einen neuen Ring machen lassen wollen oder der eine Partner mal einen verloren hat.“ Er selbst habe kein ausgewiesenes Spezialgebiet, mache aber sehr viele Reparaturen.

Nicht nur von der Hanauer Zeichenakademie wird die Schmiede, die nur Schmuck von Absolventen ausstellt, unterstützt. Günstigere Materialien und sogar ein Stempel zum Prägen von Münzen stellt der Goldhandel Degussa der Schmiede im Hessenpark zur Verfügung. Silber, Gold, Weisgold, Rotgold, Gelbgold in verschiedenen Legierungen, aber auch Platin werden verarbeitet.

Mit dem Stempel sollen ab Ende April (der Geburtstag ist am 26. April) Münzen aus Zinn und Feinsilber geprägt werden können. Damit will Schweer auch Hessenparksbesucher von weiter weg als Kunden gewinnen.

Weitere Infos gibt’s unter: goldschmiede-hessenpark.de.

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