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Hermann und Anneliese Lichtnecker müssen zum Ende des Jahres ihren Kiosk zwischen Feldberghof und Falknerei schließen.

Langjährige Institution muss das Plateau räumen

Kiosk auf dem Großen Feldberg: Nach 70 Jahren ist Schluss

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Schlechte Neuigkeiten für alle Feldberg-Besucher: Der kleine Kiosk zwischen Feldberghof und Falknerei ist so etwas wie eine Institution, muss nun aber nach 68 Jahren schließen. Der Grund: Die Konkurrenz zum Feldberghof.

„Das war das Lebenswerk meiner Eltern“, sagt Hermann Lichtnecker und schaut sich in dem kleinen Kiosk um. Die Tränen stehen dem 74 Jahre alten Mann in den Augen, und auch seiner Frau Anneliese (69) fällt das Reden teilweise schwer. Nach 68 Jahren muss der Kiosk am Ende des Jahres schließen. Aber nicht aus Altersgründen. Der Grund ist die Konkurrenz zum Feldberghof.

Bei diesen Worten und dem Infoschild der Lichtneckers in den Schaufenstern reibt sich so mancher Besucher verwundert die Augen. Der kleine, sehr einfache und mit reichlich Patina überzogene Kiosk eine Konkurrenz für das große Restaurant? In der Tat. Hintergrund ist ein Vertrag, den der Zweckverband Feldberghof einst mit der Binding-Brauerei geschlossen hat und der einen Kiosk auf dem Areal, das der Zweckverband unterhält, kategorisch ausschließt. Zwar gibt es noch den Kiosk im Funkturm, „der gehört aber dem Hessischen Rundfunk und fällt nicht in das Gebiet des Zweckverbandes“, sagt Bürgermeister Marcus Kinkel (FWG).

Verlängerung erreicht

Bereits am 26. Mai 1987 wurde der Zweckverband Feldberghof von der Gemeinde Schmitten und dem Hochtaunuskreis gegründet – mit dem Ziel, den Feldberghof zu planen, zu errichten und zu betreiben. Zu diesem Zeitpunkt stand der Kiosk bereits und erhielt eine jährliche Pachtverlängerung. Bis vor zehn Jahren: 2006 drohte dem Kiosk bereits, dass die Pacht nicht verlängert wird. Die Verlängerung haben die Pächter damals aber durchgesetzt, denn: „Wir wollten damals ein Grundstück in Niederreifenberg, das Lichtneckers gehörte, Lichtneckers eine Pachtverlängerung über zehn Jahre“, erklärt Kinkel. „Die Gemeinde brauchte das Grundstück unbedingt, also haben Lichtneckers die Verlängerung des Pachtvertrages erpresst“, sagt Kinkel. Dies war vor seiner Zeit, und die Gemeinde ließ sich darauf ein.

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„Vor drei Jahren bekamen wir dann die Kündigung“, erzählt Anneliese Lichtnecker weiter. Wegen der Bedingung von Binding. Damals habe sie gedacht, das sei noch lange hin, doch das Ende sei absehbar gewesen. Trotzdem haben sie noch versucht, die Kündigung abzuwenden. Doch die Gespräche mit Kinkel liefen erfolglos und den Vorsitzenden des Zweckverbandes, Landrat Ulrich Krebs (CDU), wollte das Ehepaar nicht beknien. Der Gemeinde wiederum hätte bei einer erneuten Verlängerung eine Strafe gedroht, sofern sie die Klausel mit der Brauerei noch einmal missachtet hätte.

„Zu alt, um zu kämpfen“

Und wie sehen die Mitbewerber auf dem Feldberg das Aus? Als „harte Konkurrenz“ sehen weder Feldberghof-Betreiber Peter Stürtz noch Angela Birner, die den Kiosk im Turm betreibt, die Familie Lichtnecker. Man sei stets gut miteinander ausgekommen. Erneut anfechten werden die Lichtneckers die Entscheidung nicht. „Wir sind zu alt, um noch zu kämpfen“, sagt Hermann Lichtnecker.

Seit seinem fünften Lebensjahr ist er jeden Tag auf dem Feldberg gewesen. Seine Mutter habe Sand, Wasser und Beton mit einem Bollerwagen und ihm obendrauf täglich von Niederreifenberg auf den Feldberg gezogen, um den Kiosk mit seinem kriegsversehrten Vater zu bauen.

Geheizt wird die Hütte immer noch mit einem Holzofen, Strom für die Maschinen gibt es, Wasser und sanitäre Anlagen nicht. Viele Geschichten weiß Hermann Lichtnecker zu erzählen, von Stammkunden, aber auch von Einbrechern. Zum 31. Dezember ist das alles Geschichte, denn mit Beginn des neuen Jahres muss die Hütte abgerissen und entsorgt werden. Auf knapp 10 000 Euro schätzt Lichtnecker die Kosten. Und das bei einer kleinen Rente, denn Anneliese war die meisten Jahre Hausfrau. Zwei Dinge werden sie mitnehmen: Ein Holzschild mit dem Hinweis „Schuhe abkratzen“ und den Schemel, auf dem seine Mutter am Ofen Handschuhe strickte, die sie oftmals noch unter Warenwert verkaufte.

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