Gitarrist Danilo Kunze brilliert in der Laurentiuskirche
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Gitarrist Danilo Kunze brilliert in der Laurentiuskirche

Gitarrist Danilo Kunze brilliert in der Usinger Laurentiuskirche

Kleiner Rahmen für einen großen Musiker

  • VonEvelyn Kreutz
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Herausragende Interpretationen der meist fast unbekannten Werke

Usingen. Das Konzert "Vergessene Schätze" mit Gitarrenliteratur von der Frühromantik bis zur Neuzeit, dargeboten von Danilo Kunze, dem Preisträger des Deutschen Gitarrenpreises, gönnten sich am Totensonntag nur wenige Zuhörer. Wegen der aktuellen Corona-Situation haben sich nach Einschätzung von Friederike Richter-Wedell, der Vorsitzenden des veranstaltenden Kulturkreis Usinger Land, viele Stammbesucher nicht getraut in die evangelische Laurentiuskirche zu kommen.

"Nach dem Konzert vor drei Wochen mit dem Usinger Kammerorchesters vor großem Publikum haben wir heute genau das Gegenteil", sagte sie bei der Begrüßung und meinte: "Der intime Rahmen passt zu den leisen Tönen des Instrumentes." Nicht zuletzt dank der hervorragenden Akustik des Gotteshauses gelang es dem Nachwuchsgitarristen die Besucher von Anfang an in seinen Bann zu ziehen.

Mit der Sonate in einem Satz des österreichischen Komponisten Ferdinand Rebay (1880 - 1953) hatte der junge Gitarrist zum Auftakt ein Werk ausgesucht, das alle Facetten des Instrumentes zum Tragen brachte, ihm selbst quasi zum Einspielen und dem Publikum zum Einhören diente.

Harmonien eines Klagelieds

Der rhythmisch betonten Einleitung folgten ausgesprochen lyrische Passagen und dann ein fast improvisiert anmutende Zwischenspiel. Dies führte nahtlos über in einen tänzerischen Part, der abrupt endete.

Das zweite Stück, Première Fantasie, op. 5, stammte von Francois de Fossa (1775-1849), einem Offizier der französischen Armee mit einer großen Leidenschaft für die Musik. Hier war der Einfluss Joseph Haydns nicht zu überhören. Die typischen Harmonien des Wegbereiters der Wiener Klassik gepaart mit der Leichtigkeit des Instrumentes und der Virtuosität des Gitarristen bescherten einen besonderen Hörgenuss.

Spanisch ging es weiter mit Deux Préludes von Joaquin Rodrigo (1901 - 1999). Wie Kunze in seiner Moderation mitteilte, war der Komponist im Alter von drei Jahren erblindet und hat seine Kompositionen diktiert. Das langsame Adagio bezeichnete der Gitarrist als klassisches Charakterstück, das an ein Klagelied erinnere.

Doch perlende Läufe schufen gleichsam eine hoffnungsfrohe Stimmung und leiteten über zum tänzerischen Allegro mit volkstümlichen Elementen. Gut herauszuhören waren temperamentvolle Flamenco-Rhythmen.

Ständchen zum Geburtstag

Zum 100. Geburtstag des schottischen Komponisten Malcolm Arnold (1921 - 2006), der unter anderem über 150 Filmmusiken komponiert hat, darunter die zu "Die Brücke am Kwai", hatte Kunze dessen einziges Werk für Gitarre solo einstudiert. Die Fantasy op. 107 dürfte zu den eher weniger bekannten Gitarrenstücken gehörten und war durch einen gefälligen Stil geprägt. Spieltechnisch interessant war der Marsch im Mittelteil. Hier erzeugte das übereinander Kreuzen der beiden tiefen Basssaiten den typischen Trommeleffekt.

Krönender Abschluss war Rebays viersätzige Sonate in d-moll, die 1941 entstanden ist. In dieser Zeit befand sich der Komponist im selbst auferlegten Exil um an der Musikakademie nicht für die Nationalsozialisten arbeiten zu müssen.

In diesem Werk hat der Komponist im zweiten Satz "Variationen über ein Thema von Schubert" dessen große Klaviersonate B-Dur verarbeitet. Wie Rebay das dem Originalwerk anhaftende Geheimnis des göttlichen Grals auf die Gitarre übertragen hat, war schon genial. Wie hingebungsvoll Kunze diese Stimmung zum Ausdruck brachte, darüber konnte man nur staunen - und Beifall spenden.

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