Inzwischen ist wieder Ruhe eingekehrt am Hattsteinweiher - wobei durch den verregneten Sommer von Hektik in diesem Jahr sowieso keine Rede sein konnte. Im kommenden Jahr soll, wenn Bürgermeister Steffen Wernard sich durchsetzt, der Eintritt wieder kostenfrei sein.
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Inzwischen ist wieder Ruhe eingekehrt am Hattsteinweiher - wobei durch den verregneten Sommer von Hektik in diesem Jahr sowieso keine Rede sein konnte. Im kommenden Jahr soll, wenn Bürgermeister Steffen Wernard sich durchsetzt, der Eintritt wieder kostenfrei sein.

Badespaß

Kleines Minus nach schlechter Saison

  • Andreas Burger
    VonAndreas Burger
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  • Thomas Kopp
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Nächstes Jahr soll der Eintritt zum Hattsteinweiher kostenfrei sein. Doch die Parkgebühr bleibt bestehen

Usingen -Für die Stadt und die Bürger war die Badesaison am Hattsteinweiher einmalig in der Geschichte. Parkgebühren, Eintrittsgeld, Sicherheitskontrollen, neue Angebote und nicht zuletzt Veränderungen für die Gastronomie - die Pandemie hat auch am Badegewässer ihre Spuren hinterlassen. Man könnte schon fast von Glück reden, dass der Sommer ins Wasser gefallen ist, Proteste gab es auch so genug, ab und an aber auch Zustimmung.

Für Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) und die Verwaltung war es stets ein schmaler Grat, auf dem es zu wandeln galt. Um die Auflagen im Corona-Jahr 2021 zu erfüllen und Massentreffen zu kontrollieren, hatte die Politik den Vorschlag aus dem Magistrat für gut befunden, mittels Parkgebühren von fünf Euro und entsprechender Besucherobergrenze von 800 Gästen den Einlass zu regeln. Zudem kostete der Zutritt mit einem Bändchen am Arm drei Euro, ermäßigt einen. Der Protest kam schnell und laut, es wurde nachgebessert - Familien kamen mit einem Euro rein.

Schwierige Entscheidungen

"Es war eine schwierige Entscheidung", blickt Wernard auf die abgelaufene Saison zurück. Dennoch seien die Maßnahmen gerade wegen der Pandemie begründet gewesen. "Wir haben gerade für Ordnung und Sauberkeit viel Lob erhalten." Und im kommenden Jahr?

"Alle Beteiligten, also Politik, Verwaltung, DLRG und Ordnungskräfte treffen sich im Frühjahr, um die Situation neu zu bewerten", sagt er. "Aber ich denke, dass wir den Verkauf der Bändchen nicht mehr wiederholen werden." Sprich: Für die Liegewiese wird der Eintritt wieder frei, die Sache mit dem Parken aber wird wohl weiterhin Geld kosten. "Das hängt alles von der weiteren Entwicklung von Corona ab", sagt Wernard. Durch den Sicherheitsdienst, die Kontrollen, das WC-Häuschen für Behinderte und weitere bauliche Maßnahmen liefen bei der Stadt natürlich Kosten auf. Insgesamt 48 000 Euro musste die Stadtkasse für die Badesaison aufbringen. Unter anderem 28 000 Euro für den Sicherheitsdienst (50 000 waren angesetzt, aber das schlechte Wetter reduzierte die Einsätze), und 11 000 für die Reinigung (angesetzt: 16 000). Demgegenüber standen auch Einnahmen, was aber am Ende dennoch ein Minus von 7000 Euro ergab. "Das ist verkraftbar, dank der guten Verhandlungen unserer Mitarbeiter konnten wir Sicherheits- und Reinigungskosten senken."

Gewässer als Naturbad?

Eigentlich war sogar angedacht, für Usinger Bürger den Weiher-Besuch kostenfrei anzubieten, doch "aus Gleichheitsgrundsätzen ging dies nicht", sagte der Bürgermeister.

Was die Einrichtung für Behinderte betrifft, gab die Stadt 500 Euro für den WC-Wagen aus. "Wir haben auch überlegt, am bestehenden Klohäuschen etwas anzubauen, doch das würde kaum barrierefrei gehen an dieser Lage." So hatte der Sicherheitsdienst den Schlüssel für den Toilettenwagen - gebraucht, so Wernard, wurde er aber nicht. Der Wagen kostete allerdings nur 500 Euro die ganze Saison.

Eine ebenfalls angedachte Alternative wäre, den ganzen Weiher als Naturbad zu betreiben. Aber dann müsste das gesamte Areal einen Zaun erhalten, Kontrollen und ein Kassenhäuschen wären notwendig. So wäre das Prädikat Badesee mit allen Auflagen vermeidbar - aber die Kosten kaum zu überblicken. "Wir werden in der Arbeitsgruppe alle Möglichkeiten erörtern".

Eine Säule, die Leben retten kann

Eigentlich ist gerade Zwischensaison am Hattsteinweiher: Schwimmen wird bei diesen Temperaturen keiner mehr, fürs Schlittschuhlaufen ist es noch zu früh. Trotzdem wehte gestern die Fahne der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), Kreisgruppe Usinger Land. Grund war eine Einweihung.

Gemeinsam mit Bürgermeister Steffen Wernard stellte der Technische Leiter der Ortsgruppe, Ferdinand Steinsberger, eine Notrufsäule vor, die sich nun auf der Liegewiese kurz vor dem Strandbereich befindet. Denn in Kooperation mit der Stadt hat die DLRG die Björn-Steiger-Stiftung dazu bewegen können, die Anschaffungskosten in Höhe von 6000 Euro zu übernehmen.

Wernard erinnerte an den tragischen Badeunfall im Jahr 2005, bei dem ein Vierjähriger ertrunken ist. Da die ehrenamtlichen Mitglieder der DLRG im Sommer meist nur an Wochenenden Dienst verrichten können, erinnerte Wernard Eltern daran, dass sie in erster Linie dafür zuständig seien, auf die Sicherheit ihrer Kinder zu achten.

Sollte doch etwas passieren, soll die Säule schnelle Hilfe garantieren: Drückt man den Knopf, wird sofort eine Verbindung zur Leitstelle Hochtaunus ausgebaut. Gleichzeitig sendet die Säule auch GPS-Daten, so dass sofort Rettungskräfte aufbrechen können. "Das gilt natürlich nicht nur für Bade- und Eisunfälle, sondern auch für alle anderen Ereignisse, die einen Rettungswagen erfordern", macht Steinsberger klar. Durch ein Leuchtsignal wird nach Auslösen zusätzlich die Öffentlichkeit auf den Notfall aufmerksam gemacht.

Sind die Helfer der DLRG nicht vor Ort, ist die Notrufsäule rund um die Uhr verfügbar. Sie wird durch Solarstrom betrieben, doch auch ein bewölkter Himmel macht ihr im Regelfall nichts aus. Zusätzlich durchläuft sie alle 24 Stunden einen Selbsttest im Kontakt mit dem Server der Stiftung und ist somit nahezu wartungsfrei. Die Stiftung übernimmt auch die Betriebskosten von rund 170 Euro pro Jahr.

Wernard richtete seinen Dank auch an die Mitarbeiter des Bauhofs, die die Erdarbeiten übernommen und das Fundament gegossen haben.

Derzeit gibt es noch ein öffentliches Telefon am Weiher. Doch nach wiederholtem Vandalismus will die Telekom das abbauen. "Und da nicht jeder sein Handy mit an den Weiher nimmt, ist diese Säule sicher die optimale Lösung", sagt Wernard. von andreas burger und thomas kopp

Weihen die neue Notrufsäule ein (von links): Ferdinand Steinsberger (DLRG), Bürgermeister Steffen Wernard, Mareike Nägele (Erste Vorsitzende DLRG) und Dagmar Golinski (Beisitzerin).

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