Komprimierte Geschichte

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Viele Grußworte hatte es zum 125-jährigen Geburtstag der Turn- und Sportgemeinde (TSG) Niederreifenberg gegeben. Mehr als tausend Worte sprach jedoch die Ausstellung die Schriftführerin Susanne Eckermann zusammengestellt hatte. Wer genau hinschaute, entdeckte Schätze aus der Vereinsgeschichte.

Die TSG-Ahnengalerie, also die Urväter, die 1891 und 1902 zwei Vereine gegründet hatten, durften in der Ausstellung zum 125-jährigen Bestehen der TSG Niederreifenberg natürlich nicht fehlen. Auch nicht Vorstände und ehrenvolle Mitglieder. Ohne sie hätte es nach dem Krieg den Zusammenschluss zur heutigen Turn- und Sportgemeinde nicht gegeben. Und dann sind da vor allem die erfolgreichen Sportler, die Aushängeschilder des Vereins. Von ihren Leistungen zeugten Urkunden und Pokale und Fotos vom An- und Abturnen.

Was die Gründer vor 125 Jahren bewogen hatte, darüber gebe es keine Unterlagen mehr, hatte der heutige Vorsitzende Karl Breitung in der akademischen Feier mitgeteilt und über die Unterschiede zwischen Turnen und Sport philosophiert. Dass die dann 1953 auch zur Abspaltung der Fußballer führte, verriet er im Gespräch mit der TZ. Denn nach dem zweiten Weltkrieg wurde auch bei der TSG zunächst Fußball gespielt, aber nicht lange. „Den Fußballern fehlte die Disziplin der Turner“, stellte Breitung lachend fest. Nicht trainieren, aber am Wochenende spielen wollen, das passte nicht ins Weltbild der Turner, die um der Sache Willen Sport treiben. Der Fußballclub (FC) Reifenberg entstand, der inzwischen mit der Sportgemeinschaft Oberreifenberg (SGO) zum FSV Reifenberg fusioniert hat.

Heute wird bei der TSG auch im Namen immer noch das Turnen hochgehalten. Aber längst haben eine Vielzahl von Sportarten Einzug gehalten. Es gibt 32 attraktive Angebote, nur eben keinen Fußball. Königsdisziplin war und ist bei der TSG die Leichtathletik. Kein Wunder, die Teilnahme an den Feldbergfesten war und ist für viele Pflicht und Ansporn zugleich. Eine sehenswerte historische Urkunde mit Siegerkranz vom Feldbergfest aus dem Jahr 1907 hat Eckermann erst unlängst für die Ausstellung und fürs Vereinsarchiv im Internet ersteigert. Dass sie selbst zu den erfolgreichsten Athleten der TSG gehört, lässt Eckermann am liebsten unerwähnt. Doch Breitung ist stolz darauf, dass seine Schwägerin sogar Zweite beim hessischen Landesturnfest war.

Um deutschlandweit mithalten zu können, hatte der Schorsch schon in den 1920er Jahren Spikes – selbst hergestellt. Seine Sportschuhe der ersten Stunde werden gehegt und gepflegt und immer wieder gerne gezeigt und bewundert. Es gäbe noch viel zu erzählen aus 125 Jahren TSG Niederreifenberg. So erinnerten sich Theo Westenberger und Hermann-Josef Klosterhalfen noch genau daran, wie amerikanische Soldaten 1951 halfen den Sportplatz zu bauen. Sie werden in Kürze der TZ darüber berichten.

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