Das Gewusel auf der Multifunktionsfläche zeigt, dass die UTSG mit ihrer Kinder-Olympiade genau die richtige Idee hatte.
+
Das Gewusel auf der Multifunktionsfläche zeigt, dass die UTSG mit ihrer Kinder-Olympiade genau die richtige Idee hatte.

UTSG Usingen feiert 175. Geburtstag

Kinder-Olympiade und "Festkommers light" zum Jubiläum

  • VonAlexander Schneider
    schließen

Viele Gratulanten würdigen das Engagement des Vereins

Usingen -Als Joachim Ringelnatz 1883 zur Welt kam, hatte er das beste schon verpasst, die 37 Jahre zuvor erfolgte Gründung der Usinger Turn- und Sportgemeinde. Sicher war er nie in Usingen. Dennoch schaffte er es 1927 beim Notieren seines Gedichtes "Ruf zum Sport", allen, die am Samstag zum Thema "175 Jahre UTSG" sprachen, visionär alles vorwegzunehmen: "Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine, kürzt die öde Zeit, und er schützt uns durch Vereine vor der Einsamkeit."

Dem war eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, worüber sich alle Festredner auch einig waren, ebenso wie über den Umstand, dass man 175 Jahre Sport in Usingen viel lieber viel größer und am liebsten im Rahmen der Usinger Kerb gefeiert hätte. Diese hätte genau letztes Wochenende unter der Ägide der UTSG eröffnet werden sollen, musste aber pandemiebedingt ausfallen.

Zeit für einen Gedankenaustausch

Deshalb konnte Festredner Joachim Saltenberger der von Präsident Matthias Drexelius ausgegebenen Marschrichtung, sich kurz zu fassen, folgend, auch keine der sonst üblichen Festreden halten. Wenn es schon, der Pandemie entsprechend, nur ein "Festkommers light" sein sollte, dann lieber kurz mit Zeit zum Gedankenaustausch hinterher. Verständlicher Weise mangels Zeitzeugen beleuchtete der UTSG-Ehrenvorsitzende schlaglichtartig die ersten 150 Jahre des Vereins, um sich dann den von ihm selbst größtenteils als Vorsitzender miterlebten letzten 25 Jahre zu widmen. Er erinnerte an die großen, regelmäßig alle 25 Jahre mit Umzügen, Zelt- und Gauturnfesten gefeierten Jubiläen und auch daran, wie es überhaupt dazu kam.

1844 fand das erste Feldbergfest statt, der Beginn des Wettkampfsports. In der Folge kam es überall zu Sportvereinsgründungen, auch in Usingen. Fußball stand lange nicht auf der Agenda des Vereins, erst 74 Jahre später, 1920, vor 101 Jahren also, wurde in Usingen auch dem runden Leder nachgejagt. Eigentlich hätten die Fußballer 2020 ihr 100-jähriges Bestehen feiern wollen, das Fest war aber, wie so vieles, wegen Corona ausgefallen.

Saltenberger erinnerte an den rasanten Aufstieg der UTSG seit 1996. Immer mehr und immer bessere Sportstätten kamen dank Unterstützung von Stadt, Kreis, Land und Sponsoren, aber auch Muskelhypotheken der Mitglieder hinzu. Aus einer wurde nichts, was Saltenberger nicht verschwieg: Der Kauf des Fitness-Studios "Health City" platzte in letzter Minute, auch eine Folge der Corona-Pandemie.

Landrat Ulrich Krebs (CDU) betonte die Bedeutung des Sports als Basis eines demokratischen Miteinanders, das die UTSG seit 175 Jahren lebe, als ein starkes Fundament der sich ständig wandelnden Gesellschaft in der Stadt. Die UTSG habe mit der Entwicklung immer Schritt gehalten und sich auch von Rückschlägen nie entmutigen lassen. Krebs versprach, alles zu tun, damit der Bau der neuen Sporthalle dort, wo bis 2019 die Stadthalle gestanden hat, endlich beginnen kann.

Beeindruckt von

der Entwicklung

Bürgermeister Steffen Wernard (CDU), der schon als Bub bei der UTSG Fußball gespielt hat, zeigte sich beeindruckt, wie sich der Verein immer weiter entwickelt hat. Im gesellschaftlichen Leben der Stadt habe die UTSG trotz ihrer Größe als betont familiär bleibender Verein höchsten Stellenwert, vor allem auch wegen ihrer Kinder- und Jugendarbeit. Andreas Klages sprach für den Landessportbund und für Norbert Möller, Sportkreis Hochtaunus. Er sei beeindruckt, dass sich 175 Jahre lang immer wieder Menschen ehrenamtlich bereitgefunden haben, diesen Verein traditionsbewahrend, aber auch zukunftsgewandt zu führen. Sportvereine wie die UTSG seien der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhalte.

Glückwünsche kamen auch von Thorsten Bastian für den Hessischen Fußballverband. Auch er nannte das Ehrenamt als Treibstoff für Vereine wie die UTSG, die nicht nur in der Gesellschaft tief verwurzelt sei, sondern auch über Jahrzehnte immer wieder Erfolge auf dem Rasen erzielt habe. Für den Turngau Feldberg fand Helmut Reith lobende Worte für die UTSG, aber auch mahnende. Überall verlören Vereine in der Pandemie Tausende Mitglieder, der Turngau Feldberg allein 2000. Das gelte es dringend zu kompensieren. Heinz Wagner vom Landesverband Behindertensport bescheinigte der UTSG, eine wertvolle Stütze im Behindertensport zu sein.

Bernhard Müller beendete die Gratulationscours im Namen des Usinger Vereinsrings. Auch er unterstrich die Bedeutung des Ehrenamtes. Es sei gut zu wissen, dass die Unesco das Ehrenamt zum "immateriellen Kulturerbe" erklärt habe. Damit sei sehr viel Wertschätzung für die 90 000 deutschen Sportvereine verbunden, auch für die UTSG.

von Alexander Schneider

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare