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Kommentar: Eine in mehrfacher Hinsicht überraschende Entwicklung

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Nach den Anspacher Querelen und den teils populistischen und nicht immer von Fakten untermauerten Einlassungen mancher Bürgerinitiativen war die Windkraft-Veranstaltung der FDP in mehrerer Hinsicht überraschend.

Nach den Anspacher Querelen und den teils populistischen und nicht immer von Fakten untermauerten Einlassungen mancher Bürgerinitiativen war die Windkraft-Veranstaltung der FDP in mehrerer Hinsicht überraschend. Positiv wie negativ.

Zum einen war Stefan Naas trotz des emotional aufgeladenen Themas reflektiert und unaufgeregt. Er beschränkte sich nicht auf plumpe Effekthascherei und Panikmache, sondern erläuterte, sicher merklich parteipolitisch gefärbt aber dennoch vergleichsweise sachlich, das Für und Wider der Windkraftplanung.

Seine Konklusion, dass die Windenergie Teil eines Energiemixes sein müsse und dieser Mix im Ballungsraum anders ausfallen sollte als in weniger dicht besiedelten Gegenden, war nachvollziehbar und grenzt sich von vielen verkürzten Argumentationen („Windkraft, nein Danke!“) positiv ab.

Ein unerfreuliches Bild lieferten hingegen manche Äußerungen aus dem Publikum. Dass sich der mündige Bürger auch mal selbst über Sachverhalte informieren muss, vielleicht mal die Internet-Suchmaschine bemüht, einen Wahlkampfstand, eine Sitzung der politischen Gremien besucht oder eine Zeitung (ja, Überraschung, auch wir berichten schon ein paar Jahre über die Windkraft) aufschlägt, sollte selbstverständlich sein.

Ist es aber offensichtlich nicht mehr. Zumindest für diejenigen, die am Dienstag kritisierten, dass sie nicht über den Stand der Dinge informiert seien und die Schuld dafür bei anderen suchen. Dass dann noch die umtriebigen und engagierten – manche mögen sagen „nervigen“ – Bürgerinitiativen angefahren werden, sie würden zu wenig tun, sollten doch mehr informieren und sich gefälligst stärker mit anderen vernetzen, schlägt dem Fass den Boden aus.

Man kann zur Windkraft, ja zur Politik insgesamt, stehen wie man will: Jeder ist selbst gefragt, sich rechtzeitig zu informieren und sich dann gegebenenfalls zu positionieren. Das ist, unter Anerkennung der bei solchen Diskussionen gerne ins Feld geführten Grund- und Bürgerrechte, eine Bürgerpflicht.

Und dass nun auch der Winterstein in Wehrheim politisch nicht mehr mehrheitsfähig erscheint, zeigt, dass des Bürgers Wort sehr wohl Gewicht hat.

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